Fed-Aussagen stützen Börsen - US-Etatstreit bremst

Donnerstag, 28. Februar 2013, 17:59 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das Bekenntnis des US-Notenbankchefs Ben Bernanke zu weiteren Konjunkturhilfen der Fed hat die internationalen Börsen am Donnerstag gestützt.

In der Hoffnung auf eine anhaltende Erholung der Weltwirtschaft griffen sie vor allem bei europäischen Aktien zu. Die schwierige Regierungsbildung im Krisenland Italien bremste den Anstieg allerdings. An der Wall Street sorgten die drohenden Haushaltskürzungen für Kaufzurückhaltung.

"Es ist beruhigend, dass die Fed das 'Quantitative Easing' auf absehbare Zeit nicht zurückfahren wird", sagte Joe Rundle, Chef-Händler des Brokerhauses ETX Capital. Von "Quantitative Easing" sprechen Börsianer, wenn Zentralbanken die Notenpresse anwerfen, um mit dem zusätzlichen Geld der Konjunktur unter die Arme zu greifen. Bernanke hat in einer Anhörung vor dem US-Kongress die ultra-lockere Geldpolitik seines Hauses verteidigt und damit vorangegangene Spekulationen zerstreut, denen zufolge die Fed früher als bislang gedacht ihre Anleihe-Käufe zurückfahren oder sogar ganz aufgeben könnte.

DAX SETZT ERHOLUNGSKURS FORT - DOW TRITT AUF DER STELLE

Vor diesem Hintergrund legten Dax und EuroStoxx50 jeweils ein knappes Prozent auf 7741,70 beziehungsweise 2636,52 Punkte zu. Die Aussicht auf billiges Notenbank-Geld gab auch dem Ölpreis Auftrieb. Die richtungsweisende Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 112,24 Dollar je Barrel (159 Liter).

Der Euro verbilligte sich dagegen auf 1,3077 Dollar, nach 1,3134 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. In kommenden Wochen werde die instabile politische Lage in Italien für einige Verunsicherung an den Finanzmärkten sorgen, warnte Chris Turner, Chef-Devisenstratege der ING. "Es wird eine Menge politischer Kuhhandel bis zum 15. März geben, wenn sich das Parlament konstituiert." Der Bund-Future behauptete seine Kursgewinne der vergangenen Tage und notierte kaum verändert bei 145,03 Punkten.

An den US-Börsen notierten Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 mit 14.093, 3172 und 1520 Zählern jeweils nahe ihren jeweiligen Schlusskursen des Vortages. Hier drückten die drohenden Haushaltskürzungen auf die Stimmung, sagte Analyst Joe Manimbo von Western Union Business Solutions. "Viele Anleger haben sich an die Hoffnung geklammert, dass Washington sich in letzter Minute noch einigt, um die großen Einschnitte zu vermeiden oder einen Plan zusammenschustert, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft abzumildern." Am Freitag läuft die Einigungsfrist aus.

BAYER-AUSBLICK KOMMT GUT AN - RBS NACH ZAHLEN AUF TALFAHRT

Bei den Unternehmen zählte Bayer zu den Favoriten im EuroStoxx50. Die vorgelegten Geschäftszahlen hätten zwar nicht überrascht, schrieb DZ Bank-Analyst Peter Spengler. Die mittelfristigen Ziele für 2015 lägen allerdings über seinen und den Markterwartungen. Daraufhin stiegen Bayer-Titel zeitweise auf ein Rekordhoch von 76,42 Euro und schlossen 2,7 Prozent im Plus bei 75,86 Euro.

Die Aktien der Royal Bank of Scotland (RBS) verloren angesichts eines milliardenschweren Verlustes 6,6 Prozent auf 323,9 Pence. Da hellte auch die Verdoppelung des operativen Gewinns und die Aussicht auf eine Dividende die Stimmung der Anleger nicht auf.

An der Wall Street stachen JCPenney mit einem Kurseinbruch von 17 Prozent heraus. Der Umsatz des US-Einzelhändlers brach im vierten Quartal überraschend stark um knapp ein Drittel ein. Der Verlust stieg auf 2,51 von 0,41 Dollar je Aktie. JCPenney-Rivale Kohl's legte ebenfalls ein enttäuschendes Quartalsergebnis vor. Die Aktie gab 1,4 Prozent nach.