Börsianer treten nach Neujahrsrally auf die Bremse

Donnerstag, 3. Januar 2013, 17:57 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Nach der Jubelstimmung zum Jahresauftakt ist an den Finanzmärkten auf beiden Seiten des Atlantiks Ernüchterung eingekehrt.

Hatte die Einigung im US-Haushaltsstreit am Mittwoch noch weltweit für Euphorie an den Finanzmärkten gesorgt, strichen die Anleger am Donnerstag einen Teil ihrer Gewinne wieder ein. Der Dax schloss 0,3 Prozent im Minus bei 7756,44 Punkten. Das sei nach den zuletzt satten Gewinnen des deutschen Leitindex aber sicher keine ungesunde Entwicklung, sagte Marktstratege Johannes Bollongino von IG Markets. Der Dax hatte das Jahr 2012 mit einem Plus von fast 30 Prozent abgeschlossen und war am Mittwoch um mehr als zwei Prozent gestiegen. Der EuroStoxx gab am Donnerstag 0,4 Prozent auf 2701 Zähler nach.

In New York machte der Dow Jones mit den 30 Standardwerten seine Anfangsverluste dagegen weitgehend wett und notierte bei 13.404 Punkten nahezu unverändert. Der breiter gefasste S&P 500 drehte mit 0,1 Prozent sogar ins Plus und notierte bei 1463 Zählern. Der Nasdaq tendierte bei 3133 Punkten auf Vortagesniveau.

Gestützt wurden die Kurse in New York von dem US-Arbeitsmarktbericht des privaten Anbieters ADP. Demzufolge wurden im Dezember mit 215.000 Jobs deutlich mehr Stellen geschaffen als prognostiziert. Der Bund-Future drehte daraufhin um 49 Ticks ins Minus und notierte bei 143,58 Zählern. Aufschluss über die weitere Geldpolitik der US-Notenbank erhofften sich die Anleger zudem von den Protokollen des Offenmarktausschusses der Federal Reserve, die um 20.00 Uhr (MEZ) veröffentlicht werden sollten.

Dem allgemeinen Negativtrend entziehen konnte sich die Schweizer Börse, die wegen eines Feiertages am Mittwoch mit einem Tag Verspätung auf die Haushaltseinigung in den USA reagierte. Der Leitindex SMI kletterte um 2,9 Prozent. Denn wäre es nicht zu einem Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten im Haushaltskonflikt gekommen, hätte ein Abrutschen der USA in die Rezession gedroht - mit massiven Folgen für die Weltwirtschaft. Die Börsen in Tokio und Shanghai blieben wegen Feiertagen geschlossen.

Auf den Devisen- und Ölmärkten bestimmten ebenfalls Gewinnmitnahmen das Handelsgeschehen. Es werde weitere Verhandlungen in den USA geben, kommentierte Ölexperte Victor Shum von IHS Purvin & Gertz. "Die Einigung ist ein Kompromiss." Der Euro fiel zurück auf 1,3110 Dollar, nachdem er am Mittwoch bis auf knapp 1,33 Dollar geklettert war. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 0,2 Prozent auf 112,24 Dollar.

Analysten zeigten sich allerdings grundsätzlich zuversichtlich, dass die Aktienmärkte ihre Aufwärtsbewegung bald wieder aufnehmen könnten. "Auf kurze Sicht rechne ich nicht mit vielen schlechten Nachrichten. Die meisten Hürden, wie etwa der Haushaltsstreit, sind überwunden und in den nächsten Wochen dürfte die Stimmung an den Märkten recht positiv sein", sagte Philippe Gijsels, Chefanalyst bei BNP Paribas Fortis Global Markets.

K+S IM MINUS - SOLARWERTE ALS SPITZENREITER

Im Dax rutschten K+S mit einem Abschlag von 3,5 Prozent an das Indexende. Den Papieren des Düngemittelherstellers setzte eine Herunterstufung der Analysten der Citigroup zu. Gefragt waren dagegen Technologiewerte, was Händler mit Nachholbedarf bei diesen Titeln begründeten. Infineon-Aktien, die 2012 nur auf ein vergleichsweise mageres Plus von 5,4 Prozent kamen, standen im Dax mit einem Aufschlag von zwei Prozent ganz oben. Zugleich verteuerten sich Dialog Semiconductor und Kontron um 5,2 und 6,6 Prozent.

Besonders gefragt waren Solarwerte, die auch den TecDax mitzogen. Der Technologieindex gewann 1,3 Prozent. SMA Solar und Solarworld kletterten um rund zwölf und 15 Prozent, im MDax gewannen Wacker Chemie 5,1 Prozent. US-Starinvestor Warren Buffett will bis zu 2,5 Milliarden Dollar über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway in ein Projekt des US-Unternehmens SunPower stecken. "Wenn ein eher konservativ ausgerichteter Anleger wie Buffett in Solarprojekte einsteigt, ist das für die Branche ein gutes Zeichen", sagte ein Händler in Frankfurt. In New York schossen die Aktien von SunPower um mehr als 30 Prozent nach oben.