Neue Kapitalsorgen setzen Bankaktien unter Druck

Freitag, 4. Juli 2008, 15:12 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Neu entfachte Befürchtungen vor Kapitalnöten haben europäische Bankaktien am Freitag kräftig unter Druck gesetzt.

Auslöser der Kursverluste war eine Studie von Goldman Sachs, in der von einem weiteren Kapitalbedarf für Finanzinstitute in Europa von bis zu 90 Milliarden Euro die Rede ist. Als Gründe nennen die Analysten der US-Investmentbank mögliche Verschärfungen der rechtlichen Vorgaben im Zuge der Finanzkrise sowie den Wirtschaftsabschwung, der in den nächsten Jahren vermehrt zu Kreditausfällen führe. Zudem sei mit weiteren Abschreibungen zu rechnen, die für sich allein genommen aber nicht zwangsläufig frisches Kapital erforderten.

Der DJ-Stoxx-Index, der die größten europäischen Banken abbildet, sackte um mehr als 2,3 Prozent ab und belastete damit auch den Gesamtmarkt. In Deutschland standen unter anderem die Papiere der Deutschen Bank, Commerzbank und Postbank oben auf der Banken-Verliererseite. Goldman senkte die Kursziele für diese und zahlreiche weitere Institute. In positivem Terrain hielten sich dagegen die Aktien der Schweizer UBS, die in diesem Jahr bereits 50 Prozent an Wert verloren haben. Die stark von der Krise gebeutelte Bank rechnet für das zweite Quartal nicht mehr mit gravierenden Verlusten und sieht keinen Bedarf für weitere Kapitalerhöhungen.

Nach Einschätzung der Goldman-Experten ist der Ausblick für die europäischen Banken auf mittlere Sicht weiter unsicher. Gründe hierfür seien neben der Kapitalausstattung die angespannte Liquiditätslage sowie die Unklarheit über die Gewinnsituation nach der Krise. Seit Beginn der Marktturbulenzen vor einem Jahr seien knapp 900 Milliarden Dollar an Börsenwert bei europäischen Banken vernichtet worden. Die Institute hätten sich wegen massiver Abschreibungen 115 Milliarden Dollar an frischem Kapital beschafft.

Die Deutsche Bank hatte erst vor wenigen Tagen die Investoren mit der Ankündigung beruhigt, im zweiten Quartal schwarze Zahlen geschrieben zu haben. Zudem sieht Deutschlands größtes Geldhaus keinen Bedarf für frisches Kapital, da die Kernkapitalquote mit neun Prozent weiter am oberen Rand der eigenen Zielspanne liege. Bei dieser Größenordnung gilt eine Bank als ausreichend kapitalisiert.