Europäische Börsen stabilisieren sich zu Handelsbeginn

Mittwoch, 27. Februar 2013, 10:23 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die europäischen Börsen haben sich am Mittwoch zu Handelsbeginn leicht stabilisiert.

Von einer wirklichen Beruhigung wollten Händler aber nichts wissen. "Das italienische Problem bleibt ja erst einmal", erklärte ein Börsianer. Die unklaren Mehrheitsverhältnisse im italienischen Parlament und die Warnung der US-Ratingagentur Moody's vor einer möglichen Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes dürften den Appetit der Anleger auf italienische Bonds und Aktien zügeln.

Dax & Co machten nur einen sehr kleinen Teil der Vortagesverluste gut: Der deutsche Leitindex notierte mit rund 7600 Punkten kaum verändert. Sein italienisches Pendant zog um 0,1 Prozent an. Er war am Dienstag um fast fünf Prozent abgestürzt, der Dax hatte 2,3 Prozent verloren. Der Euro, der im Sog der italienischen Wahlen seit Montag rund zwei US-Cent eingebüßt hatte, notierte mit 1,3070 Dollar relativ stabil. Die Kurse der italienischen Anleihen erholten sich ebenfalls kaum von den starken Verlusten des Vortages.

Auch gute US-Konjunkturdaten und die Verteidigung der Null-Zins-Politik durch Fed-Chef Ben Bernanke am Dienstagabend konnten die Anleger in Europa - anders als die US-Investoren am Vorabend in New York - nicht von der italienischen Misere ablenken. Die Märkte werden unter Druck bleiben, solange die Politiker in Rom sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen könnten, sagte ein Händler in Mailand. Die unsicheren politischen Perspektiven dürften einen Belastungsfaktor für die italienische Wirtschaft in den kommenden Wochen darstellen, warnte Kapitalmarktanalyst Stefan Scheurer von Allianz Global Investors. "Weiter steigende Risikoprämien und ein sinkendes Wirtschaftsvertrauen - nicht nur in Italien - wären die Folge", erklärte Scheurer. Schon am Dienstag waren die Renditen der spanischen Anleihen zusammen mit den italienischen Renditen gestiegen. Am Mittwoch gaben die Renditen der Anleihen beider Länder leicht nach.

Sollte Moody's tatsächlich die Kreditwürdigkeit Italiens herunterstufen, würden sich die Kosten für die Refinanzierung der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone an den Kapitalmärkten noch weiter erhöhen. Schon am Mittwoch dürfte Italien bei der Begebung neuer zehnjähriger Anleihen von den Anlegern stärker zur Kasse gebeten werden. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen sind am Sekundärmarkt in dieser Woche schon um rund 40 Basispunkte auf fast 4,9 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Deutschland zahlt bei vergleichbaren Bundesanleihen nur eine Rendite von rund 1,5 Prozent.

AUCH BANKENWERTE HOLEN KAUM AUF

Die am Vortag arg gebeutelten Aktien der europäischen Banken machten zunächst kaum Boden gut. Deutsche Bank notierten kaum verändert, Commerzbank zogen um 0,3 Prozent an. Der Stoxx-Banken-Branchen-Index stieg um bescheidene 0,5 Prozent.

In Frankfurt standen unter den Unternehmen die im MDax gelisteten Aktien von Kabel Deutschland mit einem Abschlag von fünf Prozent im Fokus. Händler begründeten die Verluste mit einem möglichen Aus für die geplante Übernahme durch Vodafone. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur "Bloomberg" haben die Briten ihre Übernahmepläne auf Eis gelegt. In Paris sorgten EAD für Furore: Die Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzern zogen nach der Vorlage von Geschäftszahlen um 5,7 Prozent an. Im SDax fielen die Aktien von Air Berlin dagegen um 3,7 Prozent. Die Fluggesellschaft kündigte eine Wandelschuldverschreibung über 120 Millionen Euro an.