Verunsicherung über Politik in Euro-Zone belastet Märkte

Mittwoch, 6. Februar 2013, 19:18 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die zunehmende Nervosität der Anleger und der Streit zwischen Deutschland und Frankreich um den Wechselkurs des Euro haben die Finanzmärkte am Mittwoch unter Druck gesetzt.

Der Dax beendete den Handel 1,1 Prozent niedriger bei 7581,18 Zählern und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit acht Wochen. Aus charttechnischer Sicht habe das Durchbrechen der Marke von 7600 Punkten den Weg für weitere Kursverluste geebnet, sagten mehrere Börsianer. Auch die anderen europäischen Märkte gerieten zunehmend unter Druck, so dass der EuroStoxx50 mit einem Abschlag von 1,3 Prozent bei 2617 Punkten aus dem Tag ging. Der Euro fiel zweitweise unter die Marke von 1,35 Dollar. auf 1,3528 Dollar.

Wie in Europa sicherten auch an der Wall Street viele Anleger lieber ihre Gewinne. Der Dow Jones mit den 30 Standardwerten fiel um 0,1 Prozent auf 13.965 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 verlor ebenfalls 0,1 Prozent auf 1510 Zähler. Der Nasdaq notierte fast unverändert bei 3171 Punkten.

Die Vorsicht an den Märkten rührte nicht zuletzt von den anhaltenden Sorgen um die politische Stabilität in Südeuropa her. In Spanien sieht sich die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert, in Italien fürchten Anleger ein Wiedererstarken des ehemaligen Regierungschefs Silvio Berlusconi bei den Wahlen Ende Februar.

Der Euro wurde zusätzlich belastet durch die Aussagen des französischen Finanzministers Pierre Moscovici, der die Wechselkurspolitik kommende Woche mit seinen Kollegen aus der Euro-Zone besprechen will. Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte am Dienstag vor dem EU-Parlament eine aktive Wechselkurspolitik gefordert, um den Euro und die Unternehmen in der Europäischen Union gegen Abwertungen anderer Währungen zu schützen. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte indes, die Gemeinschaftswährung sei im historischen Vergleich nicht überbewertet.

Börsianer dürften nicht zuletzt wegen dieser Diskussion die Pressekonferenz von EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag mit Spannung verfolgen. Zins- oder geldpolitische Entscheidungen werden von der Europäischen Zentralbank aber nicht erwartet. "Damit es mit dem Markt wieder nach oben gehen kann, müsste die EZB schon etwas aus dem Hut zaubern", sagte ein Händler.

Der Euro sackte auf bis zu 1,3493 Dollar ab, nach 1,3581 Dollar am Vorabend in New York. Zugleich suchten Anleger ihr Heil in den als sicher geltenden Bundesanleihen - der Bund-Future legte 35 Ticks auf 142,55 Punkte zu. Dagegen zogen die Renditen für spanische und italienische Anleihen wieder an.

DAS DISNEY-IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK - AKTIE STEIGT

Die Nervosität am Markt ließ sich an den Finanzwerten ablesen. Der Bankenindex für die Euro-Zone fiel um 1,3 Prozent. Die Titel der Commerzbank gehörten im Dax mit einem Minus von 1,8 Prozent zu den größten Verlierern. Deutsche Bank beendeten den Tag 1,5 Prozent niedriger. Die Sorgen um Italien und Spanien zogen auch die französischen Finanztitel in Mitleidenschaft. Credit Agricole schlossen als einer der größten Sektor-Verlierer mit einem Abschlag von 3,7 Prozent.

Auf den Verkaufslisten standen zudem die Versorger E.ON und RWE mit Kursverlusten von zwei und 1,3 Prozent. Die Analysten der Berenberg Bank hatten für E.ON eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen. Ihre Kollegen bei der Credit Suisse stutzen das Kursziel für RWE. "Die Dividenden der Versorger reichen vielen Anlegern nicht mehr. Da gibt es renditeträchtigere Titel", erklärte ein Händler.

Auf der kurzen Dax-Gewinnerliste standen die Lufthansa-Aktien mit einem Aufschlag von 2,8 Prozent. Der Billigflieger Easyjet vermeldete für Januar eine Steigerung der Passagierzahlen um vier Prozent. Die Titel von Easyjet legten in London um 1,4 Prozent zu.