Drohende Fiskalklippe hält Wall Street in Atem

Freitag, 28. Dezember 2012, 08:38 Uhr
 

New York (Reuters) - Der US-Haushaltsstreit hat die New Yorker Aktienmärkte am Donnerstag belastet.

Die drohende Fiskalklippe war damit erneut bestimmendes Thema. Zu deutlichen Verkäufen führten die Äußerungen des demokratischen Mehrheitsführers im Senat, Harry Reid. Seinen Worten zufolge ist keine Einigung in dem seit Wochen erbittert geführten Streit in Sicht. Die Ankündigung der Republikaner, dass für Sonntag eine Arbeitssitzung des Repräsentantenhauses anberaumt worden sei, ließ die Anleger dann wieder etwas aufatmen. Die Indizes verringerten ihre Verluste.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,1 Prozent tiefer bei 13.096 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor ebenfalls 0,1 Prozent auf 1418 Zähler. Die Technologiebörse Nasdaq gab 0,1 Prozent nach auf 2985 Stellen. Wenngleich sich die Verluste bis Handelsende verringerten, war es der vierte Tag in Folge mit Abschlägen. In Deutschland beendete der Dax am ersten Handelstag nach Weihnachten das Geschäft mit einem Plus von knapp 0,3 Prozent bei 7655 Punkten.

Sollten sich die Parteien in den USA bis zum 31. Dezember nicht auf Kürzungen im Haushalt einigen, greifen automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in eine Rezession stürzen könnten. Um kurz vor Fristablauf doch noch eine Einigung im Haushaltsstreit zu erreichen, brach US-Präsident Barack Obama seinen Weihnachtsurlaub auf Hawaii ab.

Die Konjunkturdaten traten angesichts der drohenden Fiskalklippe in den Hintergrund. Selbst die enttäuschenden Daten zum Verbrauchervertrauen nahmen die Anleger kaum wahr. "Leider scheint es so, als ob ein Begriff, den wir alle nicht mehr hören können - die Fiskalklippe - alle Aspekte der Finanzmärkte und des Verbrauchervertrauens dominiert", sagte Joe Heider, Experte von Rehmann Financial in Cleveland Ohio.

Der US-Einzelhandel setzte in der vergangenen Woche verglichen zum Vorjahr 2,5 Prozent weniger um, wie der private Datenspezialist ShopperTrak mitteilte. Experten verstanden dies als weiteren Hinweis darauf, dass das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr nicht ganz so stark ausfiel wie erhofft. Positive Daten vom Arbeitsmarkt hatten dem Handel zur Eröffnung noch positive Impulse verliehen: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel auf den niedrigsten Stand seit März 2008.

APPLE-CHEF COOK VERDIENT 2012 GUT VIER MILLIONEN

Bei den Einzelwerten standen Titel des Chipherstellers Marvell Technology im Fokus. Eine US-Jury verhängte mit einer Strafe von 1,17 Milliarden Dollar eines der härtesten Patenturteile in der Geschichte des Landes. Marvell hat Berufung angekündigt. Die Aktien verloren 3,5 Prozent auf 7,14 Dollar.

Die Titel von Apple gaben ebenfalls nach. Sie verloren 0,4 Prozent auf 515 Dollar. Unterdessen teilte der Computer- und Handyhersteller mit, Firmenchef Tim Cook werde für 2012 ein Gehalt von 4,17 Millionen Dollar beziehen. Im Vorjahr summierten sich Cooks Bezüge noch auf 378 Millionen Dollar. Für 2012 bekommt Cook den Angaben nach keine Vergütung in Aktien.