Hoffnung auf Linken-Wahlsieg in Italien treibt Märkte

Montag, 25. Februar 2013, 17:03 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der sich abzeichnende Wahlsieg des reformorientierten Mitte-Links-Bündnisses in Italien hat an den Finanzmärkten zu Wochenbeginn Jubelstimmung ausgelöst.

Dax und Euro gingen am Montag kräftig nach oben, der italienische Leitindex legte um 3,4 Prozent zu. Vor allem das offenbar gescheiterte Comeback von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi in die Regierung wurde mit Erleichterung aufgenommen. "Das Horrorszenario einer Rückkehr von Berlusconi in das Amt des Ministerpräsidenten tritt nicht ein", fasste es Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer zusammen.

Auch Helaba-Analyst Ralf Umlauf hob hervor, dass Berlusconi wohl keine Verhinderungspolitik betreiben könne und die Reformen nicht zurückgenommen würden. "Das ist für die Märkte eine positive Nachricht."

Ersten Prognose zufolge kommt das Bündnis der linken Mitte unter Spitzenkandidat Pier Luigi Bersani im Abgeordnetenhaus auf 34,5 Prozent der Stimmen. Die Partei des bisherigen Ministerpräsidenten Mario Monti erreichte 9,5 Prozent, das Lager von Berlusconi 29 Prozent. Ähnlich sah es in der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, aus. In der Schlüsselregion Lombardei mit der Wirtschaftsmetropole Mailand lagen Bersani und Berlusconi Kopf an Kopf. Die Aussicht auf einen möglichen Wahlsieg Berlusconis hatte an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen für Nervosität gesorgt.

BÖRSEN WOLLEN KEINE RÜCKKEHR BERLUSCONIS AN DIE MACHT

In der Hoffnung auf stabile politische Verhältnisse und eine Fortsetzung des Reformkurses hatten die Märkte bereits vor Bekanntgabe der Prognosen deutlich zugelegt. Der Dax notierte am Nachmittag mit 7840 Punkten 2,3 Prozent höher. Der EuroStoxx50 gewann 2,5 Prozent auf 2695 Zähler. Der Banken-Index der Euro-Zone gewann 4,2 Prozent. Im deutschen Leitindex standen die Titel der Commerzbank und Deutschen Bank mit Aufschlägen von 5,4 und 4,6 Prozent an der Spitze.

An der Wall Street stieg der Dow Jones mit den 30 Standardwerten 0,4 Prozent auf 14.049 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 rückte 0,5 Prozent auf 1522 Zähler vor. Der Nasdaq kletterte um 0,6 Prozent auf 3179 Punkte.

Der Euro lag mit rund 1,33 Dollar rund einen US-Cent höher als am Freitagabend.

Die zehnjährigen Staatsanleihen Italiens stiegen um 1,65 Punkte auf 110,21 Zähler, so dass die Rendite auf 4,25 Prozent fiel. Am Freitagabend hatte sie noch bei 4,45 Prozent gelegen. Der Anleihe-Future weitete seine Gewinne auf 113,81 Zähler aus. "Wir müssen natürlich noch auf die Bestätigung warten, aber der Markt ist erleichtert, dass Berlusconi keine aktive Rolle in der Regierung spielen wird", sagte Commerzbank-Zinsstratege Michael Leister. "Außerdem könnte Bersani mit Monti eine Regierung bilden. Sie bekommen einige Extra-Sitze und könnten damit einer stabilen Mehrheit nahekommen."   Fortsetzung...

 
The German share price index DAX board is pictured at the German stock exchange in Frankfurt February 25, 2013. REUTERS/Lisi Niesner