Anleger im Bann der EZB - Warten auf Draghi-Aussagen

Donnerstag, 10. Januar 2013, 13:54 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - An Europas Aktienmärkten hat es am Donnerstag vor allem ein Thema gegeben:

Die erste Ratssitzung der Europäischen Zentralbank im neuen Jahr. Zwar beließen die Frankfurter Währungshüter wie erwartet den Leitzins unverändert beim Rekordtief von 0,75 Prozent. Doch erhofften sich die Investoren von EZB-Chef Mario Draghi - dessen Pressekonferenz für 14.30 Uhr angesetzt war - klare Hinweise auf die künftige Geldpolitik. Bis dahin hielten sie sich zurück, so dass Dax & Co kaum vom Fleck kamen. Der Dax lag mit 7741 Punkten am frühen Nachmittag 0,3 Prozent im Plus, der EuroStoxx50 stieg um 0,2 Prozent. Am Rentenmarkt sorgte die erfolgreiche Auktion spanischer Staatsanleihen für Furore.

Die Unsicherheit über die künftige Haltung der EZB überschattete die guten Vorgaben aus Asien. Dort hatte ein überraschend kräftiges Anziehen der chinesischen Exporte für steigende Kurse gesorgt. Die daraus resultierenden Spekulationen auf eine deutliches Anziehen der Konjunktur in China trieb auch die Preise für Industriemetalle an: Aluminium verteuerte sich um 1,8 Prozent, Kupfer um gut ein Prozent je Tonne. Auch der Ölpreis stieg: Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 113,05 Dollar rund ein Prozent mehr.

Am Rentenmarkt gab es einen Run auf spanische Staatsanleihen - sowohl am Primär- als auch am Sekundärmarkt. Denn die Regierung in Madrid sammelte mit 5,8 Milliarden Euro bei den Investoren mehr Geld ein als geplant. Börsianer sprachen von einer starken Auktion. Am Sekundärmarkt sanken daraufhin die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen unter fünf Prozent und lagen damit so niedrig wie seit März 2012 nicht mehr. Zum Vergleich: Im Sommer vorigen Jahres hatten die Renditen zeitweise über sieben Prozent gelegen. Auch Italien konnte problemlos neue Kredite aufnehmen, was die Rendite der entsprechenden zehnjährigen Bonds in Richtung vier Prozent drückte. Der Euro kletterte auf rund 1,31 Dollar. Im Gegenzug waren die als sichere Anlage geltenden deutsche Bundesanleihen nicht gefragt. Der Bund-Future verlor 21 Ticks auf 143,37 Punkte.

ANLEGER SETZEN AUF HOHE ABFINDUNG FÜR MAN-AKTIONÄRE

Auch am Aktienmarkt stand Sicherheit nicht sonderlich hoch im Kurs. So rutschten in Frankfurt vor allem die Aktien von konjunkturunabhängigen Unternehmen ab. Allen voran standen im Dax die Aktien des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) und seines Mutterkonzerns Fresenius auf den Verkaufslisten. Beide verloren je rund drei Prozent. Dazu trug auch ein Kommentar der Analysten der Credit Suisse bei, die ihre Kursziele für beide Titel gesenkt und für FMC auch ihre Kaufempfehlung kassiert hatten. RWE gerieten nach der Senkung der Anlageempfehlung durch die Analysten von Barclays unter Druck und verloren gut zwei Prozent.

Auf der Gewinnerseite standen die Aktien der Banken weit oben. Deutsche Bank gewannen in der Spitze über drei Prozent, Commerzbank knapp drei Prozent. Händler verwiesen auf die Verlängerung der Fristen für den Aufbau von Liquiditätsreserven durch den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht am Wochenende.

ThyssenKrupp legten bis zu drei Prozent zu. Viele Anleger hoffen, dass der Stahlkonzern seine Werke in Übersee bald verkaufen kann. Weltmarktführer ArcelorMittal hatte am Mittwoch Interesse geäußert. Gefragt waren auch BMW, deren Aktien um 1,7 Prozent zulegten. Der Autobauer hatte für 2012 Rekordabsatzzahlen vorgelegt.

Größter MDax-Gewinner waren die Titel von MAN. VW will die Allianz von MAN mit ihrer anderen Lkw-Tochter Scania vorantreiben und kündigte einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit MAN an. Den übrigen MAN-Aktionären will VW ein Abfindungsangebot machen. MAN-Titel stiegen um 4,3 Prozent. Die Aktien von Scania legten in Stockholm knapp zwei Prozent zu.

In Zürich konnten die Aktien des Uhrenherstellers Swatch von einem Rekordumsatz im vergangenen Jahr nicht profitieren. Nach dem Kursanstieg vom Vortag machten die Anleger Kasse und drückten die Aktien um rund zwei Prozent ins Minus.