Unklare Machtverhältnisse in Rom - Börsen auf Talfahrt

Dienstag, 26. Februar 2013, 18:18 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Finanzmärkte fürchten wegen der unklaren Machtverhältnisse in Rom ein Wiederaufflammen der Euro-Schuldenkrise.

Da sich nach den Wahlen in Italien ein politisches Patt im Parlament abzeichnete, warfen Anleger vor allem Aktien und Anleihen des krisengeschüttelten Landes aus ihren Depots. In deren Sog rauschten auch spanische Wertpapiere in die Tiefe. In Frankfurt schloss der Dax 2,3 Prozent im Minus bei 7597,11 Zählern. Der Euro kostete mit 1,3067 Dollar rund zwei US-Cent weniger als zum EZB-Fixing am frühen Montagnachmittag.

Vor allem die Sorge, dass Italien von seinem unter dem bisherigen Ministerpräsidenten Mario Monti eingeschlagenen Sparkurs abweichen könnte, belastete die Märkte. "Wir stehen vor einem Patt mit allen Folgen für die Politik und die Reform-Fortschritte", sagte Commerzbank-Zinsstratege Michael Leister. "Die Italiener haben klargemacht, dass sie keine Befürworter der Sparmaßnahmen und Struktur-Reformen sind, die für Italien mittelfristig notwendig sind."

Das reformorientierte Mitte-Links-Bündnis von Pier Luigi Bersani eroberte zwar mit hauchdünner Mehrheit das italienische Abgeordnetenhaus. Dagegen erreichte keines der Parteienbündnisse im Senat die erforderliche Mehrheit von 158 Sitzen. Für die Gesetzgebung ist jede Regierung auf die Zustimmung der zweiten Kammer angewiesen. "Der Sieger heißt: Unregierbarkeit", titelte deshalb die römische Tageszeitung "Messaggero" am Morgen nach der Wahl.

AKTIENMÄRKTE AUF TALFAHRT - ENDE NICHT IN SICHT

Vor diesem Hintergrund verlor der Leitindex der Mailänder Aktienbörse 4,9 Prozent und schloss bei 15.552 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit zweieinhalb Monaten. Parallel dazu brach der Terminkontrakt auf die italienischen Staatsanleihen in der Spitze um gut vier Prozent auf 107,89 Zähler ein. Das ist einer der größten Tagesverluste seiner Geschichte. Im Gegenzug stieg die Rendite für die zehnjährigen Bonds auf 4,9 Prozent von 4,371 Prozent am Vortag.

Italien riss die Börsen des ebenfalls hoch verschuldeten Spanien mit in die Tiefe. Der Leitindex Ibex verlor 3,2 Prozent und die Rendite der zehnjährigen Anleihen stieg auf 5,383 von 5,13 Prozent. Der EuroStoxx50 beendete den Tag mit einem Abschlag von 3,1 Prozent bei 2570 Punkten. Ein Ende der Talfahrt sei auch für die kommenden Wochen und Monate nicht in Sicht, sagte Derivatehändler Mike Turner von XBZ. Nach Daten der Derivatebörse Eurex deckten sich Anleger mit Put-Optionsscheinen auf den EuroStoxx50 ein, mit denen sie auf weiter fallende Kurse wetteten.

Europaweit waren die Finanzwerte, die üblicherweise besonders sensibel auf alle Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren, die größten Verlierer. Der Index für die Banken der Euro-Zone rutschte um 5,2 Prozent ab. Zu den Schlusslichtern zählten hier die italienische Bank Intesa Sanpaolo, deren Aktien um bis zu 12,2 Prozent einbrachen. Daraufhin verbot die italienische Börsenaufsicht bis einschließlich Mittwoch sogenannte Leerverkäufe von Intesa-Aktien. Dabei handelt es sich um Wetten auf einen weiteren Kursverlust. Als größter Verlierer im Bankenindex gingen die Aktien der Banco Popolare mit minus 10,5 Prozent aus dem Handel.

Auf ihrer Suche nach einem "sicheren Hafen" nahmen Anleger unter anderem Kurs auf Bundesanleihen. Der Bund-Future legte um 150 Ticks auf 145,02 Zähler zu.   Fortsetzung...

 
A trader looks at a TV screen showing news on Italy's 5-Star Movement leader and comedian Beppe Grillo, in front of the German share price index DAX board at the German stock exchange in Frankfurt February 26, 2013. REUTERS/Lisi Niesner