Unternehmen | Mittwoch, 28. November 2012, 16:05 Uhr

Miteigner lässt Metro mit Saturn-Expansion allein

Düsseldorf Knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt häufen sich die Problemfälle auf dem Schreibtisch von Metro-Chef Olaf Koch.

Seit Mittwoch ist klar, dass Koch bei einer Expansion der Elektromarkttochter Media-Saturn in China nicht auf eine finanzielle Beteiligung des Saturn-Mitgründers Erich Kellerhals bauen kann. Auf Kellerhals' Ausscheren reagierte Metro zwar demonstrativ gelassen: "Kellerhals hat sich aus unserer Sicht weder nachhaltig noch konstruktiv für ein Voranbringen des China-Geschäfts engagiert", betonte ein Sprecher. Bis Ende des Jahres, so die Planung, soll über die Expansion entschieden werden. Kommt diese, muss Metro sie aber ohne Kellerhals stemmen.

Media Markt hatte 2009 den Markteintritt in China angekündigt. Man sehe ein "Potenzial von hunderten großflächiger Media Märkte", hatte Metro unter dem damaligen Chef Eckhard Cordes angekündigt. Im November 2010 öffnete dann der erste Media Markt, derzeit sind es sieben Märkte im Großraum Shanghai.

Cordes' Nachfolger Koch kämpft an mehreren Fronten: Erst am Vorabend hatte Großaktionär Haniel angekündigt, seinen Anteil an dem Düsseldorfer Konzern zu verringern. Zudem hatte Koch im Laufe des Jahres bereits seine Gewinnprognose für 2012 kappen und den Abstieg der Metro-Aktien aus dem Dax verkraften müssen. Und Metro und Kellerhals liegen seit Jahren im Clinch um die Macht bei Media-Saturn.

IN CHINA "UNÜBERBRÜCKBARE DIFFERENZEN", IN EUROPA LIIERT

Seine Gesellschaft Convergenta Invest GmbH werde sich aus der für die Expansion in China gegründeten Media-Saturn-Gesellschaft zurückziehen, kündigte Kellerhals an. Hintergrund sei die "mangelnde Investitionsbereitschaft der Metro", erklärte der Milliardär. "Im harten chinesischen Wettbewerb kann man sich nur behaupten, wenn man rasch und offensiv expandiert", beschied Kellerhals. "Es gibt nur die Wahl, entweder ganz oder gar nicht mitzumischen, ein Mittelweg führt ins Nichts", ließ er Metro-Chef Koch wissen. "Die Metro hat da leider nicht mitgezogen." Das Management des Düsseldorfer Handelsriesen habe auch "die Anregung von Kellerhals, in China einen Wettbewerber zu übernehmen, der über eine dreistellige Anzahl von Märkten verfügt", nicht aufgreifen wollen. Insgesamt gebe es zwischen Metro und ihm "unüberbrückbare Differenzen".

"Es gibt eine von allen Gesellschaftern vereinbarte Testphase mit klar definiertem Investitionsrahmen bis Ende 2012", betonte dagegen der Metro-Sprecher. Auch habe Metro bislang keine passende Gelegenheit für einen Zukauf gesehen. Metro werde nun zusammen mit der Media-Saturn-Geschäftsführung über das weitere Vorgehen in China beraten.

Kellerhals hielt 21,62 Prozent an der für die China-Expansion gegründeten Gesellschaft. Entsprechend hätte er sich an Investitionen beteiligen müssen. Kellerhals kündigte an, sich auf das Europa-Geschäft von Media-Saturn zu konzentrieren.

Im Clinch zwischen Metro und Kellerhals hatten zuletzt zwei Personalien bei Media-Saturn die Hoffnung aufkommen lassen, die Zwistigkeiten könnten beigelegt werden: Media-Saturn-Chef Horst Norberg soll bleiben, Loewe-Chef Oliver Seidl soll neuer Finanzchef der Kette werden. Der Rechtsstreit zwischen Kellerhals und Metro um das Sagen bei der Holding dauert aber an. Der Düsseldorfer Konzern hält knapp über 75 Prozent an Media-Saturn, Kellerhals über 21 Prozent. Bei Personalien verfügt Kellerhals indes über Veto-Rechte.

HANIEL WILL METRO-ANTEIL VERRINGERN

Der Metro macht nicht nur die Euro-Krise zu schaffen, auch Umbauten zehren an den Kräften. Entscheiden muss Koch über die Zukunft der Supermarktkette Real, deren Geschäft in Osteuropa und der Türkei zur Disposition steht. Metro verhandele mit dem französischen Konkurrenten Auchan über die Real-Aktivitäten in Osteuropa, hatte es zuletzt in Finanzkreisen geheißen. Der Ausgang der Gespräche sei noch offen.

Großaktionär Haniel hatte am Dienstag angekündigt, seinen Metro-Anteil innerhalb der nächsten 18 Monate um gut vier Prozent zu reduzieren. Die Beteiligung an den Düsseldorfern soll damit auf 30,01 Prozent sinken. Metro-Aktien notierten am Nachmittag mit einem Minus von über vier Prozent bei 21,26 Euro - und waren damit größter Verlierer im MDax. Haniel will mit Anteilsverkäufen Milliarden-Schulden drücken - die auch entstanden waren, weil der Duisburger Mischkonzern unter seinem damaligen Chef Cordes, der danach Metro-Chef wurde, den Metro-Anteil für rund 60 Euro je Aktie deutlich aufgestockt hatte.

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