Schwache Daten trüben Stimmung an Europas Börsen

Donnerstag, 14. Februar 2013, 14:56 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Anhaltend schwache Konjunkturdaten in der Euro-Zone haben an den internationalen Börsenplätzen für Frust gesorgt.

Die Indizes in Frankfurt, Paris, Madrid oder Mailand verzeichneten am Donnerstag deutliche Verluste. Der Euro fiel sogar auf ein Drei-Wochen-Tief von 1,3313 Dollar. Im Sog eines schwächelnden Deutschlands ist die Wirtschaft in der Währungszone Ende 2012 so stark geschrumpft wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor knapp vier Jahren nicht mehr. "Die Schuldenkrise bleibt die größte Belastung für die konjunkturelle Entwicklung in der Euro-Zone", urteilten die Analysten der NordLB. "Hieran ändert auch die seit einigen Monaten andauernde Beruhigung an den Finanzmärkten grundsätzlich nichts."

Die Volkswirtschaften in Deutschland und Italien waren im vierten Quartal 2012 stärker geschrumpft als von den Analysten erwartet. Insgesamt ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Euro-Zone um 0,6 Prozent zurück. Experten hatten ein Minus von 0,4 Prozent prognostiziert.

Der Dax notierte am Nachmittag 0,7 Prozent schwächer bei 7657 Zählern. Zweitweise war er um 1,4 Prozent abgerutscht. Der Mailänder Leitindex verlor 0,8 Prozent, die Börse in Madrid 1,4 Prozent. Auch an der Wall Street zeichnete sich eine negative Eröffnung ab.

INFINEON SCHLUSSLICHT IM DAX

Zu den Dax-Schlusslichtern zählten Infineon mit einem Abschlag von gut zwei Prozent. Die Analysten von HSBC hatten die Aktien des Chipkonzerns auf "underweight" von "neutral" heruntergestuft.

Ansonsten standen in Frankfurt Werte aus der zweiten Reihe im Fokus: Größter Verlierer im MDax waren die Aktien von ProSiebenSat.1, die sich um 4,8 Prozent auf 24,01 Euro verbilligten. Börsianer begründeten das Minus mit der Platzierung der Anteile der beiden Großaktionäre KKR und Permira. Der Platzierungspreis betrug 24,60 Euro je Aktie. Längerfristig zeigten sich Börsianer aber zuversichtlich für die Kursentwicklung. Die Vorzugsaktien sind nun vollständig in Streubesitz. Auf der Hauptversammlung im Juli könnte zudem eine Zusammenlegung der Vorzüge mit den Stammaktien - sie sind derzeit noch nicht an der Börse - beschlossen werden.

RANDSTAD UND ABB NACH ZAHLEN GEFRAGT

Auf europäischer Ebene bewegten die Bilanzen zahlreicher Unternehmen die Kurse. Die Aktien des niederländischen Personalvermittlers Randstad schossen um bis zu 4,9 Prozent auf ein 19-Monats-Hoch von 31,09 Euro. Händlern zufolge waren die Quartalszahlen besser als erwartet ausgefallen. Die Titel des Schweizer Elektrokonzerns ABB rückten mit einem Plus von 5,3 Prozent ebenfalls deutlich vor: Das Unternehmen überraschte mitten in der Konjunkturkrise mit steigenden Umsätzen und Aufträgen.

Bei der französischen Großbank BNP Paribas kamen die Pläne zum Umbau des Finanzinstituts gut an. Nach einem Gewinnrückgang will BNP in den kommenden drei Jahren zwei Milliarden Euro sparen. Die Kosteneinsparungen sollten die Risiken der Konjunkturschwäche in Frankreich und Italien ausgleichen, schrieben die JP-Morgan-Analysten Delphine Lee und Kian Abouhossein in einer Kurzstudie. Die Aktien stiegen in der Spitze um 3,6 Prozent auf 47,50 Euro und waren damit einer der größten Gewinner im französischen Leitindex.