Dax steigt trotz US-Etatstreit auf neues 5-Jahres-Hoch

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 20:20 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Aussicht auf eine lockere Geldpolitik in den großen Industrieländern hat den Dax am Mittwoch auf den höchsten Stand seit Januar 2008 getrieben.

Denn Aktien dürften vergleichsweise hohe Renditen abwerfen und gegen eine drohende Inflation schützen, wenn die Notenbanken von Japan, der Euro-Zone und den USA auch 2013 den Markt mit billigem Geld fluten. Schon am Donnerstag könnte sich die Bank of Japan dafür entscheiden, frisches Geld in die Wirtschaft zu pumpen.

Der deutsche Leitindex verringerte sein Plus am Nachmittag aber etwas und schloss 0,2 Prozent fester bei 7668,50 Punkten. Ein Börsianer erklärte den zögerlichen Anstieg damit, dass einige Anleger den Dax zum Großen Verfallstermin am Freitag offenbar lieber bei der Marke von 7600 Punkten sähen. Zum letzten Mal werden dann im laufenden Jahr Aktien- und Index-Optionen sowie Futures fällig.

Als Bremsklotz für die Aktienbörsen erwies sich zudem einmal mehr der US-Haushaltsstreit. Präsident Barack Obama drohte mit einem Veto gegen den vom republikanischen Verhandlungsführer John Boehner vorgelegten Alternativplan. Die Vorschläge reichten nicht aus, um eine Balance zwischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zu finden, begründete das US-Präsidialamt seinen Widerstand. Sollten sich Demokraten und Republikaner bis zum Jahreswechsel nicht einigen, droht der weltgrößten Volkswirtschaft wegen dann automatisch greifender Sparmaßnahmen nach Expertenmeinung die Rezession. Die US-Börsen büßten wegen der zähen Verhandlungen in Washington ihre Anfangsgewinne ein und tendierten uneinheitlich. Auch der Euro kam von seinem Tageshoch bei 1,33 Dollar zurück und notierte bei 1,3260 Dollar.

Der EuroStoxx beendete den Tag dagegen 0,4 Prozent fester bei 2654 Zählern, der spanische Leitindex gewann sogar 1,2 Prozent.

Der Anstieg des Ifo-Geschäftsklima-Index stützte die Kurse ebenfalls. Den zweiten Monat in Folge hellte sich demnach die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft auf. Das passe perfekt ins Bild und stütze die nun optimistischere Konjunkturerwartung an den Märkten, führte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus aus.

Positiv wirkten sich auch Meldungen rund um die griechische Schuldenkrise aus. So stufte die Ratinagentur S&P die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes auf "B-minus" mit einem stabilen Ausblick herauf. Zudem will die Europäische Zentralbank (EZB) griechische Staatsanleihen wieder als Sicherheiten bei geldpolitischen Operationen mit Geschäftsbanken akzeptieren. Der Athener Leitindex schloss 4,8 Prozent fester, der griechische Bankenindex legte sogar rund zehn Prozent zu.

HEIDELBERGCEMENT AN DAX-SPITZE - MERCK SCHLUSSLICHT

Bei Einzelwerten gab es europaweit nur wenige Ausreißer. Im Dax standen die Aktien von Unternehmen, die stark von Konjunkturschwankungen betroffen sind, hoch im Kurs: So stiegen HeidelbergCement und ThyssenKrupp um 2,4 beziehungsweise um 2,8 Prozent. Dabei stützten positive Analystenkommentare beide Aktien zusätzlich.

Schlusslicht waren die Merck-Aktien, die nach einem Rückschlag in der Krebsmittel-Forschung 2,1 Prozent einbüßten.

Eine Berg- und Talfahrt erlebten die UBS-Aktien, nachdem die Schweizer Großbank eine milliardenschwere Strafe wegen ihrer Verstrickung in den Libor-Skandal aufgebrummt bekommen hatte. Die UBS muss den amerikanischen, britischen und Schweizer Behörden mit insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro so viel Geld überweisen, dass sie im vierten Quartal tiefrote Zahlen schreiben wird. Die UBS-Titel legten zunächst dennoch bis zu 2,4 Prozent zu, da die Strafe Händlern zufolge erwartet worden war. Am Ende strichen Anleger aber ihre Tagesgewinne ein, so dass die Anteilsscheine den Handel mit einem Abschlag von 0,3 Prozent beendeten.