Gerüchte drücken Dax zeitweise - Fakten stützen aber

Dienstag, 22. Januar 2013, 12:25 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - So schnell kann es manchmal gehen: Eine fast schon überkochende Gerüchteküche macht am Dienstag den Dax-Anlegern mächtig zu schaffen.

Dann sorgt ein unerwartet starker Anstieg des ZEW-Konjunkturindex - er misst die Erwartungen der Finanzmarktprofis für die deutsche Konjunktur - für strahlende Gesichter. Per saldo steht der Dax somit gegen Mittag wieder da, wo er schon kurz nach der Eröffnung war. Doch mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 7730 Punkten spiegelt der Leitindex das Tagesgeschehen kaum wider. Denn zeitweise hatte der deutschen Leitindex bis zu 1,5 Prozent auf 7634 Punkte verloren.

Der EuroStoxx rutschte zunächst um bis zu ein Prozent ab, notierte gegen Mittag aber nur noch 0,2 Prozent niedriger. Beim Dax sorgten Verkäufe am Future-Markt zusätzlich für Druck. "Die Nervosität ist sehr hoch, Auslöser für die Verluste waren Gerüchte um die Deutsche Bank. Da haben einige schon fast Panik bekommen", erklärte ein Händler. Dies bekam auch der Euro zu spüren, der um bis zu einem halben US-Cent auf 1,3270 Dollar abrutschte. Mit der Erleichterung über den ZEW-Index zog auch die Gemeinschaftswährung wieder an und notierte am Mittag nicht nur klar über 1,33 Dollar, sondern war in Richtung 1,34 Dollar unterwegs.

Die Finanzmarktprofis, die das ZEW-Institut zu ihren Einschätzungen befragte, erwarten, dass sich die deutsche Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte deutlich erholen wird. Das Stimmungsbarometer kletterte um 24,6 auf 31,5 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2010.

DEUTSCHE BANK AUF DEN VERKAUFSLISTEN DER ANLEGER

Um die Deutsche Bank rankten sich am Vormittag gleich mehrere Gerüchte, zu denen sich Deutschlands größtes Kreditinstitut freilich nicht äußern wollte. Aus Finanzkreisen verlautete schließlich, an den Ergebnis-Zielen des Bankhauses habe sich nichts geändert. Auch Spekulationen über die Einführung eines Trennbanksystems machten die Runde. Die "Börsen-Zeitung" hatte berichtet, die BaFin habe zwei große Banken aufgefordert, so etwas mal durchzuspielen. Es dürfte sich um die Deutsche Bank und die LBBW handeln, hatte die Zeitung gemeldet. Die Aktien des Frankfurter Instituts notierten gegen Mittag mit 35,99 Euro noch 1,8 Prozent im Minus. Zuvor hatten sie bis zu fast vier Prozent eingebüßt. Commerzbank-Aktien verloren etwa 1,2 Prozent. Ansonsten lagen Europas Banken gar nicht so schlecht: Der Stoxx-Banken-Index notierte lediglich 0,4 Prozent niedriger.

Gegen den Trend waren von Handelsbeginn an die Titel von Siemens gefragt, die in der Spitze 1,5 Prozent auf 84,75 Euro zulegten. Am Mittag notierten sie noch 0,8 Prozent höher. Das "Handelsblatt" hatte von einer stabilen Gewinnentwicklung im ersten Geschäftsjahr berichtet. Siemens gab keine Stellungnahme ab. Doch Insider warnten, die Hoffnungen auf einen stabilen Überschuss würden sich wohl nicht erfüllen. Der Gewinn des Konzerns aus fortgeführtem Geschäft im abgelaufenen Quartal sei ungefähr auf die von Analysten prognostizierte Summe von 1,14 Milliarden Euro geschmolzen . Der Konzern will am Mittwoch anlässlich der Hauptversammlung seinen Zwischenbericht veröffentlichen.

YEN-SCHWEMME SCHON VORWEGGENOMMEN - MÄRKTE BLEIBEN GELASSEN

Wenig Einfluss auf die Märkte hatte dagegen die Entscheidung der japanischen Notenbank für unbegrenzte Anleihekäufe ab 2014 und eine Verdoppelung des Inflationsziels. Selbst die Tokioter Börse und der Yen hatten kaum mehr reagiert. Der Nikkei-Index gab angesichts von Gewinnmitnahmen 0,35 Prozent nach. Am Devisenmarkt blieb der gewünschte Effekt einer Yen-Schwächung zunächst aus, da auch hier viele Anleger schon die Entscheidung vorweggenommen hatten. Somit fiel der Dollar unter 89 Yen von einem am Vortag aufgestellten zweieinhalb Jahres-Hoch von 90,25 Yen.