G20-Kompromiss lässt Europa-Anleger kalt

Montag, 18. Februar 2013, 11:46 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Beschwichtigungsversuche der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in der Wechselkursdebatte haben den europäischen Börsen am Montag kaum geholfen.

Anleger richteten ihre Aufmerksamkeit vielmehr auf die heimischen Sorgenkinder Italien und Spanien. Der Dax notierte kaum verändert bei 7605 Punkten. Der EuroStoxx50 verlor 0,4 Prozent auf 2604 Zähler. Parallel dazu gaben der spanische Ibex und der Leitindex der Mailänder Börse 1,1 beziehungsweise 0,7 Prozent nach.

In Asien hatten Investoren aus Erleichterung darüber, dass Japan wegen seiner ultra-lockeren Geldpolitik von den G20-Staaten nicht an den Pranger gestellt wurde, den Tokioter Nikkei-Index 2,1 Prozent in die Höhe getrieben. Der Yen nahm unterdessen Kurs auf ein neues Drei-Jahres-Tief. Ein Dollar verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 94,01 Yen. Der Euro kostete mit 1,3356 Dollar dagegen ungefähr so viel wie zum New Yorker Freitagsschluss.

"Wie zu erwarten war, gab es keine Entschließung der G20, die in Richtung einer nennenswerten internationalen Politikkoordination zielen würde", sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Aber wie immer bei solchen Ereignissen waren alle Beteiligten groß darin, das Nicht-Ergebnis medienwirksam aufzubauschen." Die G20 hatten sich in ihrer Abschluss-Erklärung überraschend klar gegen Wechselkursziele ausgesprochen und damit die Debatte um einen Abwertungswettlauf im Keim zu ersticken versucht.

Japan ist in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil die Notenbank des Landes die Geldschleusen bis zum Anschlag öffnen will. Damit sollen milliardenschwere Konjunkturprogramme finanziert und der Wechselkurs des Yen gedrückt werden. Letzteres macht die Produkte der exportabhängigen japanischen Unternehmen international wettbewerbsfähiger.

MÖGLICHES BERLUSCONI-COMEBACK MACHT ANLEGER UNRUHIG

Für Unruhe unter den Europa-Investoren sorgte unter anderem die bevorstehende Parlamentswahl in Italien. Den Analysten der Credit Agricole zufolge ist ein politisches Patt im dortigen Parlament möglich, im Oberhaus sogar sehr wahrscheinlich. Darüber hinaus fürchten viele Börsianer ein Comeback des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, weil dies aus ihrer Sicht Rückschritte bei der Sanierung der Staatsfinanzen zur Folge hätte.

Daher trennten sich einige von ihren italienischen Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Titel stieg daraufhin auf 4,448 Prozent von 4,373 Prozent am Freitag. Ihre spanischen Pendants standen ebenfalls unter Verkaufsdruck. Hier zogen die Renditen auf 5,275 von 5,198 Prozent an. Die geplanten milliardenschweren Einsparungen in Spanien könnten voraussichtlich nicht rechtzeitig umgesetzt werden, um sich bereits im Haushalt für 2013 positiv bemerkbar zu machen, schrieben die Analysten der Royal Bank of Scotland (RBS) in einem Kommentar.

Auf ihrer Suche nach einem "sicheren Hafen" nahmen einige Anleger Kurs auf Bundesanleihen. Der Bund-Future legte 44 Ticks auf 142,78 Punkte zu. Gold verteuerte sich um 0,1 Prozent auf 1610,40 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).   Fortsetzung...