Schwache Einzelhandelsdaten belasten Wall Street

Donnerstag, 27. Dezember 2012, 08:16 Uhr
 

New York (Reuters) - Zurückhaltende Verbraucher haben den US-Anlegern kurz nach dem Weihnachtsfest die Stimmung verdorben.

Zusätzlich zu den Sorgen um den US-Haushaltsstreit kamen am Mittwoch noch schwache Einzelhandelsdaten. Diese deuteten auf das geringste Umsatzplus seit der jüngsten Rezession im Jahr 2008 hin. Einige Investoren vermuteten, dass die Angst vor der Fiskalklippe die US-Bürger davon abhielt, im Weihnachtsgeschäft kräftig zuzuschlagen. Auch kurz vor Ablauf der Einigungsfrist zum Jahresende ist eine Lösung in dem Etat-Streit in weiter Ferne. Um in Washington die Verhandlungen voranzutreiben, will Präsident Barack Obama bereits am Donnerstag aus seinem Familienurlaub zurückkehren.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer bei 13.114 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte der Leitindex zwischen 13.076 und 13.174 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,5 Prozent auf 1419 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 0,7 Prozent ein auf 2990 Stellen. In Deutschland blieben die Börsen wegen des zweiten Weihnachtsfeiertages geschlossen.

Laut Marktexperten verfolgen Börsianer mittlerweile kleinste Schritte in dem erbittert geführten Streit zwischen US-Präsident Barack Obama und den Republikanern. Wie Obama dürften auch die Abgeordneten und Senatoren am Donnerstag in die Hauptstadt zurückkehren. Sollte Obama bis zum Jahreswechsel keine Einigung mit dem Kongress gelingen, treten automatisch massive Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Kraft. Diese sogenannte Fiskalklippe schreckt die Finanzmärkte, weil sie die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnte.

"Es dreht sich alles um die Fiskalklippe", sagte Analystin Kim Forrest von Fort Pitt Capital Group. "So weit ist es schon: Der Präsident könnte heute ins Flugzeug steigen - und bereits darauf reagiert der Markt."

Bei den Einzelwerten standen die Einzelhändler auf der Verkaufsliste. Die Aktie des Lederwarenhändlers Coach büßte 5,9 Prozent ein. Ralph Lauren verlor 3,3 Prozent und die Papiere des Online-Händlers fielen um 3,9 Prozent. Ebenso verzeichneten die Anteilsscheine der Kleidungsketten Urban Outfitters und Abercrombie & Fitch Abschläge. Sie gaben 2,7 beziehungsweise 3,5 Prozent nach. "Mit der Fiskalklippe, die über den Köpfen der Konsumenten schwebt, ist es schwierig, die Menschen davon zu überzeugen, shoppen zu gehen", sagte Rick Fier von Conifer Securities.

Gute Nachrichten kamen vom US-Häusermarkt. Der Case-Shiller-Index für Immobilienpreise fiel über den Erwartungen aus. Die Preise für Einfamilienhäuser stiegen im Oktober erneut und bestätigten damit den Eindruck, dass sich der Immobilienmarkt in den USA weiter erholt.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 470 Millionen Aktien den Besitzer. 1039 Werte legten zu, 1948 gaben nach und 133 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,06 Milliarden Aktien 891 im Plus, 1567 im Minus und 108 unverändert.