Konjunktursorgen drücken auf Stimmung an Aktienmärkten
Frankfurt (Reuters) - Die Sorge vor einer weltweiten Konjunkturschwäche hat am Mittwoch am Aktienmarkt die Euphorie über sinkende Ölpreise wieder vertrieben.
Der Dax beendete den Handel 0,8 Prozent tiefer bei 6467 Punkten. Der Europa-Index Stoxx50 gab 1,3 Prozent auf 2887 Zähler nach. "Die Weltkonjunktur verliert an Fahrt - und das in einem Umfeld der latent vorhandenen Finanzkrise", sagte Helaba-Aktienstratege Christian Schmidt.
Am Dienstag hatte günstigeres Öl Anleger noch in Kauflaune versetzt. "Wenn der Ölpreis wegen sinkender Nachfrage in Folge der Konjunkturschwäche so deutlich fallen sollte, nutzt er uns nicht", sagte ein Händler. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl sank zur Wochenmitte um 1,3 Prozent auf 108,29 Dollar. "Wir sehen eine Korrektur auf die jüngste Übertreibung. Aber 100 Dollar pro Fass sind immer noch sehr hoch und wir sind die Probleme noch nicht los", sagte ein Börsianer.
Auch vom nachgebenden Euro-Kurs gingen keine Impulse für den Aktienhandel aus. Die Gemeinschaftswährung fiel auf bis zu 1,4386 Dollar und war damit so günstig wie zuletzt Mitte Januar. "Prinzipiell ist das für die deutsche Exportwirtschaft gut. Aber es nützt nichts, wenn die Kunden in den USA kein Geld haben etwas zu kaufen", sagte ein Börsianer.
Ein wenig aufgehellt wurde die Stimmung am Nachmittag von
US-Konjunkturdaten. Die US-Industrie hatte im Juli ein Auftragsplus von 1,3 Prozent verbucht 0,3 Prozentpunkte mehr als von Reuters befragte Analysten erwartet hatten. Nach Einschätzung von Postbank-Analystin Fabienne Riefer lässt aber eine Trendwende nach oben weiter auf sich warten.
Die US-Börsen lagen bei Handelsschluss in Europa leicht im Minus. Der Dow-Jones-Index gab 0,2 Prozent nach, der Technologie-Index Nasdaq-Composite verlor 0,3 Prozent. Verkauft wurden unter anderem Technologie-Titel wie Intel und IBM, die vier beziehungsweise 2,6 Prozent nachgaben. Die Aktien des Chipherstellers Qualcomm verloren 2,5 Prozent, nachdem der Konzernchef in einem Interview erklärt hatte, viele Konsumenten schöben den Kauf eines neuen Handys auf. An der Börse in Helsinki drückte dies die Aktien von Nokia um 4,6 Prozent. Sie waren damit einer der größten Verlierer im Stoxx50.
Auf der Stimmung lasteten nach Angaben von Händlern schlechten Nachrichten für die angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers. Der Hedgefonds-Verwalter Ospraie Management schließt nach heftigen Verlusten im August seinen Vorzeige-Rohstofffonds. Lehman Brothers ist mit 20 Prozent an dem Hedgefonds-Verwalter beteiligt. "Das letzte was Lehman während der Suche nach neuem Kapital benötigt sind Skelette, die aus dem Schrank fallen", sagte Analyst Arthur Hogan von Jefferies & Co in Boston. Lehman-Aktien selbst zeigten sich allerdings recht unbeeindruckt und gaben nur 0,3 Prozent nach.
Größter Verlierer im Dax waren die Aktien des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck, die mit einem Minus von drei Prozent auf eine Gewinnwarnung des US-Konzerns Corning reagierten. Corning ist weltgrößter Hersteller von Spezialglas für Flüssigkristall-Bildschirme, Merck Weltmarktführer bei Flüssigkristallen. Corning-Titel rutschten zehn Prozent ab.
Verkauft wurden auch die Aktien der Postbank, die zwei Prozent verloren. "Es wird immer unwahrscheinlicher, dass die Postbank verkauft wird. Offenbar ist das am Markt aber noch nicht ganz eingepreist gewesen", sagte ein Börsianer. Die Fusion von Commerzbank und Dresdner hatte kurzzeitig Hoffnungen auf einen Postbank-Verkauf wiederbelebt.
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