Euro pendelt sich unter 1,57 Dollar ein
Frankfurt (Reuters) - Der Euro hat sich am Freitag unter der Marke von 1,57 Dollar eingependelt.
Noch am Donnerstag hatte die Gemeinschaftswährung bis zu zwei Cents mehr gekostet, bevor die Europäische Zentralbank (EZB) im Anschluss an ihre Zinserhöhung auf 4,25 Prozent mit ihren Aussagen am Markt herrschende Hoffnungen auf weitere Zinserhöhungen zunichte machte. "In Anbetracht der Öl- und Rohstoffpreise sollten wir uns jedoch nicht zu sehr auf die Erwartung keiner weiteren Zinserhöhungen versteifen", hieß es in einem Kommentar der Commerzbank. Zudem seien die US-Daten weiter überwiegend negativ, was den Euro potenziell wieder stützen könne.
Am Freitag konnte die Gemeinschaftswährung jedoch keinen Boden gutmachen. Der Euro setzte die Talfahrt des Vortages mit gemäßigtem Tempo fort und notierte am frühen Nachmittag bei 1,5670 Dollar nach 1,5696 Dollar im späten US-Geschäft am Donnerstag. Allerdings fehlten wegen des Feiertages "Independence Day" die amerikanischen Marktteilnehmer und das Geschäft verlief sehr ruhig. Den Referenzwert des Euro legte die EZB bei 1,5671 (Vortag: 1,5885) Dollar fest. Im Referenzkursverfahren der Banken EuroFX wurde der Wert des Euro mit 1,5680 (1,5895) Dollar ermittelt.
EZB-MITGLIEDER VERTEIDIGEN ZINSSCHRITT
Unterdessen sind führende EZB-Vertreter Befürchtungen vor einem Abwürgen der Konjunktur nach der Zinserhöhung entgegengetreten. Das Wachstum werde nicht zum Erliegen gebracht, "ganz im Gegenteil", sagte EZB-Ratsmitglied Yves Mersch dem Luxemburger "Tageblatt" (Freitagausgabe). Grund für die Zinserhöhung sei die gestiegene Inflationserwartung. "Besser heute ein wenig Schmerz ertragen, als deutlich mehr Schmerz in Zukunft", sagte der Luxemburger Notenbankchef. Auch Bundesbankpräsident Axel Weber trat kritischen Stimmen entgegen. Die Zinserhöhung sei keine Prophylaxe gewesen, sagte er im "Südkurier". Es hätten sich einige Risiken materialisiert.
HÖHERE RENDITEN LOCKEN INVESTOREN AN
An den europäischen Rentenmärkten legten die Notierungen vor dem Wochenende zu. Der richtungsweisende Bund-Future stieg um 29 Ticks auf 111,11 Zähler. Die zehnjährige Bundesanleihe fiel dagegen um zwölf Zähler auf 97,65 Prozent, wodurch die Rendite auf 4,545 Prozent sank. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen betrug 4,62 (4,78) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,9 Prozent auf 113,8327 Zähler. Auch am Rentenmarkt verarbeiteten die Investoren noch die Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, sagten Analysten. "Die überzogenen Erwartungen steigender Zinsen weichen", sagte Analyst Marc Oswald von Insinger de Beaufort. Es sei am Markt "das Schlimmste" befürchtet worden, doch die Aussagen von Trichet hätten beruhigt. Zudem kämen den europäischen Titeln Gelder aus den USA zugute, da die Verzinsung in der Euro-Zone mehr als doppelt so hoch sei wie in Amerika.
© Thomson Reuters 2008 Alle Rechte vorbehalten.

