Dax strampelt sich ins Plus - Abwertung bleibt Thema

Freitag, 15. Februar 2013, 12:12 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Angst vor einer anhaltenden Wirtschaftsflaute in Europa und vor einem globalen Währungskrieg haben die Finanzmärkte zum Wochenausklang in Schach gehalten.

Die großen europäischen Aktienindizes schafften es bis zum Mittag knapp ins Plus, der Euro gab nach, und die als sicher geltenden Bundesanleihen waren gefragt.

"Die Rezessionsdaten der Euro-Zone von gestern waren schon ein ordentlicher Schreck, die hallen nach", sagte ein Händler. "Die Abwertungsdebatte beim G20-Treffen ist zwar hauptsächlich ein Thema für den Devisenmarkt, aber wenn der Euro inzwischen rund 15 US-Cent teurer ist als noch im Sommer, dann wird das für unsere Exporteure irgendwann auch ein Thema." Zur Unterstützung seiner exportabhängigen Wirtschaft forciert Japan derzeit eine Abwertung seiner Währung und hat damit eine internationale Debatte ausgelöst.

Der Dax lag am Mittag nahezu unverändert bei 7634 Zählern. Der EuroStoxx50 lag 0,1 Prozent höher bei 2637 Punkten.

Etwas Rückenwind erhielten die großen Indizes von einigen Bilanzen: Hierzulande schaffte es die Commerzbank, mit ihren Aussagen zu 2013 etwas Zuversicht zu verbreiten. Händler in London begründeten das 3,3-prozentige Plus der Papiere mit Aussagen von Finanzvorstand Stephan Engels, die Eigenkapitalquote werde 2013 "komfortabel über neun Prozent" liegen. Die vorgelegten Geschäftszahlen vermochten keine Begeisterung auszulösen. "Allerdings erwartet auch niemand berauschende Zahlen von der Coba", sagte Robert Halver, der bei der Baader Bank die Kapitalmarktanalyse leitet. "Hier heißt es eher 'Zeig mir deine Vision für die Zukunft'".

In Paris honorierten Anleger gut laufende Geschäfte des Luxuskonzerns PPR mit einem Kursplus von 6,7 Prozent. Die Töchter Gucci und Bottega Veneta machten dabei einen Gewinneinbruch von Puma mehr als wett. Die Aktien der Herzogenauracher PPR-Beteiligung fielen im MDax um knapp drei Prozent. In Mailand erfreute unterdessen der Ölkonzern Eni seine Anleger mit einer optimistischen Prognose. Der Konzern hofft auf sprudelnde Geschäfte durch den Förderungsbeginn auf einem neuen Feld in Kasachstan. Die Aktien zogen um 2,8 Prozent an.

ABWERTUNGSDEBATTE HÄLT INVESTOREN IN ATEM

Am Devisenmarkt war das Treffen der Regierungs- und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer am frühen Abend in Moskau Hauptgesprächsthema. Für Investoren interessant ist vor allem die Diskussion um die politisch forcierte Abwertung der japanischen Währung. Aber auch die USA stehen im Kreuzfeuer der Kritik. "Man kann schon darüber debattieren, wer das Feuer eigentlich gelegt hat", sagte William De Vijlder, der die Finanzanlagen von BNP Paribas Investment Partners verantwortet. "Der eine sagt, die Japaner seien richtig aggressiv geworden, aber dann hält ihm jemand anderes entgegen, was denn die USA gemacht hätten, und wie es denn bei den Briten stehe. Und so setzt sich das Spiel fort."

Der Euro verlor 0,2 Prozent an Wert und notierte um 1,3335 Dollar. Zum Yen verbilligte er sich sogar um 0,6 Prozent. Die japanische Währung zog auch zum Greenback an, der um 0,4 Prozent nachgab.

FURCHT VOR "SCHRECKGESPENST BERLUSCONI"

Zunehmend rückte zudem die Ende des Monats anstehende Parlamentswahl in Italien in den Fokus. Der als sicherer Hafen geltende Bund-Future zog deshalb um bis zu 42 Ticks auf 143,01 Zähler an. Italienische Zehnjährige wurden dagegen verkauft. "Die große Angst ist, dass das Schreckgespenst Berlusconi wiederkommt", sagte Halver von der Baader Bank. Silvio Berlusconi, der viele Reformen zurückdrehen will, hat in jüngsten Meinungsumfragen an Zustimmung gewonnen. Der Mailänder Aktienindex ist angesichts des ungewissen Wahlausgangs seit Ende Januar um 5,5 Prozent gefallen. Am Freitag notierte er - gestützt durch das Plus bei den Eni-Aktien - 0,1 Prozent höher bei 16564 Zählern.