Euro im Höhenrausch - Aktienmärkte im Leerlauf

Mittwoch, 30. Januar 2013, 15:24 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Ein gestiegenes Vertrauen von Investoren in die Wirtschaftskraft der Euro-Zone hat dem Euro am Mittwoch ordentlich nach oben geholfen.

Die Gemeinschaftswährung schaffte es in der Spitze bis auf 1,3563 Dollar und damit den höchsten Stand seit November 2011. Für Japaner war sie mit 123,85 Yen so teuer wie seit Mai 2010 nicht mehr, Briten mussten mit 85,89 Pence so viel auf den Tisch legen wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr.

"Die politischen Initiativen in Europa, die die Märkte der Peripheriestaaten stabilisieren sollen, zeigen eine recht positive Wirkung", sagte Währungsstratege Ian Stannard von Morgan Stanley. Er kann sich vorstellen, dass der Euro bald die Marke von 1,36 Dollar nimmt und dann auch 1,40 Dollar realistisch werden.

Einen Hoffnungsschimmer lasen Investoren aus der Statistik zur Stimmung der Unternehmen und Verbraucher der Euro-Zone: Das Geschäftsklima hat sich im Januar den dritten Monat in Folge verbessert. Außerdem gab es neue Hinweise darauf, dass sich die Banken allmählich vom Tropf der EZB lösen. Denn obwohl sie unerwartet viel Geld aus dem ersten Langfristtender vorzeitig an die Zentralbank zurückzahlen, blieb ihr Bedarf an kurzfristigen EZB-Geldern am Mittwoch vergleichsweise gering. Last but not least: Italien hat fünf und zehn Jahre laufende Anleihen so billig verkaufen können wie seit Oktober 2010 nicht mehr. Diese Fakten stützten Börsianern zufolge die Einschätzung, dass das Schlimmste der Schuldenkrise wohl überstanden sei.

SKEPTISCHE BLICKE ÜBER DEN ATLANTIK

An den europäischen Aktienmärkte hielten sich die Anleger hingegen zurück. Dax und EuroStoxx50 gaben leicht nach. Der deutsche Leitindex verlor 0,3 Prozent auf 7823 Zähler, der Index für die größten Aktien aus der Euro-Zone gab ebenfalls 0,3 Prozent nach auf 2739 Punkte. Die Umsätze blieben gering. Börsianer machten enttäuschende Daten aus den USA für die Abgaben verantwortlich. Einer ersten Schätzung zufolge ist die weltgrößte Volkswirtschaft im Schlussquartal 2012 überraschend geschrumpft, die Job-Statistik des privaten Dienstleisters ADP fiel dagegen etwas besser aus als erwartet. Mit 192.000 neuen Jobs wurden allerdings weniger neue Stellen ausgewiesen als im Vormonat. "Im Moment wollen viele aus dem Dollar raus aber so richtig traut man sich nach der steilen Rally noch nicht wieder in den Aktienmarkt", sagte Aktienstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. Für die Wall Street zeichnete sich eine schwächere Eröffnung ab.

BILANZ DER DEUTSCHEN BANK RÜCKT IN DEN FOKUS

Gesprächsthema am Markt war die Quartalsbilanz von E.ON. Kurzzeitig vermochte der Konzern seine Aktionäre mit der Bekräftigung einer Dividendenzahlung von 1,10 Euro zu ermuntern, auch der Ausblick für 2013 - ein operativer Gewinn (Ebitda) von bis zu 9,8 Milliarden Euro - wurde recht positiv gewertet. Die unter der Hand herumgereichten Schätzungen seien "wesentlich niedriger" gewesen, erläuterte DZ-Bank-Analyst Marc Nettelbeck. Bis zum Mittag war der Schwung allerdings verflogen und E.ON-Aktien lagen noch 0,4 Prozent im Plus. Das war niedriger als vor Veröffentlichung der Zahlen.

Im Fokus waren auch die Aktien der Deutschen Bank, die um knapp ein Prozent zulegten. Händler vermuteten, dass zurückhaltende Äußerungen von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier zum Trennbanken-System die Anleger zu Käufen veranlassten. Vorige Woche hatten Berichte über die Einführung eines solchen Systems die Aktien zeitweise massiv gedrückt. Am Donnerstag veröffentlicht das größte hiesige Kreditinstitut seine Quartalsbilanz. Analysten prognostizieren nur noch einen Mini-Gewinn.

An der Börse in Mailand zog ein Kursrutsch des Öl-Dienstleisters Saipem den Leitindex mit nach unten, so dass er um zwei Prozent nachgab. Saipem hat für 2013 einen Gewinneinbruch von bis zu 80 Prozent in Aussicht gestellt, der Aktienkurs sackte daraufhin um fast ein Drittel auf 20,87 Euro ab. Im Schlepptau verkauften Anleger europaweit Rohstoffwerte, so dass der Sektorindex um 1,4 Prozent fiel.