Wetten auf Crash der Euro-Zone werden Hedgefonds zum Verhängnis

Donnerstag, 10. Januar 2013, 17:54 Uhr
 

London (Reuters) - Eine Wette auf den Zusammenbruch der Euro-Zone war die falsche Strategie: Etliche Hedgefonds sind mit Spekulationen auf eine Verschärfung der Schuldenkrise gescheitert und haben so im vergangenen Jahr viel Geld verspielt.

Der durchschnittliche Hedgefonds-Manager erwirtschaftete 2012 immerhin eine Rendite von 6,2 Prozent, wie Daten von Hedge Fund Research zeigen. Das ist aber sehr bescheiden im Vergleich zu der Wertsteigerung, die beispielsweise mit simplen Aktienkäufen erzielt werden konnte. So hat der Dax von Januar bis Dezember knapp 30 Prozent zugelegt, der EuroStoxx50 und der S&P 500 gut 13 beziehungsweise 16 Prozent.

Zwar gab es auch Euro-Optimisten unter den Hedgefonds, die auf eine vorläufige Überwindung der Krise gesetzt und mit Investitionen in griechische Anleihen oder Finanzinstitute zweistellige Renditen eingefahren haben. Allerdings - es waren nicht allzu viele in einer Branche, die sich so gern damit brüstet, in jedem Marktumfeld gutes Geld verdienen zu können.

Die wenig regulierten und von daher in ihren Anlage-Entscheidungen sehr freien Hedgefonds müssen in Folge dessen immer stärker um das Vertrauen ihrer Investoren kämpfen. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat die Branche zweimal - 2008 und 2011 - Verluste eingefahren. Für 2013 zählt deshalb vor allem eins: Die Fonds müssen beweisen, dass sie das Geld ihrer Anleger vermehren können und zwar mit Renditen, die die hohen Management-Gebühren rechtfertigen.

SCHNÄPPCHENJAGD AUF GRIECHISCHE ANLEIHEN HAT SICH RENTIERT

Rückblickend hat den Hedgefonds vor allem ihr Mangel an Vertrauen in die Politik geschadet. "Das Beste, was man in den vergangenen Jahren hätte tun können, war langfristig auf Risiko-Anlagen zu setzen, nahezu egal welche", sagt Morten Spenner, Chef des Hedgefonds-Investors International Asset Management. Die große Schwierigkeit dabei seien die hohen Marktschwankungen gewesen.

So ziemlich die beste Nase bewiesen Hedgefonds, die sich zu Niedrigstpreisen mit griechischen Anleihen eingedeckt hatten. Viele Banken hatten die Titel unter dem Druck, ihre Bilanzen zu säubern, zu Schnäppchenpreisen abgestoßen. Vor allem im Zuge der Diskussionen um einen Euro-Ausstieg Griechenlands im Sommer gab es einen Ausverkauf. Das Umdenken am Markt hatte im Juli der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, eingeläutet. Seine Aussage, wonach die Notenbank alles in ihrer Macht stehende tun werde, um einen Zusammenbruch der Euro-Zone zu vermeiden, löste am Aktien- und Bondmarkt eine globale Rally aus. "Nach Draghis Rede machte es nur noch sehr wenig Sinn, gegen die Europäische Zentralbank zu wetten - auch wenn die konjunkturelle Lage in der Eurozone nach wie vor nicht gut aussieht", sagt Hedgefonds-Manager Roberto Botero von Sciens Capital in London. "Für diejenigen, die trotzdem an dieser Strategie festgehalten haben, war das sehr kostspielig."

Julian Adams, Vorstandschef der in London ansässigen Adelante Asset Management, gehört zu denen, die frühzeitig griechische Titel gekauft haben. Er sagt, die von ihm gehaltenen Hellas-Anleihen hätten sich 2012 im Wert verdoppelt. Seinem Fonds habe das zu einem Plus von 14 Prozent verholfen.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange January 10, 2013. REUTERS/Remote/Janine Eggert (GERMANY - Tags: BUSINESS)