Europas Aktienmärkte halten vor "Hexensabbat" Gewinne

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 18:17 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Trotz des ungelösten Haushaltsstreit in den USA haben sich Europas Aktienmärkte am Donnerstag robust gezeigt.

Händler vermuten hinter der Gelassenheit einen technischen Grund, da am Freitag zum sogenannten "Hexensabbat" an den Terminmärkten Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig werden. "Das lockt einige Anleger an den Markt und verhindert größere Kursverluste", erklärte ein Händler. Der Dax schloss bei Umsätzen von lediglich 2,3 Milliarden Euro um 0,1 Prozent fester bei 7672,10 Punkten. Der EuroStoxx gewann 0,2 Prozent auf 2660 Zähler.

Händler bezweifelten aber, dass Europas Aktienmärkte letztlich tatsächlich so glimpflich davon kommen werden. "Spätestens am Freitag um 13.00 Uhr wissen wir mehr", kommentierte ein Händler. Dann wird unter anderem der Terminkontrakt auf den Dax fällig. "Wenn bis dahin keine positiven Nachrichten aus Washington vorliegen, kann das ganz schnell wieder nach unten rauschen", erklärte der Händler.

In Washington ging das Hickhack zwischen Republikanern und Demokraten um die richtige Lösung im Haushaltsstreit weiter. Sollten sich die Kontrahenten bis Jahresende nicht auf einen gemeinsamen Nenner in der Steuer- und Ausgabenpolitik einigen, droht den USA 2013 eine Rezession. "Dieses Hin und Her ist zermürbend", sagte ein Händler.

Die Kurse an der Wall Street notierten uneinheitlich, obwohl die Mehrzahl der US-Konjunkturdaten positiv ausfiel: Die Wirtschaft legte im dritten Quartal nach endgültigen Zahlen mit 3,1 Prozent stärker zu als von Analysten prognostiziert. Auch der Konjunkturindex der Federal Reserve von Philadelphia sorgte für eine positive Überraschung und stieg im Dezember um 8,1 Prozent. Der Absatz bestehender Eigenheime war mit 5,04 Millionen im November ebenfalls höher als veranschlagt.

GEWINNMITNAHMEN BEI THYSSENKRUPP NACH KLAGE DER BAHN

Für Gesprächstoff sorgte am Markt die geplante Übernahme der New Yorker Börse Nyse Euronext durch die Derivatebörse ICE. Die ICE bietet 33,12 Dollar in bar je Nyse-Papier. Die Fusion hat ein Volumen von rund 8,2 Milliarden Dollar. Berichte über die geplante Fusion hatten Händlern zufolge auch bei der Deutschen Börse Übernahmephantasien ausgelöst und die Titel um bis zu 1,9 Prozent nach oben geschoben. Die Papiere der Deutschen Börse schlossen 0,8 Prozent fester bei 46,35 Euro. Die Anteilsscheine der Nyse legten in New York 32 Prozent zu, die der ICE verloren 1,4 Prozent.

Die Telekom-Aktie schloss 0,5 Prozent höher bei 8,62 Euro, nachdem Vorstandschef Rene Obermann überraschend seinen Rückzug von der Konzernspitze für Ende 2013 angekündigt hatte. Nachfolger zum 1. Januar 2014 soll der bisherige Finanzvorstand Timotheus Höttges werden. "Die Telekom hat derzeit mit den Märkten zu kämpfen, denn auch die Dividendenpolitik ist kein Tabuthema mehr", sagte ein Händler. Er bezweifle aber, dass mit dem Chef- auch ein Strategiewechsel eingeleitet werde. Die Vorstellungen von Obermann und Höttges schienen doch sehr ähnlich zu sein.

Die Titel der Deutschen Bank beendeten den Tag mit einem Abschlag von 0,5 Prozent bei 33,53 Euro. Deutschlands größtes Geldhaus wurde am Donnerstag in Frankfurt zum zweiten Mal innerhalb einer Woche durchsucht, dieses Mal im Rahmen des Rechtsstreits mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch.

Schwächster Wert im Dax war die am Mittwoch noch favorisierte Aktie von ThyssenKrupp. Die Deutsche Bahn hat beim Landgericht Frankfurt Klage gegen die Mitgliedsfirmen des Schienenkartells eingereicht, zu dem auch ThyssenKrupp gehört. Einige Investoren hätten das zum Anlass für Gewinnmitnahmen genommen, nachdem die Aktien zuletzt stark gestiegen seien, erklärte ein Händler. Die Titel verloren 0,8 Prozent.

Im Londoner Leitindex hielten die Anteilsscheine des Kreuzfahrtkonzerns Carnival Corporation mit einem Abschlag von 6,1 Prozent die rote Laterne. Das Unternehmen, das wegen der Havarie seines Luxusliners "Costa Concordia" vor fast einem Jahr in die Schlagzeilen geraten war, rechnet 2013 mit mauen Geschäften. Die Buchungen lägen bisher unter dem Niveau des Vorjahres, die Tickets müssten zu niedrigeren Preisen angeboten werden.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange December 20, 2012. REUTERS/Remote/Janine Eggert (GERMANY - Tags: BUSINESS)