Dax-Anleger auf der Hut - Deutsche Bank im Blick

Donnerstag, 31. Januar 2013, 12:14 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Europas Aktienanleger bekommen nach den Kursgewinnen seit Jahresbeginn inzwischen offenbar doch kalte Füße.

Zum Monatsende jedenfalls haben am Donnerstag viele ihre Aktienportfolios zurückgefahren. Vor allem in Madrid und Mailand gaben die Kurse deutlich nach. In Frankfurt steckten die Anleger dagegen den milliardenschweren Verlust der Deutschen Bank im vierten Quartal recht locker weg. Die Aktien des größten deutschen Geldhauses brachen nur im frühen Handel deutlich ein, behaupteten sich im entscheidenden Xetra-Geschäft bis zum späten Vormittag aber gut im Plus. Den Dax ficht das ebenfalls kaum an: Der Leitindex notierte gegen Mittag mit 7788 Punkten lediglich 0,3 Prozent niedriger.

Seit Jahresbeginn hat der Dax fast drei Prozent gewonnen und hinkt damit den allerdings 2012 vernachlässigten italienischen und spanischen Indizes hinterher. Vor allem an der Mailänder Börse hatten die Anleger im Januar neuen Mut gefasst und den Leitindex um rund sechs Prozent in die Höhe getrieben. Gewinnmitnahmen drückten den Index am Donnerstag um fast ein Prozent, womit das Monatsplus auf knapp fünf Prozent zusammenschmolz. Auch in Madrid hatten die Anleger es im Januar gut gemeint und den IBEX um fast fünf Prozent in die Höhe katapultiert. Bei einem Abschlag von 1,6 Prozent am Donnerstag dürfte das Monatsplus auf rund drei Prozent sinken.

"Viele Anleger waren vielleicht am Jahresanfang doch zu optimistisch", sagte ein Händler. So fragten sich einige, ob tatsächlich die Euro-Schuldenkrise bereits ad acta gelegt werden kann. Die ultralockere US-Geldpolitik sorgte inzwischen ebenfalls für Sorgenfalten. "Da pumpen sie Milliarden von Dollar in die Wirtschaft und das Wachstum schrumpft sogar noch", sagte ein Händler. In den USA war die Wirtschaftstätigkeit im vierten Quartal 2012 überraschend um 0,1 Prozent gesunken. Die US-Notenbank entschied denn auch am Mittwochabend, an ihrer Nullzinspolitik und dem Kauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren festzuhalten - bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. "Gewinnmitnahmen scheinen bei einer solchen Gemengelage eine ganz gute Option zu sein", fasste ein Börsianer zusammen.

Die Politik des billigen Geldes macht inzwischen auch dem Dollar zu schaffen. Die US-Währung verliert zum Euro immer mehr an Boden. Die Gemeinschaftswährung behauptete sich dagegen mit 1,3560 Dollar über der am Vortag erstmals seit November 2011 zurückeroberten Marke von 1,35 Dollar.

ANLEGER BEI BEURTEILUNG DER DT.BANK UNEINIG

Weniger eindeutig ist das Urteil der Anleger über die Deutsche Bank. Das Frankfurter Geldinstitut hatte für das vierte Quartal angesichts erheblicher Sanierungskosten einen überraschend hohen Verlust von 2,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Dies habe die Investoren zunächst schockiert, sagte ein Händler. Analysten werteten dagegen den geplanten Anstieg der Kernkapitalquote positiv. "Das sollte die Angst der Investoren vor einer Kapitalerhöhung lindern", schrieb Equinet-Analyst Philipp Häßler in einem Kommentar.

Die Aktien der Frankfurter Bank stiegen im regulären Xetra-Handel um bis zu 2,8 Prozent auf 38,20 Euro. Bis zum späten Vormittag schrumpfte das Plus auf 0,6 Prozent. Das reichte immer noch, um im Dax zu den Top-Ten zu zählen.

An die Dax-Spitze mogelten sich die Aktien von Infineon mit einem Plus von drei Prozent auf 6,61 Euro vor. Zwar brach der Gewinn bei dem Chiphersteller ein, doch bestätigte Infineon seinen Ausblick. "Alle rechnen damit, dass die Konjunktur weltweit im zweiten Halbjahr anziehen wird - und das ist die Rettung für Infineon", erklärte ein Händler.

Schlusslicht im Dax waren die E.ON-Aktien, die nach kritischen Analystenkommentaren drei Prozent einbüßten.