Gerüchteküche schmeckt Europas Aktienanlegern nicht

Dienstag, 22. Januar 2013, 15:01 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Angesichts einer brodelnden Gerüchteküche und herber Abschläge bei französischen Telekom-Werten haben die Aktienanleger am Dienstag einen Bogen um die europäischen Börsen gemacht.

"Es herrscht sehr viel Nervosität am Markt, weil keiner wirklich weiß, was eigentlich los ist", fasste es ein Händler in Frankfurt zusammen. Der Dax notierte am Nachmittag 0,7 Prozent im Minus bei 7691 Zählern.

Zuvor hatten mehrere Gerüchte über die Deutsche Bank und einen angeblichen Rücktritt von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann das Börsenbarometer binnen Minuten um bis zu 1,5 Prozent nach unten gedrückt. Ein Sprecher der Bundesbank bezeichnete das Gerücht um Weidmann als "kompletten Blödsinn". Ein überraschend starker Anstieg des ZEW-Konjunkturindex bugsierte den Dax anschließend zeitweise sogar Richtung Vortagesschluss. Auch der EuroStoxx50 erlebte eine Berg- und Talfahrt und lag am Nachmittag noch 0,3 Prozent niedriger bei 2717 Punkten. An den US-Börsen zeichnete sich nach dem Feiertag vom Montag ebenfalls ein schwacher Start in die Handelswoche ab.

DEUTSCHE BANK AUF DEN VERKAUFSLISTEN DER ANLEGER

Um die Deutsche Bank rankten sich am Vormittag gleich mehrere Gerüchte, zu denen sich Deutschlands größtes Kreditinstitut nicht äußern wollte. Aus Finanzkreisen verlautete schließlich, an den Ergebnis-Zielen des Bankhauses habe sich nichts geändert. Auch Spekulationen über die Einführung eines Trennbanksystems machten die Runde. Die "Börsen-Zeitung" hatte berichtet, die BaFin habe zwei große Banken aufgefordert, so etwas mal durchzuspielen. Es dürfte sich um die Deutsche Bank und die LBBW handeln, hatte die Zeitung gemeldet. Die Aktien des Frankfurter Instituts notierten am Nachmittag mit 35,79 Euro noch 2,3 Prozent im Minus. Zuvor hatten sie fast bis zu vier Prozent eingebüßt. Commerzbank-Aktien verloren 2,1 Prozent. Der Stoxx-Index für die Banken der Euro-Zone notierte 0,7 Prozent niedriger.

Die europäischen Indizes wurden auch von französischen Telekom-Werten belastet, die aus Furcht vor einer neuen Runde im Preiskrieg auf dem Mobilfunk-Markt nachgaben. Als Auslöser nannten Börsianer die Ankündigung von Stephane Roussel, dem Chef der Vivendi-Tochter SFR, die Handy-Tarife um 25 Prozent senken zu wollen. Die Aktien von Vivendi verbilligten sich an der Pariser Börse um 3,6 Prozent. Die Papiere der Konkurrenten France Telecom und Bouygues sackten um 3,7 und 3,1 Prozent ab. Die Telekom-Aktie verlor in Frankfurt ein Prozent.

Gegen den Trend waren von Handelsbeginn an die Titel von Siemens im Dax gefragt, die in der Spitze um 1,5 Prozent auf 84,75 Euro zulegten. Am Nachmittag notierten sie noch 0,5 Prozent höher. Das "Handelsblatt" hatte von einer stabilen Gewinnentwicklung im ersten Geschäftsjahr berichtet. Siemens gab keine Stellungnahme ab. Doch Insider warnten, die Hoffnungen auf einen stabilen Überschuss erfüllten sich wohl nicht. Der Konzern will am Mittwoch anlässlich der Hauptversammlung seinen Zwischenbericht veröffentlichen.

Zu den Dax-Verlierern zählten neben der Deutschen Bank auch die Titel von RWE, die 2,6 Prozent auf 28,56 Euro einbüßten. Die Analysten der UBS empfahlen die Papiere weiterhin zum Verkauf und senkten das Kursziel auf 24 von 26 Euro.

Im MDax standen dagegen EADS mit einem Aufschlag von 1,5 Prozent ganz oben. Nach Angaben von Konzernchef Tom Enders hat EADS im vergangenen Jahr Umsatz und Betriebsgewinn "deutlich verbessert".   Fortsetzung...