Europas Aktienanleger vor US-Berichtssaison zurückhaltend

Dienstag, 8. Januar 2013, 14:40 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Vor dem Start der US-Bilanzsaison sind die Dax-Anleger am Dienstag auf Nummer sicher gegangen und haben von Aktien lieber die Finger gelassen.

Nur Telekom-Werte liefen europaweit gut, nachdem Spekulationen über einen Abschied von Vodafone aus einem Joint-Venture in den USA die Runde machten und die Aktie des britischen Mobilfunkriesen um 2,5 Prozent nach oben schoben.

An anderen Börsenplätzen hielten sich die Investoren dagegen zurück. Der Euro kam kaum vom Fleck und notierte knapp unter 1,31 Dollar. An den US-Börsen zeichnete sich ein etwas schwächerer Handelsstart ab. Der Dax notierte am Nachmittag um seinen Vortagesschluss von 7732 Zählern. Der EuroStoxx50 gewann 0,3 Prozent auf 2703 Punkte.

Der Index für die Telekom-Branche stieg indes um ein Prozent. Der Chef des US-Telefonkonzerns Verizon Communications liebäugelt damit, den Partner Vodafone beim größten Mobilfunkunternehmen der USA, Verizon Wireless, herauszukaufen. Die Kaufsumme könnte riesig sein: Analysten bewerten das Vodafone-Paket mit 121 Milliarden Dollar. Experten bremsten die Euphorie jedoch und wiesen darauf hin, dass sich die Verhandlungen - falls es überhaupt dazu kommt - lang und komplex gestalten könnten. Vodafone-Titel gehörten dennoch zu den größten Gewinnern im Londoner Leitindex, die Telekom-Papiere legten im Dax um 0,7 Prozent zu.

Davon abgesehen warteten Anleger lieber die Ergebnisse des Aluminiumherstellers Alcoa ab, der nach Börsenschluss in New York als erster US-Konzern seine Zahlen vorlegt. Viele Analysten erwarten von der Bilanzsaison aber keine großen Impulse. Der über Monate geführte Haushaltsstreit in den USA dürfte bei den Unternehmen Spuren hinterlassen haben, heißt es in viele Kommentaren.

Goldman Sachs rechnet damit, dass sich die Gewinne an den europäischen Börsen in den ersten drei Monaten des Jahres in Grenzen halten werden, da der US-Haushaltsstreit und die Euro-Schuldenkrise noch nicht beigelegt sind. Für den europäischen Stoxx 600-Index prognostizieren sie einen Anstieg von einem Prozent. Die Analysten von Cheuvreux gehen sogar von einem Rücksetzer an Europas Börsen aus.

BEIERSDORF AN DAX-SPITZE - LANXESS AM ENDE

Für Bewegung im Dax sorgten vor allem Analysteneinschätzungen: Die Aktie des Nivea-Herstellers Beiersdorf setzte sich nach einer Reihe von Kurszielerhöhungen an die Dax-Spitze und notierte 2,7 Prozent fester. Auf der Verliererseite standen dagegen Lanxess, die sich um 2,6 Prozent verbilligten. Händler führten das auf einen Kommentar des Brokerhauses MainFirst zurück. Die Experten rechnen für den Chemiekonzern mit einem schwierigen Start in das erste Quartal, da vor allem in der Auto- und Reifenindustrie die Nachfrage schwächele. Sie stuften die Aktien laut Börsianern auf "Underperform" zurück.

Im MDax setzten Metro-Anleger auf einen Rückzug der Tochter Media Markt aus China. Die Aktien des Handelskonzerns legten um 3,3 Prozent zu. "Es wäre ein positiver Punkt für die Aktie, wenn das Kapitel endlich geschlossen wird", sagte ein Händler. Vor allem der extrem harte Wettbewerb in der Volksrepublik hatte Media Markt zuletzt zu schaffen gemacht. Reuters hatte bereits am Vortag erfahren, dass Vorstandschef Olaf Koch einen Rückzug der Kette aus dem asiatischen Land plant.

Weiterhin für Aufsehen sorgten Solarworld: Nach ihrer starken Rally seit Jahresbeginn stiegen die Aktien zunächst um bis zu elf Prozent, drehten dann aber kurzzeitig sechs Prozent ins Minus. Am Nachmittag notierten sie wieder zwölf Prozent fester bei 1,85 Euro, dem höchsten Stand seit acht Monaten. Der Handel mit Solarworld-Titeln werde von spekulativ orientierten Anlegern dominiert, sagte ein Händler. DZ Bank-Analyst Sven Kürten warnte, die Kursgewinne der vergangenen Tage seien nicht nachhaltig. Auch die jüngsten Milliardeninvestitionen des Starinvestors Warren Buffett in die US-Solarbranche hätten keine direkten Auswirkungen auf Solarworld. Außerdem seien weitere Subventionskürzungen wahrscheinlich. Kürten bekräftigte seine Verkaufsempfehlung für die Aktie. Solarworld haben binnen sechs Handelstagen um knapp 80 Prozent zugelegt. Das ist die stärkste Rally seit der Börsenblase von 2000. Im vergangenen Jahr war der Kurs allerdings um 67,4 Prozent eingebrochen, so stark wie zuletzt 2002.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange January 8, 2013. REUTERS/Remote/Lizza David (GERMANY - Tags: BUSINESS)