Einstieg von Swiss Life bei MLP sorgt für heftige Kursreaktionen

Donnerstag, 14. August 2008, 17:24 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der heimliche Einstieg des Schweizer Lebensversicherers Swiss Life beim deutschen Finanzmakler MLP hat heftige Kursreaktionen bei den Aktien der beteiligten Unternehmen ausgelöst.

Während Investoren die Titel von Swiss Life und MLP auf Talfahrt mit Verlusten von jeweils rund zehn Prozent schickten, griffen sie bei den wenigen noch frei handelbaren AWD-Aktien zu und trieben den Kurs um mehr als 30 Prozent nach oben.

"Das ist die Androhung einer Übernahme, die freundlich aussehen soll", bewertete ein Händler in Frankfurt das Vorgehen der Schweizer. Durch die neue Konstellation könne bei MLP eine lähmende Patt-Situation entstehen. Da MLP-Chef Manfred Lautenschläger eine Sperrminorität hält und klar gemacht hat, dass er nicht verkaufen will, schwinde nun die Übernahmefantasie aus der MLP-Aktie. Die Titel lagen am Nachmittag noch sieben Prozent im Minus bei 12,83 Euro.

Swiss Life hatte am Morgen mitgeteilt, sich über eine ungewöhnliche Transaktion eine Sperrminorität bei MLP gesichert zu haben: Der Schweizer Konzern kauft vom Chef seiner Tochterfirma AWD dessen unbemerkt aufgebaute MLP-Beteiligung von 26,74 Prozent.

WORST-CASE-SZENARIO

"Eines der schlimmstmöglichen Szenarien ist eingetreten", sagte Analyst Fabrizio Croce von Landsbanki Kepler. "Einmal mehr hat Swiss Life bewiesen, dass sie irrational Entscheidungen treffen, wenn sie in Besitz von Bargeld sind." Die Aktien notierten zuletzt um 251 Euro und damit knapp acht Prozent unter dem Schlusskurs des Vortages. Für Swiss-Life-Aktionäre werde die Situation mittelfristig schwierig bleiben, urteilte ein Analyst. Sowohl strategisch als auch finanziell seien sie nun mit einem unklaren Ausblick konfrontiert. Durch die Kürzung des Aktienrückkaufprogramms habe der Konzern wohl genügend Geld vorgehalten, um MLP doch komplett übernehmen zu können.

Mehr aus kommerziellem denn aus unternehmensstrategischem Interesse heraus fragten Investoren die AWD-Aktien nach. In der Hoffnung auf eine attraktive Zwangsabfindung zahlten sie bis zu 29,20 Euro je Anteilsschein und damit rund ein Drittel mehr als im späten Vortagesgeschäft. Nur rund drei Prozent oder 1,3 Millionen der AWD-Aktien sind noch frei handelbar, deren Wert erhöhte sich im Verlauf um rund 10 Millionen Euro.