Juncker setzt dem Euro zu - Aktienmärkte im Minus

Mittwoch, 16. Januar 2013, 18:00 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Aussagen des scheidenden Eurogruppen-Chefs Jean-Claude Juncker haben den Euro am Mittwoch zeitweise deutlich belastet und am Devisenmarkt für Stirnrunzeln gesorgt.

Der luxemburgische Ministerpräsident hatte den Euro-Kurs als "gefährlich hoch" bezeichnet. Das löste Gewinnmitnahmen aus und drückte die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,3261 Dollar nach 1,33 Dollar am Vorabend. Erst als EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sagte, er sehe im aktuellen Wechselkurs keinen Grund zur Beunruhigung, machte der Euro einen Teil seiner Verluste wieder wett und notierte bei 1,3270 Dollar.

Der Dax verharrte am Nachmittag trotz unerwartet hoher Gewinne der US-Großbanken JP Morgan und Goldman Sachs 0,3 Prozent im Minus bei 7653 Zählern. Der EuroStoxx50 verlor 0,4 Prozent auf 2690 Punkte. An den US-Börsen zeichnete sich ebenfalls ein schwächerer Handelsstart ab. Wie erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten lösten zunächst keine Bewegungen an den Märkten aus.

Anleger hatten nach Junckers Aussagen spekuliert, dass in der Euro-Zone Maßnahmen gegen die neue Stärke der gemeinsamen Währung ergriffen werden könnten. Börsianer erklärten aber, von einer übertriebenen Aufwertung könne keine Rede sein. Auch nach Meinung von Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, ist der Euro nicht überbewertet. Der Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Reformländer würde es allerdings helfen, wenn sich der Euro weiter auf mäßigem Niveau bewegte. Schließlich sei ein niedriger Währungskurs vergleichbar mit einer Exportsubvention. "Vorteile gibt es jedoch nicht ohne Nachteile: Importe würden sich verteuern und der Inflationsdruck wäre höher."

Der Euro hatte seit vergangenem Donnerstag zeitweise um fast dreieinhalb US-Cents zugelegt, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi einer baldigen Zinssenkung eine Absage erteilt hatte.

Neben dem Euro stand das Comeback des Yen im Blickpunkt. Aussagen des japanischen Wirtschaftsministers Akira Amari hätten die Yen-Käufe ausgelöst, sagten Händler. Amari hatte vor den Folgen eines schwachen Yen, der die Importe für alle verteuert, gewarnt. Der Dollar rutschte auf 88 Yen von beinahe 89 Yen am Vortag. Auch der Euro gab nach und fiel auf 116,80 Yen von 118,13 Yen.

GOLDMAN SACHS UND JP MORGAN LÖSEN KEINE BEGEISTERUNG AUS

JP Morgan konnte mit seiner Bilanz trotz einer deutlichen Steigerung des Nettogewinns auf 5,69 Milliarden Dollar im vierten Quartal nicht überzeugen. Vorbörslich gab die Aktie der größten US-Bank ein Prozent nach. Die Papiere von Goldman Sachs legten dagegen vor Börseneröffnung an der Wall Street um mehr als zwei Prozent zu. Die Investmentbank verbuchte Einnahmen von 9,24 Milliarden Dollar, während Analysten im Schnitt nur von 7,91 Milliarden ausgegangen waren.

Im Dax gehörten Finanztitel zu den schwächsten Werten. Allianz, Münchner Rück, Deutsche Bank und Commerzbank gaben zwischen 1,6 und 1,4 Prozent nach. Der EuroStoxx-Bankenindex notierte 1,6 Prozent niedriger. Händler führten diese Verluste vor allem auf Gewinnmitnahmen zurück, nachdem die Banken zuletzt gut gelaufen waren.   Fortsetzung...

 
The DAX board is pictured at the Frankfurt stock exchange January 16, 2013. REUTERS/Remote/Amanda Andersen (GERMANY - Tags: BUSINESS)