Risiko-Appetit treibt Schweizer Börse an

Freitag, 22. Februar 2013, 18:10 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Neue Zuversicht hat die Anleger am Freitag nach Schweizer Aktien greifen lassen.

Händler erklärten, die am Donnerstag herrschende Verunsicherung sei in den Hintergrund getreten und habe einem zunehmendem Risiko-Appetit Platz gemacht. Die überraschend positive Stimmung der deutschen Unternehmen verlieh der Einschätzung Rückenwind, dass sich die weltweite Konjunktur erhole. Gesucht waren entsprechend vor allem zyklische Werte. Ein Aktienstratege erklärte zudem, angesichts der tiefen Renditen an den Obligationenmärkten gebe es wenig Anlagealternativen zu Aktien.

Der Standardwerteindex SMI schloss 0,7 Prozent fester auf 7554 Zähler und vergrösserte so den Abstand zu der wichtigen Unterstützungslinie bei 7500 Zählern. Ob der Index damit endgültig den Weg aus dem Unterstützungsband gefunden hat, das Analysten bei 7500/7530 ansiedeln, blieb nach Ansicht von Händlern zunächst offen. Am Donnerstag war der SMI wegen Befürchtungen, die US-Notenbank Fed könnte ihre ultra-lockere Geldpolitik bald beenden, 1,6 Prozent abgesackt. Der breite SPI rückte am Freitag 0,6 Prozent auf 6947 Punkte vor.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellte sich im Februar den vierten Monat in Folge auf: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 107,4 Punkte und damit stärker als von Experten vorhergesagt. Die überzeugenden Konjunkturdaten drängten Bedenken in Zusammenhang mit den bevorstehenden Parlamentswahlen in Italien in den Hintergrund. Investoren fürchten, dass das hoch verschuldete südeuropäische Land im Falle eines Wahlsiegs von Silvio Berlusconi von seinem Sparkurs abrücken und sich die Euro-Krise damit wieder verschärfen könnte. Der umstrittene Politiker hat bereits angekündigt, unter dem scheidenden Ministerpräsidenten Mario Monti eingeführte Reformen rückgängig machen zu wollen.

Im Gleichschritt mit anderen europäischen Handelsplätzen waren am Freitag auch an der Schweizer Börse vor allem Aktien von konjunkturempfindlichen Unternehmen gesucht. Die Titel Personaldienstleisters Adecco und der Bauzulieferer Holcim und Geberit waren jeweils gut ein Prozent fester. Mit einem Plus von 1,6 Prozent waren die Aktien des Warenprüfkonzerns SGS Spitzenreiter im SMI.

Die Roche-Genussscheine rückten 1,5 Prozent vor. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat das Medikament Kadcyla zur Behandlung von Patientinnen mit einer Form von fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen. Die Titel des Rivalen Novartis legten lediglich 0,5 Prozent zu. Die Aktionäre des Pharmakonzerns sprachen sich auf der Generalversammlung für ein neues Vergütungssystem für die Geschäftsleitung aus. Mit Glanzresultaten von jeweils rund 98 Prozent Ja-Stimmen wurden zudem vier neue Verwaltungsratsmitglieder gewählt, darunter Präsident Jörg Reinhardt. Der scheidende Präsident Daniel Vasella hatte zuvor eingeräumt, dass das Aushandeln einer Abgangszahlung von 72 Millionen Franken ein Fehler gewesen sei.

Actelion gewann 1,2 Prozent auf 48,14 Franken an Wert. Die US-Investmentbank JP Morgan erhöhte das Kursziel für die Biotechnologiefirma auf 52 Franken von 49 Franken. Die Titel des Zahnimplantateherstellers Straumann stiegen 4,3 Prozent auf 130,80 Franken. Auch da gab es nach dem am Vortag veröffentlichten Jahresabschluss Kurszielanpassungen nach oben, unter anderem von Credit Suisse und Barclays.

Die Banken tendierten mehrheitlich fester. Die Aktien von Julius Bär stiegen ein Prozent. Credit Suisse gewannen 0,4 Prozent. UBS gingen unverändert aus dem Handel.

Verlierer unter den Schweizer Blue chips waren die Luxusgüterwerte Swatch und Richemont, die jeweils gut ein Prozent nachgaben. Leichte Verluste verzeichneten die Aktien des Ölbohrplattform-Betreibers Transocean und des Agrochemiekonzerns Syngenta.