US-Börse bricht ein- Höchster S&P-Tagesverlust seit 9/11

Donnerstag, 18. September 2008, 07:28 Uhr
 

New York (Reuters) - Aus Sorgen vor weiteren Hiobsbotschaften vom Finanzmarkt sind die US-Börsen am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit Jahren eingebrochen.

Alle drei großen Indizes verloren mehr als vier Prozent. Die Nasdaq und den S&P-500 mussten den höchsten prozentualen Tagesverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hinnehmen. An der Wall Street ging trotz der Rettungsaktion der US-Regierung für den Versicherungsgiganten AIG die Angst um. Händler sorgten sich, dass die Investmentbank Morgan Stanley die Kreditkrise nicht überleben könnte. Da eine weitere Verschärfung der Finanzkrise die gesamte Wirtschaft belasten würde, gerieten auch andere Branchen in den Abwärtssog. Zudem drückten schlechte Konjunkturdaten auf die Stimmung und der Ölpreis stieg um fast sechs Prozent auf 96,57 Dollar.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel um 4,1 Prozent auf 10.609 Punkte und lag damit nur knapp über dem Tagestief. Das Börsenbarometer war im Verlauf zwischen 10.595 und 11.057 Punkten gependelt. Der breiter gefasste S&P-500 sackte 4,7 Prozent auf 1156 Zähler ab - der tiefste Stand seit Mai 2005. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 4,94 Prozent auf 2098 Punkte. Der Deutsche Aktienindex (Dax) in Frankfurt hatte 1,8 Prozent schwächer bei 5860 Punkten geschlossen. Zu dem Zeitpunkt hatte der Dow etwa drei und die Nasdaq 3,5 Prozent im Minus gelegen.

Bei den Händlern überwog die Auffassung, dass der 85 Milliarden Dollar Notfallkredit der US-Regierung für AIG nicht ausreicht, um den Turbulenzen auf den Finanzmärkten Einhalt zu gebieten. Die AIG-Aktie stürzte erneut um über 45 Prozent ab. "Jeder hat Angst, wer der nächste ist", sagte John O'Brien, Vizepräsident von MKM Partners. "Derzeit sehen wir einen Domino-Effekt", meinte Peter Cardillo von Avalon Partners.

Sorgen machten sich die Händler besonders um Morgan Stanley. Trotz der vorgezogenen Bekanntgabe überraschend guter Quartalszahlen schlossen die Papiere über 25 Prozent im Minus. Was mit der Morgan Stanley-Aktie passiere, sei angesichts der Geschäftszahlen beunruhigend, sagte Peter Boockvar von Miller Tabak & Co. Der Fernsehsender CNBC berichtete, Morgan Stanley prüfe bereits einen Zusammenschluss mit einer anderen Bank. Fusionsgespräche würde jedoch noch nicht geführt.

Die negative Stimmung zog auch die Titel von Branchenprimus Goldman Sachs nach unten, dessen Aktie 14 Prozent verlor. Papiere der Citibank gaben elf Prozent nach, zeitweise fielen sie auf den tiefsten Stand seit 1996. Washington Mutualverloren knapp 15 Prozent. Einem Bericht der "New York Post" zufolge sondiert die US-Bankenaufsicht den Markt nach Kaufinteressenten für die angeschlagenen US-Sparkasse.

Experte O'Brien warnte vor negativen Auswirkungen der Finanzkrise auf andere Sektoren. "Wenn es kurzfristig kein Geld gibt, um das tägliche Geschäft zu unterstützen, dann kann die gesamte Wirtschaft nicht so funktionieren wie sie das eigentlich sollte", sagte er. So gaben auch die Titel des Mischkonzerns General Electric, des Autobauers General Motors und des Pharmaherstellers Pfizer nach, obwohl es keine negativen Nachrichten über sie oder ihre Branche gab. GE verlor 6,7, GM 8,3 und Pfizer 3,6 Prozent.

Besserung ist den meisten Experten zufolge nicht in Sicht. "Jeder Anleger wird jetzt jede Investition auf der ganzen Welt infrage stellen", befürchtet John Schloegel von Capital Cities Asset Management. "Sie werden alles verkaufen, was irgendeine Form von Risiko beinhaltet." Sein Kollege Angel Mata von Stifel Nicolaus Capital warnt vor einer Verunsicherung der Konsumenten. "Schwappt das ganze jetzt auf die Konsumenten über? Gibt es morgen einen Sturm auf die Banken?", fragte er.

Unter den neuen Konjunkturdaten trug das Defizit in der US-Leistungsbilanz zum Pessimismus bei, das sich im zweiten Quartal 2008 überraschend stark ausweitete. Auch die Wohnbaubeginne gingen aufs Jahr hochgerechnet im August weiter zurück.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,02 Milliarden Aktien den Besitzer. 213 Werte legten zu, 2987 gaben nach und 32 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 3,11 Milliarden Aktien 428 im Plus, 2452 im Minus und 82 unverändert.

An den US-Kreditmärkten legten die zehnjährigen Staatsanleihen um 12/32 auf 102-04/32 zu. Sie rentierten mit 3,386 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gewannen 16/32 auf 107-19/32 und hatten eine Rendite von 4,056 Prozent.

 
<p>A trader works on the floor of the New York Stock Exchange, September 17, 2008. REUTERS/Shannon Stapleton (UNITED STATES)</p>