Europas Aktienanleger stecken Apple-Enttäuschung gut weg

Donnerstag, 24. Januar 2013, 17:46 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Europas Aktienanleger haben sich am Donnerstag von den Zweifeln an den künftigen Wachstumschancen von Apple nicht aus der Bahn werfen lassen.

Relativ erfreuliche Konjunkturdaten aus der Euro-Zone machten die Verunsicherung über den weltgrößten Technologiekonzern wieder wett. Allerdings reichte der Mut nicht zu größeren Kurssprüngen, denn insgesamt hielten sich Gewinner und Verlierer die Waage. Somit kamen Dax und Co kaum vom Fleck. Der deutsche Leitindex pendelte bis zum frühen Nachmittag meist um 7700 Punkte. Der EuroStoxx notierte mit 2704 Zählern nahezu unverändert. Auch der Euro war mit Kursen knapp über 1,33 Dollar wie festgefroren.

"Der Markt hat wenig Phantasie nach oben, aber so richtig nach unten geht es auch nicht", erklärte ein Händler. Dass Apple in Europa kaum Spuren hinterließ, begründeten Händler mit dem Mangel an vergleichbaren Unternehmen. Lediglich einige Zulieferer - wie die im TecDax gelisteten Aktien von Dialog Semiconductor - gerieten unter Druck. Dialog fielen um 4,8 Prozent. Der Stoxx-Tech-Branchen-Index verlor moderate 0,4 Prozent. In New York dürften die Apple-Aktien am Donnerstag unter Druck bleiben, nachdem sie nachbörslich am Mittwoch schon zehn Prozent auf 463 Dollar verloren hatten. Die Analysten von Morgan Stanley strichen die Aktien aus ihrer "Best Ideas"-Liste, die von Jefferies senkten ihr Kursziel drastisch auf 500 von 800 Dollar.

Trotz der Rekordverkäufe wachsen die Zweifel an der Vormachtstellung des iPhone- und iPad-Herstellers. "Den Anlegern schwant, das Apple nicht ins Unendliche wachsen kann. Denn die Konkurrenz schläft nicht und ist oft günstiger", fasste ein Händler in Frankfurt zusammen. "Einige fürchten schon, dass Apple das neue Nokia wird", fügte ein anderer hinzu. Der finnische Handyhersteller - einst als Pionier der Branche gepriesen - hat den Anschluss an die Smart Phones verloren und kämpft derzeit ums Überleben. Am Donnerstag teilte Nokia mit, für 2012 erstmals seit 1989 keine Dividende auszuschütten. Angesichts der fallenden Umsätze will das Unternehmen seine Cash-Position lieber stärken. Die Aktien fielen um fünf Prozent auf 3,31 Euro.

Unterstützung boten aber die Daten aus der Euro-Zone. Denn die Talfahrt der Privatwirtschaft scheint zum Jahresbeginn ihren Tiefpunkt überwunden zu haben. Der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone stieg jedenfalls überraschend deutlich um 1,0 auf 48,2 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit zehn Monaten, wie das Markit-Institut nach einer Umfrage unter 5000 Unternehmen mitteilte. Einziger Wermutstropfen: die Entwicklung in den Euro-Länder driftet teils stark auseinander.

HENKEL FÜHREN DAX-GEWINNER AN - KURSSPRÜNGE BEI NOKIA

Ein positiver Analystenkommentar der Berenberg Bank lockte laut Händlern viele Anleger in die Aktien von Henkel. Die Titel stiegen um zwei Prozent auf 63,70 Euro. Die Experten hatten ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 83 Euro bekräftigt und Henkel als ihren Favoriten im gesamten Sektor für Haushalt- und Körperpflegeprodukte gepriesen.

Eine Berg- und Talfahrt vollzogen die Titel von Beiersdorf. Offenbar konnte der Nivea-Hersteller mit seinen Umsatzzahlen nicht alle Anleger überzeugen. Nach vorbörslichen Verlusten zogen die Aktien um bis zu ein Prozent an, ehe Gewinnmitnahmen die Titel um bis zu 0,8 Prozent ins Minus drückten.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Aktien der Deutschen Börse mit einem Plus von einem Prozent. Reuters hatte am Mittwochnachmittag unter Berufung auf Insider berichtet, dass die Börse wegen der Flaute an den Finanzmärkten ein neues Sparpaket auflegen will. Die Analysten der DZ Bank bescheinigen dem Frankfurter Börsenbetreiber eine solide Restrukturierungsbilanz und bekräftigten ihre Kaufempfehlung.   Fortsetzung...