Berner Börse plant offenbar Einstieg in Derivatehandel

Freitag, 25. Januar 2013, 16:32 Uhr
 

Zürich (Reuters) - In der Schweiz wird möglicherweise schon bald eine dritte Handelsplattform in den schrumpfenden Markt für strukturierte Produkte drängen.

Die Berner Börse BX Berne eXchange (BX) plane den Einstieg in den Derivatehandel, sagten drei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Beteiligt an dem Projekt seien die Bank Julius Bär, die Zürcher Kantonalbank und die Bank Vontobel. Dazu kämen weitere Institute. Die technische Basis bilde die von der Citigroup entwickelte Plattform "Cats". "Es ist geplant, dass der Handel im zweiten Quartal 2013 aufgenommen wird", sagte ein Insider. BX, ZKB, Bär, Vontobel und Citigroup wollten sich nicht äußern.

Die Berner machen damit der Derivatebörse Scoach und der 2012 gestarteten außerbörslichen Plattform Swiss Dots von Swissquote, Goldman Sachs und UBS Konkurrenz. Wenn Vontobel, ZKB und Julius Bär auch nur einen Teil des bestehenden Geschäfts auf die BX-Plattform verlagern, dürfte das vor allem der Platzhirsch Scoach zu spüren bekommen. Die Derivatebörse gehört der Schweizer SIX und der Deutschen Börse. Die drei Banken verbuchten im Dezember nach der UBS den höchsten Umsatz an der Scoach. Sie kamen zusammen auf einen Marktanteil von 44 Prozent.

Die Banken in der Schweiz leiden unter der Zurückhaltung der Anleger, denen die Finanzkrise immer noch in den Knochen steckt. An der Scoach Schweiz brach der Handelsumsatz 2012 um 38 Prozent auf 31,9 Milliarden Franken ein. Deshalb suchen die Emittenten von strukturierten Produkten nach Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Ein großer Kostenblock sind die Gebühren für das Listing von neuen Optionsscheinen oder Zertifikaten, die in der Schweiz deutlich höher sind als etwa in Deutschland. Hier soll das BX-Projekt den Kreisen zufolge günstiger sein als Scoach.

Neben den niedrigeren Gebühren kommt der geplante Handelsplatz den Emittenten in einem anderen wichtigen Punkt entgegen. Im Gegensatz zur Scoach seien die Kurse, die ein Emittent anbiete, unverbindlich, sagte ein Insider. Damit haben die Emittenten ein wirksames Instrument gegen professionelle Arbitrage-Händler in der Hand. Deren Versuche, mit sehr schnellen Computern vorübergehende kleine Preis-Abweichungen auszunutzen, können Emittenten oft teuer zu stehen kommen.

Mit niedrigen Listing-Gebühren und dem Schutz vor Arbitrage-Händlern lockt auch Swiss Dots, die sich bei den Hebelprodukten innerhalb weniger Monate einen Marktanteil von 15 Prozent gesichert hat. Diese Plattform wird von der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma allerdings nicht reguliert. Einige Anleger wollen auf diesen zusätzlichen Schutz aber nicht verzichten. Einer der Insider geht davon aus, dass das BX-Projekt von der Finanzmarktaufsicht reguliert werden dürfte. Ein Sprecher der Behörde wollte sich dazu nicht äußern.

Die BX selbst ist der Finma unterstellt. Die Regulierung ist zwar weniger umfassend als bei der viel größeren und komplexeren SIX. "Die Grundanforderungen in diesem Bereich sind aber grundsätzlich von allen Anbietern zu erfüllen", sagte der Finma-Sprecher.

Über die BX werden gegenwärtig vor allem Aktien von kleinen Schweizer Firmen und Immobiliengesellschaften gehandelt. Die BX, die einzige Börse in der Schweiz neben der SIX, hatte in der Vergangenheit angekündigt, dass sie die Einführung neuer Instrumente sowie Segmente prüfe.