FOKUS4-Schwache Konjunkturdaten lassen Europas Börsen einknicken

Donnerstag, 14. Februar 2013, 17:53 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Euro-Zone steckt tief in der Rezession und sorgt damit für großen Frust an den internationalen Börsenplätzen.

Die Indizes in Frankfurt, Paris, Madrid und Mailand verzeichneten am Donnerstag zum Teil deutliche Verluste. Der Euro fiel sogar auf ein Drei-Wochen-Tief von 1,3313 Dollar. Die Wirtschaft der Währungszone ist Ende 2012 so stark zurückgegangen wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor knapp vier Jahren nicht mehr. "Die Schuldenkrise bleibt die größte Belastung für die konjunkturelle Entwicklung in der Euro-Zone", urteilten die Analysten der NordLB. "Hieran ändert auch die seit einigen Monaten andauernde Beruhigung an den Finanzmärkten grundsätzlich nichts."

Die Volkswirtschaften in Deutschland und Italien waren im vierten Quartal 2012 stärker geschrumpft als von den Analysten erwartet. Insgesamt fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Euro-Zone um 0,6 Prozent. Experten hatten ein Minus von 0,4 Prozent prognostiziert.

ÜBERNAHME VON HEINZ-KETCHUP SORGT FÜR FURORE

Der Dax verlor gut ein Prozent auf 7631 Zählern. Zweitweise war er um 1,4 Prozent abgerutscht. Der Mailänder Leitindex gab ein Prozent nach, die Börse in Madrid sank um 0,7 Prozent. Auch die Wall Street notierte zu Handelsschluss in Europa im Minus. Schlagzeilen machte hier der Plan zur größten Übernahme in der Nahrungsmittelbranche überhaupt: Die Investoren Warren Buffett und 3G Capital kaufen den US-Ketchuphersteller H.J. Heinz. Insgesamt wechselt der Konzern für 28 Milliarden Dollar den Besitzer. Heinz-Papiere sprangen um rund 20 Prozent in die Höhe. Die Anteilsscheine der Beteiligungsgesellschaft von Buffett, Berkshire Hathaway, notierten ein Prozent fester. Der Deal gab auch Lebensmittelwerten wie Unilever oder Kraft Auftrieb.

Im Dax zählten Infineon mit einem Abschlag von 2,2 Prozent zu den Schlusslichtern. Die Analysten von HSBC hatten die Aktien des Chipkonzerns auf "underweight" von "neutral" heruntergestuft.

Darüber hinaus standen Werte aus der zweiten Reihe im Fokus: Größter Verlierer im MDax waren die Aktien von ProSiebenSat.1, die sich um 5,6 Prozent auf 23,82 Euro verbilligten. Börsianer begründeten das Minus mit der Platzierung der Anteile der beiden Großaktionäre KKR und Permira. Der Platzierungspreis betrug 24,60 Euro je Aktie.

ANLEGER FINDEN GEFALLEN AN UMBAUPLÄNEN DER BNP

Auf europäischer Ebene bewegten die Bilanzen zahlreicher Unternehmen die Kurse. Die Aktien des niederländischen Personalvermittlers Randstad schossen um bis zu 6,1 Prozent auf ein 19-Monats-Hoch von 31,43 Euro. Händlern zufolge waren die Quartalszahlen besser als erwartet ausgefallen. Die Titel des Schweizer Elektrokonzerns ABB rückten mit einem Plus von 5,6 Prozent ebenfalls deutlich vor: Das Unternehmen überraschte mitten in der Konjunkturkrise mit steigenden Umsätzen und Aufträgen.

Bei der französischen Großbank BNP Paribas kamen die Pläne zum Umbau des Finanzinstituts gut an. Nach einem Gewinnrückgang will BNP in den kommenden drei Jahren zwei Milliarden Euro sparen. Die Kosteneinsparungen sollten die Risiken der Konjunkturschwäche in Frankreich und Italien ausgleichen, schrieben die JP-Morgan-Analysten Delphine Lee und Kian Abouhossein in einer Kurzstudie. Die Aktien stiegen in der Spitze um 3,6 Prozent auf 47,50 Euro und waren damit einer der größten Gewinner im französischen Leitindex.