Dax und EuroStoxx trotz vieler Impulse wie festgefroren

Mittwoch, 23. Januar 2013, 11:25 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Trotz einer bislang recht ordentlich verlaufenen Bilanzsaison in den USA kommt der Dax derzeit kaum vom Fleck.

Auch die Geschäftszahlen von SAP und Siemens überzeugten die Anleger insgesamt nicht. Die Kurse der beiden Dax-Schwergewichte entwickelten sich jeweils in die entgegengesetzte Richtung und hoben sich damit in ihrer Wirkung für den Gesamtmarkt wieder auf. "Da auch die Bankenwerte weiter eher auf den Verkaufslisten bleiben, kommt der Dax kaum voran", erklärte ein Händler. Der deutsche Leitindex notierte am späten Vormittag mit 7717 Punkten 0,3 Prozent höher. Auch auf europäischer Ebene konnten sich die Anleger nicht eindeutig für die eine oder andere Richtung entscheiden. Der EuroStoxx notierte kaum verändert.

Vor allem Google hatte dank überraschend starker Werbeeinnahmen im Weihnachtsgeschäft die Stimmung der Anleger verbessert. Doch da es dazu in Europa kaum vergleichbare Unternehmen gebe, sei der Effekt nicht so groß, erklärte ein Börsianer. Die auch in Frankfurt notierten Google-Aktien zogen um über vier Prozent an. Doch auch in Asien hatten die Google-Zahlen die Anleger nicht an die Märkte gelockt. Vielmehr drückten dort Gewinnmitnahmen die großen Indizes. Vielleicht wollten die Anleger in Europa und Asien auch einfach nur abwarten, wie die Bilanzsaison dies- und jenseits des Atlantiks sich weiter entwickle, sagte ein Händler.

Im Dax führten die Aktien der Softwareschmiede SAP mit einem Plus von 2,5 Prozent die Gewinnerliste an, was einige Börsianer verwunderte. "Den Ausblick haben wir eher als sehr vorsichtig eingestuft und so prickelnd waren die endgültigen Zahlen nun auch nicht", erklärte ein Händler. Vermutlich profitierten die Aktien vom IBM-Zwischenbericht. Der weltgrößte Technologiekonzern rechnet für 2013 mit einem besseren Geschäft als bislang erwartet. Die auch in Frankfurt notierten IBM-Aktien zogen um gut vier Prozent an und vollzogen damit die nachbörsliche US-Entwicklung nach.

Auf der Verliererseite standen die Aktien von Siemens mit einem Abschlag von 1,2 Prozent. Der Technologiekonzern hielt wie nach Medienberichten am Vortag erwartet seinen Gewinn im Auftaktquartal des neuen Geschäftsjahres stabil. "Einige Anleger hatten da aber wohl mit mehr gerechnet", kommentierte ein Händler. Außerdem seien die Zahlen je nach Sparte durchwachsen ausgefallen. Aus Sicht der Espirito Santo Investment Bank enttäuschte vor allem der Ausblick.

Zu den größten Verlierern zählten zudem erneut die Bankenwerte: Deutsche Bank verloren 0,6 Prozent, Commerzbank 1,8 Prozent. "Offenbar fürchten vor allem angelsächsische Investoren, die Aufsicht in Deutschland könnte es mit der Einführung eines Trennbanksystems ernst meinen", kommentierte ein Börsianer. Die "Börsen-Zeitung" hatte am Dienstag berichtet, die BaFin habe zwei große Banken - Deutsche Bank und die LBBW - aufgefordert, so etwas mal durchzuspielen.

TUI BLÄST FUSION AB UND ENTTÄUSCHT DAMIT DIE AKTIONÄRE

Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn halfen im MDax Gerry Weber auf die Beine. Die Aktien kletterten um 2,6 Prozent. Größter MDax-Gewinner waren mit einem Plus von 3,7 Prozent Wacker Chemie. Laut Händlern profitierten die Titel von einer Stabilisierung der zuletzt schwächeren Polysilizium-Preise.

Schlusslicht im MDax waren die Aktien von TUI mit einem Abschlag von 4,7 Prozent auf 7,56 Euro. Auch die Aktien der in London gelisteten Tochter TUI Travel brachen um 4,5 Prozent ein. Europas größter Reisekonzern schließt ein Übernahmeangebot für die Tochter aus. "Der Markt rechnet jetzt nicht mehr mit einer Fusion", sagte ein Aktienhändler. Dabei hätten sich viele Anleger schon Hoffnungen auf millionenschwere Synergieeffekte gemacht. Dies werde jetzt wieder ausgepreist.

Nach einem überraschend starken Ausblick des US-Konkurrenten Cree zogen die Aixtron-Titel mit einem Plus von 7,2 Prozent an die TecDax-Spitze. Den zweiten Platz nahmen die Aktien von Drägerwerk mit einem Aufschlag von fünf Prozent ein. Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Anbieter hatte im vergangenen Jahr seine eigene Prognose für die Gewinnmarge nach vorläufigen Zahlen übertroffen.