Wall Street legt nach zweitägiger Rally Pause ein

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 20:22 Uhr
 

New York (Reuters) - Nach den deutlichen Zuwächsen der vergangenen beiden Tage sind die US-Börsen am Mittwoch kaum vom Fleck gekommen.

Wachsende Hoffnungen auf eine Lösung im US-Haushaltsstreit stützten zwar grundsätzlich die Kurse. Die Anleger zögerten jedoch mit weiteren Käufen in großem Stil. Eine Ausnahme war die Aktie der Opel-Mutter General Motors: Börsianer reagierten erfreut auf den geplanten Rückkauf von Aktien im Staatsbesitz und trieben den Kurs rund acht Prozent in die Höhe.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab bis zum frühen Nachmittag 0,1 Prozent nach auf 13.335 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 notierte 0,2 Prozent schwächer bei 1443 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq trat bei 3055 Punkten auf der Stelle. In Frankfurt verließ der Dax den Handel mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent auf 7668 Punkte.

Die Investoren zeigten sich überzeugt, dass die Demokraten von Präsident Barack Obama und die oppositionellen Republikaner doch noch die "Fiskalklippe" umschiffen können. Ohne Einigung setzen zum Jahreswechsel automatisch massive Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen ein, die die USA in die Rezession stürzen könnten. Trotz der Zurückhaltung unter den Anlegern seien die Zugeständnisse von Obama und des republikanischen Verhandlungsführers John Boehner ein Grund für Optimismus, sagte Adam Sarhan, Chef von Sarhan Capital. "Vieles deutet daraufhin, dass es eine Einigung vor Fristablauf geben wird und führt dazu, dass der Aktienkauf an Fahrt gewinnt." Auch Scott Eldridge von Caprin Asset Management erklärte, die Frage sei nun nicht mehr, ob eine Einigung überhaupt gelingen wird. Vielmehr komme es nun auf die Details des Kompromisses an.

Auch positive Konjunkturdaten konnten die Anleger aber zunächst nicht weiter aus der Deckung locken. Die Baugenehmigungen in den USA stiegen im November auf das höchste Niveau seit fast viereinhalb Jahren. Die Behörden gaben grünes Licht zum Bau von - auf das Jahr hochgerechnet - 899.000 Wohnungen und Häusern. Dies wurde als ein weiterer Beleg für eine Erholung am lange schwächelnde Immobilienmarkt gesehen.

Auf Unternehmensseite standen unter anderem die Papiere von Oracle mit einem Aufschlag von rund vier Prozent im Blickpunkt. Der SAP-Rivale konnte seinen Umsatz mit Software für Firmenkunden im abgelaufenen kräftig steigern und so einen Gewinnsprung von 18 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar hinlegen.

GM-Aktien kletterten 7,6 Prozent. Der vor drei Jahren mit Steuergeldern gerettete Autobauer kündigte an, sich weiter vom Staat zu lösen. Die in Anspielung auf die Staatshilfe auch scherzhaft "Government Motors" genannte Konzern will für 5,5 Milliarden Dollar 200 Millionen weitere Aktien von der US-Regierung zurückkaufen. Das Finanzministerium erklärte zudem, innerhalb von zwölf bis 15 Monaten auch seine restlichen rund 300 Millionen GM-Aktien zu verkaufen.

Die Fedex-Aktie gewann drei Prozent. Der Paketdienst steigerte seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal stärker als von Experten erwartet und bekräftigte seine Jahresprognose. Der Gewinn sank allerdings wegen Belastungen durch Hurrikan "Sandy" und sparsamer Kunden um zwölf Prozent. Die Aktien der Knight Capital Group legten sechs Prozent zu, weil der Aktienhändler der Übernahme durch einen Makler zustimmte. Eine fatale Computerpanne im August hatte Knight fast in die Knie gezwungen.