Enttäuschende Bilanzen drücken Stimmung am Aktienmarkt

Dienstag, 12. Februar 2013, 11:42 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Nach einer Reihe durchwachsener Unternehmensberichte haben europäische Anleger am Dienstag einen Bogen um Aktien gemacht.

Der Start in den Tag sei nicht besonders ermutigend ausgefallen, sagte ein Händler. ThyssenKrupp macht das schwächelnde Stahlgeschäft zu schaffen, dem Navi-Spezialist TomTom die rückläufige Auto-Nachfrage. Der Dax verlor bis zum Mittag 0,3 Prozent auf 7613 Zähler, der EuroStoxx50 notierte nahezu unverändert.

Abgestraft wurde vor allem TomTom: Der niederländische Anbieter von Navigationsgeräten verbilligte sich um bis zu 10,1 Prozent auf 3,39 Euro, den tiefsten Stand seit mehr als fünf Monaten. Der um Sonderlasten bereinigte Gewinn soll sich 2013 auf 20 Cent je Aktie halbieren. Der Umsatz dürfte sich auf 900 bis 950 Millionen Euro summieren, nachdem es vergangenes Jahr 1,06 Milliarden waren.

Im Dax waren Thyssen mit einem Abschlag von 2,2 Prozent zeitweise größter Verlierer. "Für die Aktien dürfte es erst wieder bergauf gehen, wenn der Verkauf der Stahlwerke in Übersee unter Dach und Fach ist", sagte ein Börsianer. Das amerikanische Stahlgeschäft verhagelt ThyssenKrupp seit Jahren die Bilanz. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will es daher so rasch wie möglich abstoßen. Die Frist für bindende Angebote läuft am 28. Februar ab.

MICHELIN DRÜCKT CONTINENTAL

Ebenfalls schwächer notierten Continental: Den Aktien setzten mit Enttäuschung aufgenommenen Zahlen des Rivalen Michelin zu. Die Papiere des Autozulieferers, der schon im Januar seine Eckdaten für 2012 vorgelegt hatte, fielen um 1,3 Prozent. Michelin notierten 3,7 Prozent schwächer.

Auf der Gewinnerseite im Dax standen Lufthansa: Eine Kaufempfehlung der DZ Bank verhalf den Titeln zu einem Plus von 1,3 Prozent. Die jüngsten Berichte über den Fortschritt des Sanierungsprogramm "Score" seien eine gute Nachricht, weil das Programm die Gewinne in den kommenden Jahren nachhaltig steigere, schrieb DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky in einem Kommentar.

EURO KOMMT KAUM VOM FLECK

Am Devisenmarkt bewegte sich der Euro kaum. Die Gemeinschaftswährung pendelte um die Marke von 1,34 Dollar. Für Gesprächsstoff sorgten erneut die Diskussionen um die Wechselkurspolitik. "Egal, was Zentralbanker dazu sagen, alles wird überinterpretiert. Diese Hysterie dürfte mindestens zum G20-Treffen der Zentralbanker und Finanzminister am Wochenende andauern", schrieb Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar. Die sieben führenden Industrieländer (G7) bekräftigen am Dienstag, dass die Wechselkurse vom Markt bestimmt werden sollten. Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte angesichts eines kräftigen, wenn auch nur vorübergehenden, Kursanstiegs des Euro eine aktive Wechselkurspolitik im Euro-Raum gefordert.