Technologiewerte stützen Aktienmärkte - Euro gefragt

Freitag, 11. Januar 2013, 15:59 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Kursgewinne bei den Technologiewerten haben die europäischen Aktienmärkte am Freitag vor einem Abrutschen ins Minus bewahrt.

Dabei standen Nokia und das Dax-Schwergewicht SAP auf den Einkaufslisten der Anleger weit oben. Der deutsche Leitindex lag am Nachmittag 0,1 Prozent im Plus bei 7708 Punkten. Der EuroStoxx50 notierte 0,2 Prozent fester bei 2714 Zählern. An den US-Börsen zeichnete sich ein kaum veränderter Handelsstart ab. Wenig Auswirkungen hatten zunächst der etwas niedriger als erwartet ausgefallene Quartalsgewinn der US-Bank Wells Fargo.

Der Euro kostete 1,3351 Dollar und stieg damit auf den höchsten Stand seit mehr als neun Monaten. Bereits am Donnerstag war die Gemeinschaftswährung um zwei Cent nach oben gegangen. Den Höhenflug hatte EZB-Präsident Mario Draghi ausgelöst, nachdem er Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung eine klare Absage erteilt und sich optimistisch zur Entwicklung der Euro-Zone geäußert hatte. Händlern zufolge empfehlen die Analysten von Goldman Sachs, den Euro gegen Dollar zu kaufen. Die Experten hätten ein Kursziel von 1,37 Dollar ausgegeben.

Die Stimmung an den Finanzmärkten bezeichneten Händler trotz der Atempause weiterhin als gut. "Die Leute kehren an den Aktienmarkt zurück, weil sie keine andere Möglichkeit haben", sagte Marktexperte Edward Page Croft von Stockopedia. Ähnlich äußerte sich auch ein Aktienhändler: "Ich glaube nicht, dass bei der jüngsten Aufwärtsbewegung alle dabei waren. Das könnte durchaus noch weiter nach oben gehen."

NOKIA SETZEN HÖHENFLUG FORT

Technologieaktien ragten mit Kursgewinnen heraus. Nach einem Plus am Donnerstag von elf Prozent setzen die Aktien von Nokia ihren Höhenflug fort. Die Finnen waren im vierten Quartal dank des Erfolges ihres Lumia-Smartphones in der Handy-Sparte wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Die Nokia-Aktien gewannen am Freitag 1,1 Prozent und zogen damit europaweit Technologieaktien mit nach oben. Der europäische Branchenindex gewann 0,5 Prozent. Der TecDax notierte dagegen unverändert.

Auch SAP waren gefragt, sie legten um knapp ein Prozent zu. Der Konzern hatte am Vorabend angekündigt, dass die Software Hana ab sofort auch zur Steuerung aller Geschäftsprozesse in Unternehmen genutzt werden könne. Das neue Angebot erhöhe die Attraktivität des Kernproduktes von SAP und werde den Konzern beim Erreichen der mittelfristigen Finanzziele unterstützen, schrieb DZ-Bank-Analyst Oliver Finger in einem Kommentar.

Gute Nachrichten aus der Branche kamen auch aus Indien. Die Papiere von Infosys stiegen um knapp 17 Prozent, nachdem der Softwarekonzern nach einem überraschend guten Geschäftsquartal seine Umsatzziele angehoben hatte. Dies schob vor allem die Aktien des französischen Infosys-Wettbewerbers Cap Gemini an, die sich um 3,3 Prozent verteuerten.

Im MDax führten Hugo Boss die Gewinnerliste mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent an. Der Finanzvorstand des Modekonzerns hatte in einem Reuters-Interview die Prognosen für 2012 bekräftigt und einen erneuten Anstieg der Dividende in Aussicht gestellt.

Hoch her ging es bei den Aktien der Commerzbank. Sie brachen bei überdurchschnittlichen Umsätzen abrupt um bis zu 6,9 Prozent ein, nachdem sie zunächst auf ein Neun-Monats-Hoch von 1,73 Euro gestiegen waren. Am Nachmittag notierten sie 2,8 Prozent tiefer bei 1,65 Euro. Einige Börsianer machten Spekulationen um eine Kapitalerhöhung für den Kurssturz verantwortlich. "Es gibt derzeit einen großen Appetit auf Bank-Aktien", sagte Edward Firth, leitender Finanzmarkt-Experte bei Macquarie. "Es wäre daher sinnvoll, wenn einige der schwächeren Banken das nutzen." Commerzbank gehöre zu ihnen. In Unternehmenskreisen wurden die Spekulationen aber zurückgewiesen. Commerzbank-Papiere haben an den ersten zehn Handelstagen 2013 rund 18 Prozent zugelegt. Damit liegen sie weit vor der zweitplatzierten Deutschen Bank, die in diesem Zeitraum 13 Prozent gewannen.

Im SDax profitierten Praktiker von einer Kaufempfehlung der Analysten der Berenberg Bank und stiegen um über neun Prozent. Zudem klopfen Unternehmensberater einem Bericht des österreichischen Magazins "Format" zufolge Kooperationsmöglichkeiten zwischen Praktiker und dem österreichischen Rivalen Baumax ab. Roland Berger arbeite an Konzepten für eine engere Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion der beiden Unternehmen. Aus Praktiker-Unternehmenskreisen hieß es dagegen, dass es keine Verhandlungen gebe.