Annäherung im US-Etatstreit treibt Dax auf Jahreshoch

Dienstag, 18. Dezember 2012, 18:17 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Angefeuert von der Hoffnung auf eine Einigung im US-Haushaltsstreit haben Aktienanleger den Dax am Dienstag den zweiten Tag in Folge auf ein Fünf-Jahres-Hoch getrieben.

Der deutsche Leitindex stieg auf bis zu 7667,91 Zähler und schloss 0,6 Prozent fester bei 7653,58 Punkten. Sein Allzeithoch hatte das Börsenbarometer am 13. Juli 2008 mit 8152 Punkten erreicht.

In diesem Jahr konnte der Dax fast 30 Prozent an Wert gewinnen, was ihn nach Ansicht mancher Analysten im kommenden Jahr aber anfällig für Rücksetzer macht. "Der Dax war 2012 einer der am besten laufenden Aktienmärkte der Welt, da sich das wirtschaftliche Schwergewicht in Europa weit besser geschlagen hat als die meisten anderen Länder der Euro-Zone", urteilte Chefökonom Steen Jakobsen von der Saxo Bank. Diese Entwicklung werde aber im kommenden Jahr nicht anhalten, da eine Abkühlung der Konjunktur in China auch die Expansion der deutschen Industrie zum Halten bringen dürfte.

Der EuroStoxx50 schloss 0,7 Prozent im Plus bei 2646 Zählern - dem höchsten Stand seit August 2011. Die US-Börsen verzeichneten ebenfalls deutliche Gewinne.

In Washington mehrten sich die Zeichen, dass sich Demokraten und Republikaner im Etatstreit kurz vor Toresschluss doch noch annähern. "Die Chancen für einen baldigen Kompromiss scheinen gestiegen zu sein", sagte Marktanalyst Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. "In den vergangenen Tagen waren die Märkte zunehmend davon ausgegangenen, dass die 'Fiskalklippe' nicht vor Weihnachten umfahren werden kann. Die neue Chance auf eine baldige Lösung gibt ihnen eine neue Perspektive und Rückenwind."

Anleger stützten ihren Optimismus auf einen Kompromiss-Vorschlag des US-Präsidenten Barack Obama, dem zufolge die geplanten Steuererhöhungen für Großverdiener ab einem Jahreseinkommen von 400.000 statt 250.000 Dollar greifen sollen. Der republikanische Verhandlungsführer im Repräsentantenhaus, John Boehner, bezeichnete das Angebot als noch nicht ausreichend. Er hoffe aber weiter, eine Einigung mit dem Präsidenten zu erreichen. Der Kongress muss bis Ende des Jahres eine Lösung finden, sonst drohen automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in einem Volumen von 600 Milliarden Dollar. Experten befürchten, dass dies die USA in eine Rezension stürzen könnte.

VERKAUF VON BONUS-PROGRAMM MACHT AIR BERLIN BELIEBT

Zu den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt zählten Air Berlin, deren Aktien sich um bis zu zehn Prozent auf 1,66 Euro verteuerten. Die Fluggesellschaft verkauft ihr Vielflieger-Programm an Großaktionär Etihad, um damit Geld für die Sanierung zu erhalten. Der Verkaufspreis von 184 Millionen Euro liege am oberen Ende der Markterwartungen schrieb DZ Bank-Analyst Robert Czerwensky in einem Kommentar. Die Air-Berlin-Titel schlossen im SDax 8,4 Prozent fester.

Außerdem waren Finanzwerte stark gefragt, die gewöhnlich überdurchschnittlich auf Bewegungen des Gesamtmarktes reagieren. Der Branchenindex für die Banken der Euro-Zone legte 1,7 Prozent zu. Commerzbank gewannen 3,7 Prozent und führten damit die Dax-Gewinnerliste an. Deutsche Bank erholten sich nach den Verlusten der vergangenen Tage um 2,2 Prozent. Die österreichische Erste Bank stieg um 4,6 Prozent.

Vor den nach US-Börsenschluss erwarteten Oracle-Zahlen machten Anleger einen Bogen um die Aktien des Erzrivalen SAP. Die Titel des Software-Konzerns schlossen 0,5 Prozent im Minus und gehörten damit zu den wenigen Verlierern im Dax. Analysten rechnen bei Oracle zwar mit einem Gewinnanstieg, erwarten aber zugleich einen Umsatzrückgang. Die Oracle-Titel notierten in New York ein Prozent im Plus.

In Helsinki legten Nokia um 7,9 Prozent zu. Händlern zufolge setzten Anleger auf gute Verkaufszahlen bei Nokias neuen Smartphone-Modellen Lumia im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Die Titel des einstmals größten Handy-Herstellers der Welt haben angesichts der immer härter werdenden Konkurrenz durch Apple und Samsung in diesem Jahr rund 17 Prozent an Wert verloren.