Europas Aktienmärkte verteidigen Gewinne

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 15:18 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Trotz des ungelösten Haushaltsstreit in den USA und einer als Enttäuschung bewerteten Geldpolitik in Japan haben sich Europas Aktienmärkte am Donnerstag robust gezeigt.

Händler vermuten hinter der Gelassenheit einen technischen Grund, da am Freitag zum sogenannten "Hexensabbat" an den Terminmärkten Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig werden. "Das lockt einige Anleger an den Markt und verhindert größere Kursverluste", erklärte ein Händler. Der Dax notierte am Nachmittag mit 7670 Punkten nahezu unverändert, der EuroStoxx lag 0,2 Prozent im Plus bei 2659 Zählern. Der Euro stabilisierte sich im Handelsverlauf bei 1,3244 Dollar.

Händler bezweifelten aber, dass Europas Aktienmärkte letztlich tatsächlich so glimpflich davon kommen werden. "Spätestens am Freitag um 13.00 Uhr wissen wir mehr", kommentierte ein Händler. Dann wird unter anderem der Terminkontrakt auf den Dax fällig. "Wenn bis dahin keine positiven Nachrichten aus Washington vorliegen, kann das ganz schnell wieder nach unten rauschen", erklärte der Händler.

Nach Reuters-Daten ist der Dax so stark überkauft wie seit Mitte Februar nicht mehr, der EuroStoxx50 sogar so deutlich wie seit 2006 nicht mehr. Nach Einschätzung von UBS-Chartanalyst Michael Riesner präsentieren sich die europäischen Aktienmärkte zwar weiterhin besser als die US-Börsen. Die seit Mitte November anhaltende Rally sei aber zu stark, um nachhaltig sein zu können.

In Tokio hatte die Lockerung der Geldpolitik durch die Bank of Japan am Morgen Gewinnmitnahmen ausgelöst und den Nikkei-Index um 1,2 Prozent ins Minus gedrückt, da das Ausmaß der Schritte erwartet worden waren. In Washington ging das Hickhack zwischen Republikanern und Demokraten um die richtige Lösung im Haushaltsstreit derweil weiter. Sollten sich die Kontrahenten bis Jahresende nicht auf einen gemeinsamen Nenner in der Steuer- und Ausgabenpolitik einigen, droht den USA 2013 eine Rezession. "Dieses Hin und Her ist zermürbend", sagte ein Händler. An den US-Börsen zeichnete sich ein schwächerer Handelsstart ab. US-Konjunkturdaten fielen gemischt aus: Mit 361.000 Amerikanern beantragten in der Vorwoche mehr Menschen erstmals Arbeitslosenhilfe als angenommen. Dagegen fiel das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal nach endgültigen Zahlen mit 3,1 Prozent höher aus als von Analysten prognostiziert, die mit einem Plus von 2,8 Prozent gerechnet hatten.

GEWINNMITNAHMEN BEI THYSSENKRUPP NACH KLAGE DER BAHN

Für Gesprächstoff sorgte am Markt die geplante Übernahme der New Yorker Börse Nyse Euronext durch die Derivatebörse ICE. Die ICE bietet 33,12 Dollar in bar je Nyse-Papier. Die Fusion hat ein Volumen von rund 8,2 Milliarden Dollar. Berichte über die geplante Fusion hatten Händlern zufolge auch bei der Deutschen Börse Übernahmephantasien ausgelöst und die Titel um bis zu 1,9 Prozent nach oben geschoben. Die Anteilsscheine der Nyse legten vorbörslich in New York 31,8 Prozent zu, die der ICE verloren 4,1 Prozent.

Die Telekom-Aktie notierte 0,6 Prozent höher, nachdem das Unternehmen überraschend den Rückzug von Vorstandschef Rene Obermann von seinem Posten für Ende 2013 angekündigt hatte. Nachfolger zum 1. Januar 2014 soll der bisherige Finanzvorstand Timotheus Höttges werden. "Es muss sich erst noch zeigen, ob das positiv oder negativ für die Telekom ist, bisher hat man dazu am Markt keine große Meinung", sagte ein Händler.

Zu den schwächten Dax-Werten zählten die am Vortag favorisierten Aktien von ThyssenKrupp nach. Die Deutsche Bahn hat beim Landgericht Frankfurt Klage gegen die Mitgliedsfirmen des Schienenkartells eingereicht, zu dem auch ThyssenKrupp gehört. Einige Investoren hätten das zum Anlasse für Gewinnmitnahmen genommen, nachdem die Aktien zuletzt stark gestiegen seien, erklärte ein Händler. Die Titel verloren 1,1 Prozent.

Im MDax drückte eine Verkaufsempfehlung der Citigroup die Aktien des Rüstungskonzerns Rheinmetall um 2,7 Prozent. Das kommende Jahr könnte für Rheinmetall wegen Problemen im Verteidigungsbereich und der Absatzkrise am europäischen Automarkt schwierig werden, begründeten die Analysten ihre Herunterstufung.