US-Etatstreit bremst Dax aus - Anleger meiden Risiko

Freitag, 21. Dezember 2012, 11:01 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Angst vor einer Konjunkturabkühlung in den USA hat am Freitag die Stimmung der Anleger in Europa gedrückt.

Grund für die Sorge ist der sich hinziehende Haushaltsstreit in den USA. Sollten sich Republikaner und Demokraten nicht bald einigen, drohen automatisch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die das Wachstum der US-Wirtschaft abwürgen könnten.

"Es würde die Märkte enttäuschen, wenn die US-Politiker dieses Problem nicht lösen könnten", sagte Marktanalyst Daniel Kukalj von Close Brothers Seydler. Im Etatstreit gab es einen Rücksetzer, nachdem zahlreiche Republikaner ihrem Vorsitzenden die Gefolgschaft verweigert haben. Sie lehnen Steuererhöhungen für Reiche ab und wollen sich nicht auf einen Kompromiss einlassen.

Das Gezerre um den US-Haushalt führte dazu, dass die Anleger lieber die Finger von eher risikoreichen Anlagen wie Aktien und dem Euro ließen. So lag der Dax am Vormittag 0,7 Prozent im Minus bei 7617 Punkten, der EuroStoxx50 verzeichnete einen Abschlag von 0,5 Prozent auf 2644 Punkte. Der Euro verbilligte sich auf 1,3209 Dollar nach 1,3242 Dollar am Vorabend in New York. Gefragt waren dagegen deutsche Staatsanleihen: der Bund-Future stieg um 15 Ticks auf 144,47 Punkte.

Börsianer rechneten für den Handelstag wegen des dreifachen Verfalls, dem "Hexensabbat", mit Schwankungen. Die Preise für Aktien-Optionen werden zum Xetra-Handelsschluss festgestellt, die für die Index-Optionen und -Futures ab 13.00 Uhr.

NIKE-ZAHLEN ZIEHEN ADIDAS MIT

Einer der wenigen Lichtblicke im Dax waren die Papiere von Adidas mit einem Plus von zeitweise gut einem Prozent. Der US-Rivale Nike hatte am Vorabend mit seinem Quartalsgewinn die Erwartungen der Analysten übertroffen, die Aktie legte nachbörslich um sechs Prozent zu. In den USA stieg die Zahl der Bestellungen, für Waren die zwischen Dezember 2012 und April 2013 geliefert werden sollen, um 14 Prozent. "Nach unserer Ansicht sind dies gute Nachrichten für Adidas-Aktionäre", kommentierte Herbert Sturm, Analyst bei der DZ Bank die Zahlen. Denn die Bestellungen seien ein Indiz für ein voraussichtlich sehr gutes US-Geschäft der weltweit führenden Sportartikler im kommenden Jahr.

Eine Hochstufung der Analysten von JP Morgan hievte Infineon an die Spitze der Dax-Gewinnerliste. Die Titel des Chipherstellers gewannen 1,3 Prozent.

Zu den schwächsten Werten an den europäischen Aktienmärkten zählten die Banken: Im Dax verloren Deutsche Bank 2,3 Prozent und Commerzbank 1,9 Prozent. In London fielen Barclays gut zwei Prozent, in Paris büßten Credit Agricole 1,7 Prozent ein.

Im TecDax verteuerten sich die Aktien von SMA Solar um gut sieben Prozent. Das Solarunternehmen kauft einen großen Anteil an Jiangsu Zeversolar New Energy, einer chinesischen Firma, die ebenfalls Wechselrichter für Solaranlagen herstellt. "Wir verstehen das strategische Ziel von SMA, Präsenz im dynamischen chinesischen Markt zu haben - aber der Erfolg dieses Schrittes ist ziemlich unklar, da dies ein sehr umkämpfter Markt ist, in dem Zeversolar nur einen kleinen Marktanteil hat", schrieb DZ-Bank-Analyst Sven Kürten in einer Studie.