Hiobsbotschaften aus Finanz- und Autobranche drücken Dax

Freitag, 9. Mai 2008, 18:34 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Schlechte Nachrichten aus der Finanz- und Automobilbranche haben den Anlegern am deutschen Aktienmarkt am Freitag die Stimmung verdorben.

Auch der nicht enden wollende Höhenflug des Ölpreises sorgte für trübe Mienen. Vor dem Wochenende stieg der Preis für ein Barrel Öl auf über 125 Dollar. "Die Serie der Hiobsbotschaften reißt einfach nicht ab", sagte ein Händler.

Der Dax büßte bis zum Abend knapp ein Prozent auf 7003 Zähler ein und verlor damit in der abgelaufenen Woche rund 0,6 Prozent. Der Stoxx50 schloss am Freitag 1,4 Prozent niedriger bei 3228 Zählern.

Auf den Finanzwerten lasteten vor allem die schlechten Zahlen von AIG. Der weltgrößte Versicherer hatte einen Quartalsverlust in Rekordhöhe bekanntgegeben und eine 12,5 Milliarden Dollar schwere Kapitalerhöhung angekündigt. Die AIG-Titel fielen daraufhin um über acht Prozent. Das hinterließ auch am Gesamtmarkt Spuren: Zum Handelsschluss in Europa notierte der Dow-Jones-Index 0,7 Prozent niedriger, während der Nasdaq-Composite um 0,2 Prozent nachgab.

ALLIANZ ENTTÄUSCHT - AUCH LINDE UNTER DRUCK

Für trübe Stimmung in Europa sorgten zudem die detaillierten Ergebnisse der Allianz. Unerwartet hohe Verluste bei der Tochter Dresdner Bank verhagelten dem Münchener Finanzkonzern die Quartalsbilanz. Allianz-Aktien verloren ein Prozent auf 129,05 Euro. Europaweit waren Aktien der Finanzbranche nicht gefragt, im Stoxx50 zählten Titel wie die der Royal Bank of Scotland und von Barclays mit Kursabschlägen von über zwei Prozent zu den größten Verlierern. Die heftigsten Verluste in dem europäischen Auswahlindex verzeichnete jedoch Sanofi-Aventis. 5,9 Prozent büßten die Aktien des Pharmakonzerns ein, nachdem Konkurrenten angekündigt hatten, Nachahmerprodukte des lukrativen Sanofi-Medikaments "Plavix" auf den Markt zu bringen.

Aus der Autobranche kamen schlechte Nachrichten aus Japan. Toyota enttäuschte Anleger mit seinen Geschäftszahlen. Der Nettogewinn des japanischen Konzerns brach um mehr als 25 Prozent ein, und für das Gesamtjahr rechnet der Weltmarktführer erstmals seit sieben Jahren mit einem rückläufigen Nettogewinn. Der Index des europäischen Automobilsektors gab 1,3 Prozent nach. Im Dax verloren die Titel von BMW mit 4,2 Prozent Minus auf 36,12 Euro am stärksten, allerdings drückte ein Dividendenabschlag. Daimler gaben 0,9 Prozent auf 51,71 Euro nach.

Nach Vorlage der Zwischenbilanz von Linde gerieten auch die Aktien der Industriegasefirma unter Druck. Sie sackten um 4,1 Prozent ab auf 92,15 Euro. Umsatz und operatives Ergebnis hätten unter den Erwartungen gelegen, sagten Experten. "Das zeigt, dass sich die Kreditkrise so langsam auch auf die Realwirtschaft auswirkt", sagte ein Börsianer. Sollte klar werden, dass Linde kein Einzelfall ist, dürfte es der Dax bald schwer haben. Daneben nutzten Händlern zufolge viele Anleger die Zahlen für Gewinnmitnahmen, da sich die Linde-Aktie in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich entwickelt hatte.

FREITÄGLICHE GERÜCHTEKÜCHE BRODELT WIEDER

Neben Fakten sorgten wie so oft am Freitag Gerüchte für Gesprächsstoff auf dem Parkett. Am Markt wurde unter anderem herumgereicht, dass der französische Versorger EdF für E.ON bieten werde, falls er beim geplanten Verkauf von British Energy nicht zum Zug komme. Ein anderes Gerücht besagte, der Finanzinvestor Blackstone wolle seinen Anteil an der Deutschen Telekom aufstocken. In beiden Fällen bezeichneten Börsianer den Wahrheitsgehalt der Spekulationen als eher gering. Die Aktien der Telekom sowie von E.ON zählten dennoch mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 11,81 Euro und einem Prozent auf 126,96 Euro zu den größten Gewinnern im Dax.