Dax-Anleger vorsichtig - Lufthansa-Aktien im Sinkflug

Mittwoch, 20. Februar 2013, 11:14 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Nach den starken Kursgewinnen vom Vortag wollen sich Europas Aktienanleger am Mittwochmorgen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Zwar zog der Dax leicht um 0,3 Prozent auf 7774 Zähler an. Doch die meisten europäischen Indizes und der EuroStoxx notierten kaum verändert. Viele Anleger hielten sich Börsianern zufolge zurück, da sie die Parlamentswahlen in Italien am Sonntag und Montag abwarten wollten. Erst wenn der Reformkurs überzeugend bestätigt werde, könnte es mit den Aktien noch weiter nach oben gehen. Allerdings werde die Luft allmählich dünner. "Die Aktienmärkte preisen schon eine deutliche Erholung der Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2013 ein - dabei ist es erst Februar", warnte ein Börsianer.

Mit Enttäuschung reagierten die Anleger auf die Dividendenstreichung der Lufthansa. Die Aktien von Deutschlands größter Fluggesellschaft verbilligten sich um bis zu 5,7 Prozent auf 15,07 Euro. Händler und Analysten sprachen von einer "bösen Überraschung". Die Analysten der DZ Bank und von Equinet bekräftigten aber ihre Kaufempfehlungen. Lufthansa sei mit den Restrukturierungen auf dem richtigen Weg, erklärte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. Analyst Robert Czerwensky von der DZ Bank hält die Wachstumsstory für die Aktionäre nach dem Dividendenabschlag für intakt. Dennoch machten viele Anleger Kasse: Denn die Lufthansa-Aktien waren seit Jahresbeginn um mehr als zwölf Prozent gestiegen, während der Dax nur zwei Prozent zulegen konnte.

Wenig Interesse zeigten die Anleger an der Deutschen Börse, deren Aktien kaum verändert notierten. Dem Frankfurter Börsenbetreiber macht die Flaute an den Finanzmärkten zwar zu schaffen. Aber damit habe der Markt schon gerechnet, sagten Händler.

Besonders gesucht waren im Dax HeidelbergCement, die um zwei Prozent auf 51,38 Euro stiegen. Zum einen wirkte sich eine Kursziel-Anhebung der Citigroup positiv aus. Zum anderen animierte der Zwischenbericht des weltgrößten Zementherstellers Lafarge die Anleger zum Kauf. Die Franzosen rechnen für das laufende Jahr mit einem Marktwachstum von einem bis vier Prozent, wovon auch die Konkurrenz profitieren dürfte. Die in Paris gelisteten Lafarge-Aktien verteuerten sich um sechs Prozent.

KABEL DEUTSCHLAND PROFITIEREN WEITER VON ÜBERNAHMEFANTASIE

Besonders gefragt blieben aber die Werte aus der zweiten oder dritten Reihe. Der MDax setzte seinen Rekordlauf fort und kletterte um 0,8 Prozent auf 13.263 Punkte. Der TecDax legte um 0,7 Prozent auf 911,71 Punkte zu und notierte damit so hoch wie seit Anfang Juli 2011 nicht mehr.

Bei den mittelschweren Aktien zählten Kabel Deutschland mit einem Plus von 2,8 Prozent auf 89,98 Euro zu den größten Gewinnern. Die Anhebung der Dividende sei eine positive Überraschung, stellte DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger fest. "Die Zahlen haben derzeit kaum Bedeutung. Alle konzentrieren sich auf eine mögliche Übernahme durch Vodafone", erklärte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland-Research. Dazu schwieg sich das Unternehmen am Mittwoch aber aus. Laut Insidern will Vodafone für Kabel Deutschland ein Angebot vorlegen.

Angesichts des geplanten Verkaufs von Geschäftsteilen durch die Tochter Leighton zogen die Aktien von Hochtief um 2,7 Prozent auf ein Zwölf-Monats-Hoch von 54,98 Euro an. Ein erfolgreicher Deal könnte Leighton einen substanziellen Einmal-Ertrag bringen, erklärte DZ Bank-Analyst Marc Nettelbeck. Die Aktien von Leighton stiegen in Sydney um 3,6 Prozent.

Im TecDax zählten nach einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank die Aktien von SMA Solar zu den größten Gewinnern. Die Aktien von Dialog Semiconductor hielten dagegen mit einem Abschlag von rund zwei Prozent die rote Laterne. Der Chipentwickler sieht noch kein Ende des Smartphone-Booms, erwartet für das erste Quartal 2013 aber ein nur verhaltenes Wachstum.