EU-Parlament könnte Derivate-Regulierung verzögern

Montag, 21. Januar 2013, 17:18 Uhr
 

London (Reuters) - Die Einführung neuer Regeln für den Derivatemarkt in der Europäischen Union könnte sich verzögern.

Abgeordnete des EU-Parlaments berieten derzeit über eine Resolution zur Überprüfung der Vorgaben, sagten zwei Mitglieder des Parlaments. Sollte diese im Februar beschlossen werden, müssten die EU-Kommission und die EU-Finanzmarktaufsicht ESMA neue Vorschläge vorlegen. Das würde Zeit kosten und könnte Banken sowie Marktteilnehmer verunsichern.

Konkret geht es darum, dass die Parlamentarier Ausnahmeregeln für bestimmte Nutzer von Derivaten - die nicht aus der Finanzindustrie stammen - als nicht flexibel genug ansehen. So nutzen beispielsweise Fluggesellschaften Derivate, um sich gegen Schwankungen von Kerosinpreisen abzusichern. In den bisher anvisierten Regeln müssen die Airlines ihre Derivate nicht über Clearingstellen laufen lassen, wenn das Geschäft unter einem bestimmten Volumen bleibt. Mitglieder des Parlaments bemängeln nun, dass die vorgesehene Schwelle zu niedrig angesetzt wurde. Zudem kritisieren sie, dass Nicht-Finanzinstitute alle Arten von Derivaten über Clearingstellen laufen lassen müssen, selbst wenn nur eine Anlageklasse - wie beispielsweise Rohstoffe oder Währungen - eine festgelegte Schwelle überschreitet.

Das weltweite Marktvolumen von Derivaten wird auf rund 700 Billionen Dollar geschätzt. In der Finanzkrise 2008/09 hatten sich die 20 führenden Wirtschaftsnationen (G20) auf den Grundsatz geeinigt, dass jeder Markt, jedes Finanzprodukt und jeder Marktteilnehmer unter Aufsicht gestellt werden soll. Dadurch sollen Kettenreaktionen wie nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers in Zukunft vermieden werden. Vor allem soll der bisher außerbörsliche und unregulierte Handel für OTC-Derivate ("Over the Counter" - OTC) über Clearingstellen laufen, um Transparenz und Sicherheit zu erhöhen.