Konjunkturoptimismus treibt Anleger in Aktien

Freitag, 25. Januar 2013, 16:32 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - In der Hoffnung auf eine anziehende Konjunktur und steigende Unternehmensgewinne haben Anleger am Freitag bei europäischen Aktienwerten zugegriffen.

Der Dax kletterte in der Spitze auf ein neues Fünf-Jahres-Hoch von 7853,76 Punkten und der EuroStoxx50 notierte mit 2746,15 Zählern zeitweise auf dem höchsten Stand seit eineinhalb Jahren.

"Die Krise ist überwunden - zumindest in Deutschland", kommentierte ING-Analyst Carsten Brzeski den überraschend starken Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex. Das Stimmungsbarometer des Ifo-Institutes kletterte im Januar auf 104,2 Punkte von 102,4 Zählern im Vormonat und erreichte damit den höchsten Stand seit etwa einem halben Jahr. "Der Ifo-Index illustriert, dass die ersten Knospen der deutschen Wirtschaft bereits sprießen", sagte ING-Experte Brzeski weiter. "Selbst wenn der harte Winter die Blüte etwas verzögert, das Wachstum wird zurückkehren."

Am frühen Nachmittag lagen Dax und EuroStoxx50 jeweils rund ein Prozent im Plus bei 7849 beziehungsweise 2744 Stellen. Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten auf eine festere Eröffnung der Wall Street hin. Der Euro war ebenfalls gefragt und kostete mit 1,3464 Dollar zeitweise so viel wie zuletzt Ende Februar 2011.

BANKEN LÖSEN SICH VOM TROPF DER EZB

Zur positiven Stimmung an den Börsen trug zudem die hohe Rückzahlungsquote für einen Kredit der Europäischen Zentralbank (EZB) bei. Börsianer werteten dies als Zeichen für eine Entspannung in der von der Schuldenkrise gebeutelten europäischen Bankenlandschaft. Die Finanzinstitute zahlten mit 137,2 Milliarden Euro rund ein Drittel mehr Geld vorzeitig an die EZB zurück als von Analysten erwartet. Zum Jahreswechsel 2011/2012 hatte die Notenbank den Geldhäusern mit zwei, über drei Jahre laufenden Krediten insgesamt rund eine Billion Euro zur Verfügung gestellt.

Vor diesem Hintergrund gehörten die Finanzwerte zu den Favoriten der Anleger. Der Branchenindex für die Geldhäuser der Euro-Zone stieg um mehr als ein Prozent. Deutsche Bank und Commerzbank gewannen jeweils 1,2 Prozent, Erste Bank sogar drei Prozent.

Die Erleichterung der Investoren über die verbesserten Aussichten für die Euro-Zone ließ sich auch am Terminmarkt ablesen. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, fielen jeweils auf ein Sechs-Jahres-Tief. Das geringere Interesse an sicheren aber renditeschwachen Anlagen drückte den Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, 62 Ticks ins Minus auf 142,57 Punkte.

SOLARWORLD HÄNGT AM TROPF DER GLÄUBIGER - AKTIE STÜRZT AB

Für Aufsehen am deutschen Aktienmarkt sorgte der 33-prozentige Rekord-Kurssturz von Solarworld. Der Solarkonzern ächzt unter seinen Schulden und bereitet seine Gläubiger auf Einschnitte vor. Bis Ende September will Firmenchef Frank Asbeck ihnen nun weitreichende Zugeständnisse abtrotzen. Solarworld stehe vor einem Berg an Unsicherheiten, die für den Konzern von existenzieller Bedeutung seien, schrieb LBBW-Analyst Erkan Aycicek. Andererseits sei auch denkbar, dass Solarworld mit einer erfolgreichen Restrukturierung durchstarten könne. Am Nachmittag lagen die im TecDax enthaltenen Titel des einstigen Solar-Vorzeigeunternehmens 31 Prozent im Minus bei 1,10 Euro.

Stark gefragt waren dagegen Bayer, die kurzzeitig auf ein Rekordhoch von 76,02 Euro stiegen. Damit stand die Aktie des Pharmakonzerns sowohl im Dax als auch im EuroStoxx50 an der Spitze. Händlern zufolge hatten sich die Analysten der Bank of America/Merrill Lynch positiv über Bayer geäußert.