Fondsbranche gibt Kleinsparer nicht verloren

Mittwoch, 6. Februar 2013, 15:05 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die deutsche Fondsbranche hofft auf eine Rückkehr der Privatanleger 2013.

Die für jedermann zugänglichen Publikumsfonds hätten im vergangenen Jahr unter dem Strich knapp 25 Milliarden Euro an Mittelzuflüssen verbucht, nachdem 2011 noch 15 Milliarden herausgezogen worden waren. "Das ist das beste Jahr seit Beginn der Finanzkrise. Der Turnaround ist geschafft", sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands BVI, Thomas Richter, am Mittwoch in Frankfurt.

Am besten liefen Rentenfonds und jene verbliebenen Offenen Immobilienfonds, die die Krise überlebt haben. Allerdings sammelten seit November auch Aktienfonds wieder frische Gelder ein, um die gerade die Kleinsparer wegen der Turbulenzen an den Märkten lange Zeit einen großen Bogen gemacht haben. "Der positive Trend bei den Aktienfonds hat sich nach ersten Zahlen auch im Januar fortgesetzt", sagte Richter. "Das ist schon mal ein gutes Omen."

Dennoch wagte er keine Prognose für das Neugeschäft 2013. Das dürfte auch daran liegen, dass sich nicht wirklich messen lässt, welchen Anteil die Kleinsparer an den Zuflüssen in Publikumsfonds haben. Denn auch institutionelle Kunden können diese Produkte nutzen, weil sie sich hier - anders als bei den Spezialfonds - meistens nicht über Jahre hinweg festlegen müssen. Richter gab sich dennoch zuversichtlich: "Wir wissen, dass auch sehr, sehr viel Geld der Privatanleger dabei ist."

"PAPIERFLUT AUF 100 METERN HÖHE"

Der Branche, die hierzulande etwa 15.000 Menschen beschäftigt, machen gleich mehrere Probleme zu schaffen: Die Kleinsparer meiden seit der Finanzkrise Risiken und legen ihr Geld statt in Investmentfonds lieber auf Tagesgeldkonten an. Manche Experten gehen sogar davon aus, dass die Privatanleger auf Dauer verloren sind. Profi-Investoren wie Pensionskassen und Stiftungen wiederum schauen im Niedrigzinsumfeld sehr genau auf die Gebühren. Und obendrein verursacht die strengere Regulierung immer mehr Kosten für die Fondshäuser. Die großen Gesellschaften haben sich deshalb Sparprogramme verordnet und stellen sich gerade neu auf. Auch ein Jobabbau steht vielerorts an.

Der BVI hatte deshalb um die Spezialfonds gekämpft, die institutionellen Anlegern vorbehalten sind und nach wie vor den Großteil des Geschäfts ausmachen. Das Bundesfinanzministerium wollte diese Vehikel ursprünglich mit der Umsetzung der EU-Richtlinie für Alternative Investmentfonds-Manager (AIFM) verbieten, die bis zum Juli 2013 in allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden muss. Dieses Verbot ist inzwischen vom Tisch, doch mit vielen neuen Dokumentationsregeln werden die Fondsanbieter zu mehr Transparenz gezwungen, auch bei Publikumsfonds. "Die AIFM-Richtlinie löst eine Bürokratieflut aus", schimpfte Richter. "Die Papierflut entspricht aufeinander gestapelt einem Turm von 100 Meter Höhe."

Insgesamt verwaltete die deutsche Fondsbranche laut BVI per Ende 2012 ein Vermögen von gut zwei Billionen Euro. Das ist ein Plus von mehr als 14 Prozent zum Vorjahr und ein neuer Rekord, allerdings auch, weil die Märkte zum Jahresende gut liefen und sich die Anlagen entsprechend entwickelten. Netto vertrauten die Anleger der Branche alles in allem gut 100 Milliarden Euro neu an. Vom verwalteten Vermögen waren 1,3 Billionen ausschließlich institutionelle Gelder, in Publikumsfonds waren 730 Milliarden Euro angelegt.