Europas Börsen rücken im Schneckentempo vorwärts

Donnerstag, 7. Februar 2013, 11:34 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - An den europäischen Börsen scheinen die Anleger in diesem Jahr die fünfte Jahreszeit als willkommene Auszeit zu begrüßen.

Dax und EuroStoxx kamen am Donnerstagvormittag bei mauen Umsätzen kaum von der Stelle. Der Frankfurter Leitindex notierte mit 7595 Punkten 0,2 Prozent höher, der EuroStoxx stieg um 0,4 Prozent auf 2628 Zähler. Nur in Madrid und Mailand griffen die Anleger etwas beherzter zu und trieben die Kurse um je rund ein Prozent hoch.

"Heute warten alle auf die EZB. Eine Zinsänderung gilt zwar als so gut wie ausgeschlossen, aber die Marktteilnehmer wollen sehen, ob die Notenbank sich zum deutsch-französischen Geplänkel um die Höhe des Euro-Wechselkurses äußern wird", erklärte ein Börsianer. Traditionell sind die Franzosen eher für eine schwache und die Deutschen für eine starke Währung. Der Euro zog derweil leicht auf 1,3560 Dollar an. Börsianer gehen zudem davon aus, dass bei der Pressekonferenz Draghis Rolle im Monte-dei-Paschi-Drama als ehemaliger Gouverneur der Notenbank und Banken-Oberaufseher zur Sprache kommen wird. Das älteste Bankhaus der Welt hat sich mit Derivate-Geschäften verspekuliert und einen Verlust angehäuft.

Die Zinsentscheidung wird um 13.45 Uhr bekanntgegeben, die Pressekonferenz beginnt um 14.30 Uhr.

Übernahmespekulationen trieben die Aktien des Chemieunternehmens Lanxess um bis zu 5,3 Prozent auf 64,60 Euro in die Höhe. "Angeblich will Dow Chemical 70 bis 80 Euro je Lanxess-Aktie bieten", sagte ein Händler. Londoner Händler bestätigten, dass die Gerüchte dort auch kursieren. Lanxess wollte sich nicht äußern. Dow Chemical Deutschland war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen.

Gesucht waren zudem HeidelbergCement, die mit einem Plus von rund fünf Prozent zur Dax-Spitzengruppe zählten. Der Baustoffkonzern hat 2012 unter anderem von der Erholung der Baukonjunktur in Nordamerika profitiert und seine Margen im Kerngeschäft verbessert. "Die Zahlen waren ganz in Ordnung und könnten sich positiv auf die Bewertung auswirken", kommentierte ein Händler.

Für reichlich Gesprächsstoff sorgte Daimler mit der Vorlage von Jahres- und Quartalszahlen. Analysten und Börsianer zeigten sich zufrieden. "Die Zahlen zum vierten Quartal und der Ausblick für 2013 liegen im Rahmen der Schätzungen", erklärte Equinet-Analyst Tim Schuldt. DZ Bank-Experte Michael Punzet zeigte sich hinsichtlich des Ausblicks etwas skeptisch, den er zu optimistisch fand. Beide Analysten bekräftigen aber ihre "Halten"-Empfehlungen. Der Aktienkurs stieg um 2,3 Prozent auf 44,02 Euro.

HHLA KOMMEN MIT ZAHLEN GUT AN - WACKER CHEMIE NICHT

Im MDax zogen die Aktien des Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA um 4,8 Prozent an. Börsianer zeigten sich erleichtert, obwohl das Geschäft der Hamburger 2012 wegen der Hängepartie bei er Elbvertiefung und der Flaute im wichtigen Warenverkehr mit Asien schrumpft. "Besser als erwartet", urteilten die Experten von Equinet und stuften die Aktien auf "accumlate" von "hold" herauf.

Als enttäuschend stuften die Anleger dagegen den Zwischenbericht von Wacker Chemie ein. Die Aktien rutschten um 1,3 Prozent ab. Ein Analystenkommentar drückte auch Hannover Rück um mehr als zwei Prozent ins Minus. Die Analysten der Berenberg Bank hatten die Titel auf "hold" von "buy" heruntergestufte.