Bankbilanzen und Industriedaten aus USA stützen Dax

Mittwoch, 16. Januar 2013, 18:26 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - In den USA sprudeln die Gewinne der großen Banken wieder und die Industrie fährt ihre Produktion hoch - diese Anzeichen für ein Comeback der amerikanischen Wirtschaftskraft haben die europäischen Aktienmärkte am Mittwoch gestützt.

Der Dax schloss 0,2 Prozent höher bei 7691,13 Punkten, nachdem er lange Zeit im Minus gelegen hatte. Im MDax, der 0,4 Prozent gewann, stachen die Aktien von TUI mit einem Plus von 8,8 Prozent heraus: Der Reisekonzern denkt über eine Fusion mit seiner britischen Tochter TUI Travel nach. Der EuroStoxx50 beendete den Tag 0,1 Prozent fester bei 2703 Zählern.

In New York fiel der Dow Jones mit den 30 Standardwerten dagegen um 0,2 Prozent auf 13.508 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 notierte fast unverändert bei 1472 Zählern. Der Nasdaq kletterte um 0,3 Prozent auf 3118 Punkte. Belastend wirkte sich auf die US-Börsen vor allem das deutliche Minus der Boeing-Aktie aus. Der Konkurrent der EADS-Tochter Airbus hat weiterhin Probleme mit seinem 787-Dreamliner. Die EADS-Papiere schlossen in Frankfurt 1,1 Prozent im Plus.

Im Fokus standen unter Aktienanlegern aber die Ergebnisse der US-Großbanken. Branchenprimus JPMorgan fuhr im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 21,3 Milliarden Dollar ein, Konkurrent Goldman Sachs baute seinen Überschuss auf 7,5 Milliarden Dollar aus. Die Institute profitierten dabei vor allem von der Erholung des US-Immobilienmarktes und dem florierenden Handelsgeschäft. Zudem müssen sie angesichts der Erholung der amerikanischen Wirtschaft weniger Geld für Kreditausfälle zurücklegen. An der Wall Street legten die Aktien von Goldman Sachs um 2,8 Prozent zu, die Titel von JP Morgan stiegen nach einem schwachen Start um 0,2 Prozent.

Den deutschen Finanztiteln halfen die Ergebnisse indes nur bedingt: Münchner Rück, Allianz und Commerzbank gaben zwischen 2,4 und 0,8 Prozent nach. Die Deutsche Bank konnte ihr Kursminus von bis zu 2,5 Prozent deutlich eingrenzen, sie gingen 0,2 Prozent niedriger aus dem Handel. Der EuroStoxx-Bankenindex verlor letztlich 0,7 Prozent. Händler führten diese Verluste vor allem auf Gewinnmitnahmen zurück, nachdem die Banken zuletzt gut gelaufen waren.

Hoffnungszeichen gab es aber auch von den US-Unternehmen, die ihre Produktion im Dezember erneut nach oben gefahren haben. Der Ausstoß legte wie erwartet um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, teilte die Notenbank Federal Reserve mit. Im November hatte es sogar ein Plus von 1,0 Prozent gegeben. Besonders die Hersteller von Fahrzeugen steigerten diesmal ihre Produktion. "Insgesamt sind die aktuellen Produktionsdaten positiv zu beurteilen", erklärte Postbank-Analyst Heinrich Bayer. "Die US-Industrie hat, wie sich zuvor schon bei den Auftragseingängen angedeutet hatte, gegen Ende 2012 wieder stärker Tritt gefasst. Die Chance auf eine Verstärkung der konjunkturellen Auftriebskräfte in diesem Jahr ist damit weiter gestiegen."

Im MDax schloss die Aktie von TUI bei 8,05 Euro auf dem höchsten Stand seit Mitte Dezember. Der Reisekonzern treibt Pläne für eine Fusion mit der britischen Tochter TUI Travel voran. Das Management von TUI Travel sei von der TUI AG wegen eines Zusammenschlusses kontaktiert worden, teilten die Briten mit und bestätigten damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Die Verhandlungen seien noch in einem frühen Stadium. Eine Fusion könnte Europas größtem Reisekonzern Einsparungen von 500 Millionen Euro bringen, sagten zwei Insider. Analysten veranschlagen das Sparpotenzial auf lediglich etwa 100 Millionen Euro. Die Aktie von TUI Travel schloss in London 3,9 Prozent im Plus.

STIRNRUNZELN AM DEVISENMARKT ÜBER JUNCKER-ÄUSSERUNGEN

Aussagen des scheidenden Eurogruppen-Chefs Jean-Claude Juncker belasteten Euro zeitweise deutlich und sorgten am Devisenmarkt für Stirnrunzeln. Der luxemburgische Ministerpräsident hatte den Euro-Kurs als "gefährlich hoch" bezeichnet. Das löste Gewinnmitnahmen aus und drückte die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,3261 Dollar nach 1,33 Dollar am Vorabend. Erst als EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sagte, er sehe im aktuellen Wechselkurs keinen Grund zur Beunruhigung, machte der Euro seine Verluste wieder wett und notierte auf Vortagesniveau.

Anleger hatten nach Junckers Aussagen spekuliert, dass in der Euro-Zone Maßnahmen gegen die neue Stärke der gemeinsamen Währung ergriffen werden könnten. Börsianer erklärten aber, von einer übertriebenen Aufwertung könne keine Rede sein. Der Euro hatte seit vergangenem Donnerstag zeitweise um fast dreieinhalb US-Cents zugelegt, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi einer baldigen Zinssenkung eine Absage erteilt hatte.

 
The DAX board is pictured at the Frankfurt stock exchange January 16, 2013. REUTERS/Remote/Amanda Andersen (GERMANY - Tags: BUSINESS)