Finanzinvestoren fassen nach Krisenjahren wieder Mut

Montag, 25. Februar 2013, 14:51 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Nach jahrelanger Krise schöpfen die Finanzinvestoren in Deutschland wieder Hoffnung.

"Wir haben die Talsohle durchschritten", sagte Ralf Huep, Top-Manager der Beteiligungsfirma Advent International, am Montag zum Auftakt der jährlichen Branchenmesse mit dem vielversprechenden Namen "SuperReturn" (Super Rendite) in Berlin. Rund 60 Prozent der Private-Equity-Häuser erwarten in diesem Jahr ein steigendes Volumen an Firmenkäufen hierzulande, wie eine Umfrage des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften zeigt. Ein wesentlicher Grund für den Optimismus sind die verbesserten Finanzierungsbedingungen. "Banken sind wieder vermehrt bereit, Kredite zur Verfügung zu stellen", konstatiert BVK-Präsident Matthias Kues. "Es wird auch wieder mehr große Übernahmen in Deutschland geben." Im vergangenen Jahr gab es nur wenige Milliardendeals, wie die Übernahme des Handelskonzerns Douglas durch Advent.

Zu den größten Kaufobjekten auf dem deutschen Markt gehört derzeit der Energiedienstleister Ista, für den sich die Finanzinvestoren Charterhouse und CVC bis zu drei Milliarden Euro erhoffen. Große Private-Equity-Häuser dürften angesichts der stabilen Einnahmen von Ista auf der Käuferseite Schlange stehen.

Insgesamt investierten Beteiligungsfirmen 2012 nach BVK-Zahlen 5,8 Milliarden Euro in Deutschland, sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Der größte Teil des Geldes fließt hierzulande traditionell in mittelständische Unternehmen, weshalb die Zahlen immer kleiner ausfallen als etwa in Großbritannien oder gar in den USA. "2013 wird ein attraktiveres Jahr für Deals", sagt Jörg Rockenhäuser, Partner beim Investor Permira, der unter anderem an Hugo Boss beteiligt ist. Er rechnet mit bis zu 7,5 Milliarden Euro an Private-Equity-Investitionen hierzulande. Sein Kollege Daniel Flaig von Capvis Equity Partners hält sogar eine Milliarde Euro mehr für möglich. "Kredite sind zwar teuer, aber verfügbar", erklärt er seine Zuversicht. Capvis hatte 2012 unter anderem den schwäbischen Besteck-Hersteller WMF verkauft an den US-Investor KKR.

PRIVATE-EQUITY-HÄUSER REICHEN FIRMEN UNTEREINANDER WEITER

Solche Weiterverkäufe von Firmenjäger an Firmenjäger sind derzeit weit verbreitet. Fast drei Viertel der rund 120 vom BVK befragten Private-Equity-Häuser rechnet in diesem Jahr vor allem mit solchen Secondaries. Kues sieht das kritisch. "Die Branche kann ihr Geschäftsmodell perspektivisch nicht darauf bauen, dass immer ein Beteiligungshaus auf das nächste folgt", sagt er. Es sei entscheidend, dass Finanzinvestoren auch wieder den Mut aufbrächten und zum ersten Mal ein Unternehmen kaufen. "Ein Markt, der sich nur aus Weiterverkäufen von einem Finanzinvestor zum nächsten speist, ist kein gesunder Markt", sagt auch Claus Felder, Deutschland-Chef des Investors Doughty Hanson.

In den vergangenen Jahren waren die Investoren vielerorts von der Bildfläche verschwunden. Banken stellten kaum mehr Kredite zur Verfügung - dem Schmiermittel für die Übernahmen durch Private-Equity-Häuser. Seit einigen Monaten sind die Geldhäuser aber wieder kreditfreudiger, auch in Europa. In den USA stemmen die Finanzinvestoren schon länger wieder Deals wie zu Boomzeiten 2006/2007. So kauften der Investor Warren Buffett und das Private-Equity-Haus 3G gerade den Ketchup-Produzenten H.J. Heinz für 28 Milliarden Dollar.

Davon ist Deutschland weit entfernt, da der Fokus der Finanzinvestoren mehr auf mittelständischen Firmen liegt. Nach Worten von Detlef Dinsel vom Private-Equity-Haus IK Investment Partners sind derzeit drei Prozent dieser Unternehmen in Deutschland von Beteiligungsfirmen finanziert. In den nächsten Jahren rechnet er mit einer Verdopplung dieses Anteils. Deutschland profitiert dabei davon, dass das Land in der Euro-Schuldenkrise als sicherer Anlagehafen angesehen wird und vor allem viele Mittelständler als "heimliche Champions" in ihren jeweiligen Branchen gelten. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers nennen sechs von zehn Private-Equity-Häusern in Europa Deutschland als bevorzugtes Zielland. Für die nächsten Jahre gilt unter den knapp 170 befragten Finanzinvestoren kein anderes Land als attraktiver. Advent-Manager Huep warnt aber vor verfrühtem Optimismus: "Ich sage seit vier Jahren, dass Deutschland als Private-Equity-Markt zurückkommt - bislang lässt das noch auf sich warten, aber die Geduld könnte sich am Ende auszahlen."

- von Philipp Halstrick