Näher rückende Fiskalklippe belastet Wall Street

Samstag, 29. Dezember 2012, 12:56 Uhr
 

New York (Reuters) - Die US-Aktienmärkte haben die Handelswoche angesichts der näher rückenden Fiskalklippe mit Verlusten beendet.

Ein Spitzentreffen von US-Präsident Barack Obama und Kongressabgeordneten am Freitag in Washington brachte bis Börsenschluss keine Lösung. Zudem zeichnete sich ab, dass Obama keinen neuen Vorschlag zur Beilegung des erbittert geführten Streits machen würde . Stattdessen wolle er über einen Plan abstimmen lassen, der die von den Republikanern abgelehnten Steuererhöhungen für Spitzenverdiener beinhalte, verlautete aus dem Treffen. Das Thema dominierte bereits in den vergangenen Tagen den Handel - Konjunkturdaten spielten daher kaum eine Rolle.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab zu Handelsschluss am Freitag um 1,2 Prozent auf 12.938 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 1,1 Prozent auf 1402 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,8 Prozent auf 2960 Punkte. Es war der fünfte Tagesverlust in Folge - der S&P hat solche eine Verluststrecke seit einem Vierteljahr nicht erlebt. Im Wochenvergleich verloren Dow und S&P jeweils rund 1,9 Prozent, die Nasdaq zwei Prozent. Der Frankfurter Dax beendete seinen letzten Handelstag des Jahres 0,5 Prozent im Minus bei 7612 Punkten. Gehandelt wurde hierzulande nur bis 14 Uhr MEZ. An Silvester bleibt die Frankfurter Börse geschlossen.

In New York waren die Volumina am vorletzten Handelstag in diesem Jahr gering. Die Wall Street öffnet noch einmal am Montag. Dann läuft auch die Frist für die Einigung im Haushaltsstreit ab. Ohne politische Lösung treten automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Kraft, die so genannte Fiskalklippe. Experten fürchten, dass die weltgrößte Volkswirtschaft dadurch in eine Rezession abgleiten könnten.

DÜNNER HANDEL - VIELE HÄNDLER IM URLAUB

Die New Yorker Aktienmärkte zeigten sich im Handelsverlauf erneut sehr empfänglich für Nachrichten aus Washington zum Haushaltsstreit. Bereits am Donnerstag purzelten die Kurse um gut ein Prozent ins Minus, nachdem sich der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, negativ mit Blick auf eine Last-Minute-Lösung geäußert hatte. Die Ankündigung, dass sich das US-Repräsentantenhaus am Sonntag außerplanmäßig zu einer Arbeitssitzung trifft, ließ die Kurse dann wieder steigen.

"Natürlich sind alle Augen auf Washington und die Schlagzeilen aus der Hauptstadt gerichtet", sagte Peter Cardillo von Rockwell Global Capital. "Wichtig ist, ob man sich bis Montag in Washington einigt. Angesichts des dünnen Handels besteht die Gefahr, dass es zu übertriebenen Kursausschlägen kommt."

Doch die Hoffnung auf eine Einigung schien zu schwinden. "Die Chancen stehen ziemlich gut, dass wir bis Jahresende nichts in den Händen halten werden", sagte Jonathan Golub von UBS in New York. "Es sollte klar sein, dass dies der wahrscheinliche Fall ist." Allerdings rechnet er damit, dass es noch irgendeine Abmachung geben wird, die die "Klippe" etwas abmildert. "Wir werden nicht derart über die Klippe gehen, dass wir eine große wirtschaftliche Kontraktion haben werden", sagte der Experte.

Eigentlich gute Konjunkturdaten wurden von den Anlegern weitgehend ignoriert. So kletterte die Zahl der Verkäufe gebrauchter Eigenheime in den USA im November so stark wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Auch zur Industrie im Mittleren Westen der USA gab es für Dezember solide Zahlen.

Vom negativen Trend abkoppeln konnten sich die Titel von Barnes & Noble's: Sie legten bis Handelsschluss um rund vier Prozent zu auf 14,97 Dollar. Zuvor hatte der britische Verlag Pearson, zu dem die "Financial Times" gehört, mitgeteilt, in die E-Book-Sparte von Barnes & Noble zu investieren.