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Markte | Mittwoch, 2. Januar 2013, 18:17 Uhr

Kursfeuerwerk an Finanzmärkten nach US-Etatkompromiss

Frankfurt Die Finanzmärkte sind nach dem vorläufigen Ende des US-Haushaltsstreits mit einem Kursfeuerwerk ins neue Jahr gestartet.

Rund um den Globus griffen Anleger am Mittwoch sowohl bei Aktien als auch bei Rohstoffen und Währungen beherzt zu. Sie ließen sich dabei auch nicht von den Warnungen einiger Börsianer abhalten, dass die US-Schuldenkrise mit diesem Kompromiss noch lange nicht überwunden sei.

Der Dax beendete den ersten Handelstag des Jahres mit einem Plus von 2,2 Prozent bei 7778,78 Punkten. Mit einem Tageshöchststand von 7789,94 Zählern markierte der deutsche Leitindex ein neues Fünf-Jahres-Hoch. Der EuroStoxx50 kletterte um 2,7 Prozent auf 2706 Zähler - immerhin das höchste Niveau seit eineinhalb Jahren. In New York stieg der Dow Jones mit den 30 Standardwerten um 1,7 Prozent auf 13.326 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 rückte ebenfalls 1,7 Prozent auf 1450 Zähler vor. Der Nasdaq kletterte um 2,2 Prozent auf 3087 Punkte.

An der Londoner Börse durchbrach der Leitindex erstmals seit Juli 2011 die Marke von 6000 Punkten. Der MSCI-Index für die Schwellenländer stieg auf den höchsten Stand seit neuneinhalb Wochen.

EINIGUNG IN LETZTER MINUTE - SCHULDENPROBLEM NOCH UNGELÖST

Nach zähen Verhandlungen hatte sich der US-Kongress in der Nacht zum Mittwoch auf einen Kompromiss geeinigt, der viele der zum Jahreswechsel in Kraft getretenen automatischen Ausgabenkürzungen und Steuer-Erhöhungen wieder aufhebt. Ohne diese Einigung wäre die weltgrößte Volkswirtschaft nach Einschätzung von Experten über die sogenannte "Fiskalklippe" in die Rezession gestürzt. In den kommenden Monaten müssen sich die US-Politiker aber auf Einsparungen einigen, um die überbordende Staatsverschuldung langfristig in den Griff zu bekommen. Außerdem stoßen die USA bald an ihre selbst gesetzte Schulden-Obergrenze.

"Eine kurzfristige Einigung in den USA ist kein Wendepunkt für die globalen Märkte, weder im Guten noch im Schlechten", mahnte Stratege Max King von Investec Asset Management. Politisches Durcheinander, Fehler und Irrglaube seien 2013 genauso ein Bestandteil des Investitionsklimas wie 2012, sollten aber kein Hindernis für anhaltend solide Kursgewinne sein. "Viel wichtiger wird die Frage sein, ob sich die Weltwirtschaft stabilisiert und ob die Unternehmen nach 18 enttäuschenden Monaten wieder Umsatz und Gewinn steigern können."

ROHSTOFFE IM AUFWIND - BUND-FUTURE TIEFER

Der Euro verteuerte sich auf bis zu 1,3299 Dollar, nach 1,3194 Dollar zum EZB-Fixing am vergangenen Freitag. Im Handelsverlauf büßte die Gemeinschaftswährung ihre Gewinne aber ein. Andere Währungen wie der australische Dollar profitierten ebenfalls vom gestiegenen Risiko-Appetit der Investoren. An den Rohstoff-Märkten kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der richtungsweisenden Ölsorte Brent um bis zu 1,6 Prozent auf den höchsten Stand seit Mitte Oktober. Auch Kupfer kostete mit 8255 Dollar je Tonne zeitweise so viel wie seit Oktober nicht mehr.

Im Gegenzug trennten sich Investoren von Anlagen, die als sicher gelten, aber geringe Renditen bieten. Der Bund-Future rutschte um 160 Ticks auf 144,04 Punkte ab.

FINANZWERTE IM AUFWIND

Bei den Aktien gehörten jene Werte zu den Gewinnern, die besonders stark auf die Stimmung an den Märkten reagieren. Im Dax waren ThyssenKrupp und Infineon mit Aufschlägen von fünf und 4,3 Prozent Spitzenreiter. Auch Finanztitel waren gefragt: Zu den Favoriten im europäischen Bankenindex zählten die Titel der Commerzbank und Societe Generale mit Kursgewinnen von 3,9 und 5,3 Prozent. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank schlossen 3,7 Prozent fester. In New York legten die Titel der Bank of America um 3,4 Prozent zu, Citigroup-Aktien verteuerten sich um 3,6 Prozent.

- von Hakan Ersen und Tom Körkemeier

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