Wall Street belastet Europas Börsen - Weidmann hilft Euro

Montag, 11. Februar 2013, 18:25 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Zu Wochenbeginn haben sich die Anleger mit größeren Engagements an Europas Aktienmärkten zurückgehalten.

Mit geringen Umsätzen schloss der Dax im Sog schwächerer US-Börsen 0,2 Prozent niedriger bei 7633,74 Zählern. Der Euro legte dagegen auf bis zu 1,3427 Dollar zu, nachdem Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor einem Abwertungswettlauf gewarnt hatte. Insgesamt blieb aber auch der Devisenhandel dünn.

Weidmann, der zugleich Mitglied des EZB-Rats ist, sagte am späten Montagnachmittag in einer Rede in Freiburg: "Versuchen mehr und mehr Länder, die eigene Währung zu drücken, kann dies am Ende in einen Abwertungswettlauf münden, der nur Verlierer kennen wird". Insbesondere Frankreich beklagt, dass die Euro-Stärke Nachteile für die europäische Wirtschaft habe. Finanzminister Pierre Moscovici will das Thema beim Treffen der Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende in Moskau ansprechen. Die G7-Gruppe der etablierten Industrieländer erwägt angesichts der Ängste vor einem globalen Abwertungswettlauf auch eine gemeinsame Erklärung gegen politisch gesteuerte Wechselkurse. Veröffentlicht werden könnte diese während des G20-Treffens, hieß es in G20-Kreisen.

Anleihen aus Spanien und Italien gerieten zugleich etwas unter Druck, weil Investoren fürchteten, dass die Euro-Sorgenkinder von ihrem Sparkurs abweichen könnten. Zehnjährige spanische Papiere rentierten zu Wochenbeginn bei 5,441 Prozent - nach 5,383 Prozent im Freitagsgeschäft. Ihre italienischen Pendants lagen bei 4,619 nach zuletzt 4,570 Prozent. Erst wenn der Ausgang der Wahlen in Italien klar sei und sich die politische Situation in Spanien beruhigt habe, dürfte es für die Anleihen dieser Länder wieder bergauf gehen, sagte Piet Lammens, Stratege bei KBC.

Umfragen in beiden Ländern deuten daraufhin, dass die reformwilligen Parteien an Unterstützung verlieren - wenn auch aus verschiedenen Gründen. In Italien hat die Partei des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zuletzt Boden gutmachen können - Ende Februar wird dort ein neues Parlament gewählt. In Spanien drückt der Korruptionsskandal um Ministerpräsident Mariano Rajoy die Regierungspartei in ein Umfragetief.

VERSORGER AUF ERHOLUNGSKURS, AUTOWERTE SCHLUSSLICHTER IM DAX

Im Dax fehlten wegen der Karnevalsfeiern viele Investoren, sagte ein Börsianer. Wie am deutschen Aktienmarkt lasteten zudem die Abschläge an der Wall Street auf den europäischen Indizes. Der EuroStoxx50 beendete den Tag 0,3 niedriger bei 2622 Punkten. In New York fiel der Dow Jones mit den 30 Standardwerten um 0,2 Prozent auf 13.970 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,1 Prozent auf 1516 Zähler. Der Nasdaq sank um 0,1 Prozent auf 3190 Punkte.

Kursrückgänge musste europaweit die Autowerte hinnehmen, nachdem diese in der vergangenen Woche noch zu den stärksten Gewinnern gehört hatten. Der Branchen-Index verlor 0,8 Prozent. Hierzulande fielen Daimler nach einem Vorwochenplus von 4,9 Prozent um 1,3 Prozent. BMW gaben sogar zwei Prozent nach und hielten damit im Dax die rote Laterne.

Auf der Gewinnerseite standen die Versorger E.ON und RWE, die um 3,1 und 1,7 Prozent zulegten. Beide Titel standen zuletzt regelmäßig auf den Verkaufslisten der Anleger. Merck-Aktien gehörten nach einer Kurszielerhöhung der Deutschen Bank mit einem Plus von 2,1 ebenfalls zu den größten Gewinnern.

An der Amsterdamer Börse gab der milliardenschwere Verkauf der schwedischen Supermarktkette ICA den Aktien von Ahold Auftrieb. Der Metro-Rivale will seine Beteiligung in Höhe von 60 Prozent an Hakon Invest verkaufen. Die Anteilsscheine von Ahold schlossen 3,8 Prozent im Plus, Metro-Papiere beendeten den Tag ein Prozent fester.

Um über 13 Prozent ins Minus ging es für die Aktien des dänischen Pharma-Konzerns Novo Nordisk. Die US-Gesundheitsbehörde FDA forderte weitere Informationen zu möglichen Nebenwirkungen der Insulin-Präparate Tresiba und Ryzodec an. Dadurch könnte sich die US-Zulassung der Mittel Analysten zufolge um bis zu fünf Jahre verzögern. Novo Nordisk erklärte, nach diesem Rückschlag werde es schwieriger, die langfristigen Ergebnis-Ziele zu erreichen.