Goldman-Studie zu Banken drückt Aktienmärkte ins Minus

Freitag, 4. Juli 2008, 19:27 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Eine Studie von Goldman Sachs über weiteren Kapitalbedarf bei europäischen Banken hat am Freitag die Kurse an den Aktienmärkten ins Minus gedrückt.

Der Dax ging mit einem Abschlag von 1,3 Prozent auf 6272 Punkte ins Wochenende. Auf Wochensicht gab der deutsche Leitindex damit 2,3 Prozent nach. Der Europa-Index Stoxx50 verlor am Freitag ebenfalls 1,3 Prozent auf 2837 Zähler.

Abgesehen von der Goldman-Studie gab es wenig Impulse für die Märkte. "Ohne die Amerikaner geht hier gar nichts", schimpfte ein Börsianer. Die Märkte an der Wall Street waren wegen des amerikanischen Unabhängigkeitstages geschlossen.

Die anhaltende Unsicherheit geht Börsianern zufolge von Inflationsängsten und dem weiterhin hohen Ölpreis aus. "Vor allem die Banken sind immer noch tabu", sagte ein Händler. Belastet wurden deren Aktien von einer Studie der US-Investmentbank Goldman Sachs, wonach die europäischen Banken theoretisch noch einen Kapitalbedarf von 60 bis 90 Milliarden Euro haben könnten. Die Analysten begründen ihre Einschätzung mit einer möglichen Verschärfungen der rechtlichen Vorgaben im Zuge der Finanzkrise sowie dem Wirtschaftsabschwung, der in den nächsten Jahren vermehrt zu Kreditausfällen führe. Zudem sei mit weiteren Abschreibungen zu rechnen. Goldman nahm zudem die Kursziele einer ganzen Reihe von Banken herunter. "Das reicht schon aus, um die Finanzwerte wieder runter zu drücken", kommentierte ein Händler. Der DJ-Stoxx-Branchenindex sackte um drei Prozent ab. Von den Aktien großer europäischer Geldinstitute wurden insbesondere die der spanischen Banco Santander und die der britischen Barclays in Mitleidenschaft gezogen. Beide Titel gaben mehr als vier Prozent nach. In London stürzten die Titel von Bradford & Bingley um fast 20 Prozent ab. Kreisen zufolge ist ein potenzieller Investor für die angeschlagene Hypothekenbank abgesprungen.

In Frankfurt gehörten die Aktien der Postbank mit einem Minus von 4,8 Prozent zu den größten Verlierern. Commerzbank gaben 4,3 und Deutsche Bank 2,8 Prozent ab. Auch die Aktien der Deutschen Börse blieben mit einem Minus von 3,5 Prozent auf Talfahrt. "Solange die Handelsumsätze so mager bleiben, wird die Aktie unter Druck sein", sagte ein Händler.

In Zürich konnten die Aktien der Großbank UBS ihre anfänglichen Kursgewinne von acht Prozent nicht ins Wochenende retten. Mit der Nachricht, dass im zweiten Quartal dank einer Steuergutschrift höchstens ein leicht negatives Ergebnis zu erwarten sei und es keine Notwendigkeit für eine neue Kapitalerhöhung gebe, hatte UBS zunächst die Anleger gelockt. Nach Aussage von Händlern fehlten dann jedoch Anschlusskäufe, so dass die UBS-Titel 2,6 Prozent im Minus schlossen.

INFINEON GEFRAGT, CONTINENTAL UNTER VERKAUFSDRUCK

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Infineon mit einem Plus von gut zwei Prozent. Händler berichteten von vagen Gerüchte über eine Übernahme des Münchener Chipkonzerns. Größter Dax-Verlierer waren die Aktien von Continental mit einem Minus von gut fünf Prozent. Börsianern zufolge wird der Autozulieferer weiter von den für die VDO-Übernahme aufgeladenen Schulden belastet.

An der Börse in Dublin rutschten die Aktien von Ryanair fast neun Prozent ab. Europas größter Billigflieger hatte im Juni zwar mehr Passagiere transportiert, die Auslastung der Maschinen war jedoch gesunken.